Heute ist der 6.02.2026. In Zell am See wird die soziale Problematik der Obdachlosigkeit immer sichtbarer, auch wenn die Stadt von vielen als eine idyllische Urlaubsregion angesehen wird. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel ist der 26-jährige Mann, anonym als „B.“ bezeichnet, der seit einem Jahr in versteckter Obdachlosigkeit lebt. Er kam vor drei Jahren nach Österreich, lernte die Sprache und holte seinen Schulabschluss nach. Obwohl er einen Job hatte, verlor er aufgrund reduzierter Arbeitsstunden und Problemen mit dem Vermieter seine Wohnung, für die er eine Miete von etwa 850 Euro zahlte. Seither lebt B. „aus der Tasche“ und hat keinen eigenen Raum mehr. Gelegentlich findet er Unterschlupf bei Freunden, doch oft muss er im Freien übernachten, auch bei Minusgraden. Die Waschmöglichkeiten sind begrenzt; er nutzt Parkhäuser oder den Keller des Caritas-Gebäudes für Hygiene. Laut Silvia Kroisleitner von der Caritas sind offiziell 5-7 Personen obdachlos im Pinzgau, die Dunkelziffer könnte jedoch höher sein.

Die Situation in Zell am See ist nicht einzigartig. Aktuell nutzen 16 obdachlose Personen, darunter 2 Frauen und 14 Männer, die Adresse der Caritas Zell am See für Sozialleistungen. Diese Menschen übernachten oft bei Bekannten oder in Personalhäusern, da sie die Kriterien für geförderte Gemeindewohnungen nicht erfüllen können. Der private Wohnungsmarkt ist für viele, wie auch für B., unzugänglich. Die hohen Preise und Kautionssummen sind eine unüberwindbare Hürde. Ein Mangel an Wohnraum, insbesondere an kleinen Einheiten für Alleinstehende, verschärft die Lage zusätzlich.

Obdachlosigkeit in Salzburg

In Salzburg gelten insgesamt 262 Personen als wohnungslos, davon sind 417 obdachlos registriert. Die Mehrheit der Obdachlosen konzentriert sich auf die Stadt Salzburg, wo 85,5 % der obdachlosen Menschen leben. Im Pinzgau sind es lediglich 3,9 %. Die Caritas bietet einige Notschlafstellen in Salzburg an, wie „Exit Nova“, „Haus Franziskus“ und im Winter das „Haus Elisabeth“, doch diese sind nicht für alle zugänglich. Es gibt oft Schwierigkeiten für Menschen mit psychischen oder sozialen Problemen, die in Notschlafstellen übernachten möchten. Frühere Notschlafstellen in Zell am See und Saalfelden wurden geschlossen oder umfunktioniert, was die Situation noch verschärft.

B. hat kürzlich seinen Job im Pinzgau gekündigt und plant nun einen Neuanfang in Wien, um eine bezahlbare Wohnung zu finden. Sein Ziel ist es, wieder ein geregeltes Leben zu führen, inklusive Training und Kochen für sich selbst. Dies verdeutlicht, wie wichtig es ist, dass Menschen wie B. Unterstützung und geeignete Wohnmöglichkeiten erhalten, um aus der Obdachlosigkeit herauszukommen.

Notwendigkeit von Wohnraum und Unterstützung

Die Direktorin der Caritas Salzburg, Andrea Schmid, bestätigt den ausufernden Wohnraummangel und den wachsenden Bedarf an leistbarem Wohnraum. Wohnungslosigkeit betrifft Menschen aller Lebenslagen, sei es jung oder alt, Männer oder Frauen, mit oder ohne Arbeit. Die Ursachen dafür sind vielfältig: Krankheit, Unfall, Jobverlust oder plötzliche Mieterhöhungen können Menschen in die Obdachlosigkeit treiben. Die Caritas bietet Unterstützung für obdachlose Menschen an, darunter Notschlafstellen und Wohnintegration.

Ein Beispiel für den Erfolg solcher Programme ist das Projekt „meinzuhaus“, das seit 2018 in Kooperation mit dem Studentenwerk existiert. Hier wurden bereits 164 Personen aus Wohnungsnot in eine dauerhafte, leistbare Wohnung vermittelt. Die während der Corona-Lockdowns bereitgestellten 24-Stunden-Notwohnangebote halfen vielen, eine nachhaltige Wohnlösung zu finden. Andrea Schmid betont die Dringlichkeit weiterer Angebote wie Notwohnen und Übergangswohnungen, um der wachsenden Zahl an Obdachlosen zu helfen.

Die Situation in Zell am See und Umgebung ist ein eindringlicher Appell, die sozialen Strukturen zu stärken und denjenigen zu helfen, die in Not sind. Die Caritas Zell am See bietet nicht nur Beratung, sondern auch die Möglichkeit, Kleidung und Gebrauchsgegenstände zu spenden. Dringend benötigt werden Schlafsäcke, warme Winterschuhe und entsprechende Bekleidung. Wer helfen möchte, kann während der Öffnungszeiten Spenden in der Caritas Zell am See abgeben oder Geldspenden auf das angegebene Konto überweisen.

Für weitere Informationen und Unterstützungsmöglichkeiten können Sie die Caritas Salzburg besuchen: Hier klicken.