In der malerischen Umgebung von Tamsweg gibt es Geschichten zu erzählen, die tief in der Geschichte der Landwirtschaft verwurzelt sind. Conny Bürgler hat in seiner Dokumentation „Mein Leben: Kalte Winter und heiße Busserl“ drei bemerkenswerte Salzburger zwischen 80 und 95 Jahren getroffen, die ihre Erfahrungen und Erinnerungen teilen. Diese Geschichten sind nicht nur persönliche Erzählungen, sondern auch Fenster in die Vergangenheit einer Region, die von der Landwirtschaft geprägt wurde.
Bäckermeister Peter Pföß, 95 Jahre alt, ist ein lebendiges Beispiel für die Tradition des Handwerks. Täglich besucht er seine Bäckerei in Elsbethen, die mittlerweile von seinem Enkel geführt wird. Pföß erzählt von seinem harten Alltag in der Jugend, als er nächtelang Semmeln und Salzstangerl backte und auslieferte. Diese Erinnerungen sind nicht nur nostalgisch, sie spiegeln auch die Entwicklung des Bäckerhandwerks wider, das in den letzten Jahrzehnten viele Veränderungen erfahren hat.
Vom Bauernhof zur Mechanisierung
Ein weiterer Zeitzeuge ist Sepp Erbschwendtner, der mit 80 Jahren auf dem Bauernhof seiner Tochter 40 Pferde versorgt. Er berichtet über die Veränderungen in der Landwirtschaft während seiner Zeit als Bauer. Diese Veränderungen sind Teil einer größeren Geschichte, die in der Region rund um Waging ihren Anfang nahm. Eine historische Interessengemeinschaft erinnert mit einer Ausstellung an das alte Bauernleben im nördlichen Rupertiwinkel, die von 1900 bis 2000 reicht. Die Region war einst ein fruchtbarer Lieferant für Obst und Gemüse nach Salzburg, doch die Abtrennung von Salzburg im Jahr 1816 führte zu neuen Marktorientierungen nach Traunstein und München.
Die Ausstellung im ehemaligen Rossstall der Pfarre Otting, die Teil der Jubiläumsfeier „1.275 Jahre Pfarre Otting“ ist, zeigt alte Fotos von Bauernhöfen und beleuchtet die Technisierung der Landwirtschaft, die mit der Befreiung von der Leibeigenschaft begann. Historische Aspekte wie die Mechanisierung – vom Pflug, der früher von Menschen oder Tieren gezogen wurde, bis zu den heutigen Maschinen – werden hier anschaulich thematisiert. Besonders zwischen 1930 und 1950 fand eine rasante Technisierung statt, die durch staatlichen Druck zur Vermeidung von Lebensmittelknappheit nach dem Krieg gefördert wurde.
Die Rolle der Mesnerin und die Kirche
Ein drittes bemerkenswertes Beispiel ist Marianne Resch, die seit über 50 Jahren Mesnerin der Wallfahrtskirche St. Leonhard in Tamsweg ist. Sie übernahm die Mesnerei 1966 und entwickelte eine besondere Liebe zu den Details der Kirche. Ihre Herkunft von einem Bauernhof und die anschließende Einarbeitung in die neue Lebenswelt der Mesnerfamilie verdeutlicht die tiefen Verbindungen zwischen Landwirtschaft, Glauben und Gemeinschaft in der Region. Die Kirche war oft ein Zentrum des Lebens für die Landwirte, und ihre Rolle hat sich im Laufe der Jahrzehnte weiterentwickelt.
Die Geschichte der Landwirtschaft selbst ist eine lange und wechselvolle. Sie begann mit der Neolithischen Revolution und hat sich bis zur Gegenwart entwickelt. Die Menschen wählten Ackerbau und Viehzucht als Reaktion auf saisonale Nahrungsengpässe. Diese Entscheidungen führten zu einer Umgestaltung der Umwelt und verbesserten die Nahrungsversorgung, was eine höhere Bevölkerungsdichte ermöglichte. Die Technisierung und Intensivierung der Landwirtschaft, die ab etwa 1700 einsetzte, führte zu einer erheblichen Veränderung der landwirtschaftlichen Praktiken und der Nutzung von Ressourcen.
Die Erfahrungen von Peter Pföß, Sepp Erbschwendtner und Marianne Resch sind nicht nur individuelle Geschichten, sondern auch Teil des größeren Narrativs der Landwirtschaft in unserer Region. Ihre Berichte und die laufenden Ausstellungen helfen, das Bewusstsein für die wertvolle Geschichte und Entwicklung der Landwirtschaft zu schärfen. Interessierte können die Ausstellung im ehemaligen Rossstall der Pfarre Otting am 24. und 25. August 2024 besuchen, um mehr über die facettenreiche Entwicklung der Landwirtschaft im nördlichen Rupertiwinkel zu erfahren.
Für weitere Informationen zu den Lebensgeschichten der Salzburger und der Landwirtschaftsgeschichte selbst können Sie die Artikel auf HÖRZU und LKO Salzburg nachlesen. Außerdem bietet die Wikipedia eine umfassende Übersicht über die Geschichte der Landwirtschaft.