Am Dienstag vergangener Woche ereignete sich ein tragisches Unglück an der Dreierschützengasse in Graz, das Wellen der Bestürzung auslöste. Ein Amoklauf an dieser Schule führte zum Tod von elf Menschen und verletzte ebenso viele schwer. Die Schulgemeinschaft steht nun unter Schock, und der Schulbetrieb wird am kommenden Montag wieder aufgenommen. Dabei liegt der Fokus in den ersten Tagen eindeutig auf Trauma- und Krisenbewältigung, um den Kindern und Jugendlichen in dieser teils traumatischen Zeit zur Seite zu stehen. Wie meinbezirk.at berichtet, wird die Rückkehr in den Alltag alles andere als gewöhnlich verlaufen.
Am Mittwoch dürfen die Schülerinnen und Schüler wieder in die Schulen, aber nicht mit dem Ziel, den normalen Unterricht fortzusetzen. In vielen Schulen, darunter die HTBLA Kaindorf und MS 1 Leibnitz, wird außerordentlicher Unterricht durchgeführt. Lehrkräfte und Schulleitungen sind dabei gefordert, nicht nur mit den Auswirkungen des Geschehenen umzugehen, sondern auch den Notfallplan für Amokläufe zu erörtern, um besser gewappnet zu sein für die Zukunft.
Trauma und Unterstützung
Um den besorgten Kindern und Eltern ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln, wird die Polizei verstärkt an den Schulen eingeteilt. Bei Verständigungsproblemen oder Ängsten können sich Betroffene an verschiedene Hotlines wenden, darunter die ARGE Jugend gegen Gewalt und Rassismus, die unter der Telefonnummer 0664 18 51 278 erreichbar ist. Auch die Hotline für schulpsychologische Betreuung der Bildungsdirektion Steiermark bietet Unterstützung.
Dominik Knes von der ARGE schätzt, dass es mindestens drei Wochen dauern wird, bis ein gewisser Alltag und eine Art Ruhe an den Grazer Schulen wieder einkehren kann. Die ARGE, die seit 1999 in der Steiermark aktiv ist, bietet über Beratungen, Workshops und Schulungen Unterstützung für Schüler, Eltern, Lehrkräfte und andere, die mit Jugendlichen arbeiten. Knes hebt hervor, dass das Thema Gewalt an Schulen nicht neu ist, aber der Amoklauf nun als Weckruf dienen könnte, die Gewaltprävention in den Schulen auf ein neues Level zu heben.
Ein drängendes Problem
Gewalt an Schulen ist ein häufig diskutiertes Thema, nicht nur in Österreich, sondern auch international. Laut dem aktuellen Stand der Forschung ist fast jede zweite Lehrkraft in Deutschland Zeugin von Gewalt unter Schülern. Dies geht einher mit einer steigenden Anzahl von gewaltbedingten Unfällen, die jedoch noch nicht die Werte vor der Corona-Pandemie erreichen. Besonders besorgniserregend ist es, dass über 12% der 15-jährigen Schüler in der letzten PISA-Studie von regelmäßigem Mobbing berichteten und rund 6% physisches Mobbing erfuhren. An sozial benachteiligten Schulen sehen beinahe 70% der Lehrkräfte ein akutes Gewaltproblem. Diese Erkenntnisse spiegeln sich auch in den Wünschen der Eltern wider. Über 80% der befragten Eltern fordern Anti-Gewalt-Trainings in Schulen, um präventiv gegen Gewalt und Cybermobbing vorzugehen, wie statista.com aufgezeigt wird.
Die aktuelle Situation stellt ein dringendes Zeichen dar: Gewaltprävention ist wichtiger denn je. Knes von der ARGE fordert mehr Mittel für die Gewaltprävention, insbesondere für Einrichtungen, die finanziell weniger unterstützt werden. Wichtige Themen wie die Auswirkungen sozialer Medien, Mobbing und interkulturelle Konflikte müssen verstärkt in den Unterricht integriert werden, um die Jugend von heute aufzuklären und zu sensibilisieren.
„Der Vorfall an der Dreierschützengasse zeigt, dass Gewalt an Schulen überall passieren kann“, so Knes. Man darf nicht auf einen weiteren Vorfall warten, um zu handeln. Daher ist eine engere Zusammenarbeit mit Institutionen, Schulen und der Polizei unerlässlich, um die Situation nachhaltig zu verbessern.