In der aktuellen politischen Landschaft Österreichs steht eine umfassende Reform des Bundesheeres auf der Agenda. ÖVP-Kanzler Christian Stocker hat angekündigt, die Bevölkerung über die anstehenden Veränderungen zu befragen. Dies geschieht inmitten von Diskussionen innerhalb der türkis-rot-pinken Koalition über die Wehrhaftigkeit der Politiker. Von den elf männlichen Mitgliedern der Koalition haben sieben im Bundesheer gedient, während Kanzler Stocker selbst als untauglich gilt.
In dieser Debatte spielt die militärische Erfahrung der Politiker eine zentrale Rolle. So hat Jörg Leichtfried (SPÖ), Staatssekretär im Innenministerium, von 1986 bis 1999 als Oberwachtmeister und Milizsoldat gedient. Er betont die Wichtigkeit von Gelassenheit in kritischen Situationen. Auch Gerhard Karner (ÖVP), Innenminister, bringt seine Erfahrungen als Trupp-Kommandant am schweren Granatwerfer ein, während Andreas Babler (SPÖ), Vizekanzler, gemischte Erfahrungen als Kraftfahrer und Ausbildner schildert und auf die Notwendigkeit hinweist, den Wehrdienst attraktiver zu gestalten. Josef Schellhorn (NEOS) hebt die Bedeutung von Kommunikation und Respekt hervor und berichtet von seiner Tätigkeit als Kommandofernschreiber im Heeresfernmelderegiment II.
Neues Wehrdienst-Modernisierungsgesetz in Deutschland
Parallel dazu hat der Bundestag am 5. Dezember 2025 das Wehrdienst-Modernisierungsgesetz verabschiedet. Mit 323 Stimmen dafür und 272 dagegen, sowie einer Enthaltung, strebt das Gesetz an, den Wehrdienst für junge Menschen attraktiver zu gestalten. Ab Anfang 2026 erhalten alle 18-jährigen Männer und Frauen einen Fragebogen zur Motivation und Eignung für den Dienst, wobei Männer verpflichtet sind, diesen auszufüllen, während Frauen dies freiwillig tun. Die Musterung wird für Männer, die ab dem 1. Januar 2008 geboren sind, wieder Pflicht, was eine grundlegende Änderung zum bisherigen Verfahren darstellt.
Das Gesetz sieht auch vor, dass freiwillige Wehrdienstleistende eine Vergütung von mindestens 2.600 Euro brutto erhalten, während Soldaten auf Zeit (SaZ) 2.700 Euro brutto inklusive Unterbringung verdienen. Bei einer Verpflichtung für mindestens ein Jahr gibt es einen Zuschuss für den Pkw- oder Lkw-Führerschein. Der Wehrdienst hat eine Mindestdauer von sechs Monaten, längere Verpflichtungen bis zu 25 Jahren sind möglich. Trotz der Zustimmung der Koalitionsfraktionen CDU/CSU und SPD gibt es Widerstand von den Oppositionsfraktionen, insbesondere von der AfD und den Grünen, die das Gesetz kritisieren.
Wehrdienst in Österreich und Deutschland im Vergleich
Die Reformen in beiden Ländern zielen darauf ab, die Wehrdienstpflicht und die Attraktivität des Militärdienstes neu zu gestalten. In Österreich werden die Erfahrungen der Politiker im Bundesheer nicht nur als persönliche Erlebnisse, sondern auch als wertvolle Beiträge zur Diskussion um die Zukunft des Wehrdienstes gesehen. So erinnert Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) an die Kameradschaft und praktischen Erfahrungen während seines Präsenzdienstes, während Norbert Totschnig (ÖVP) die positiven Erinnerungen an Freundschaften und körperliche Fitness hervorhebt. Gleichzeitig betont Alexander Pröll (ÖVP) den Zusammenhalt und die Disziplin, die er während seiner Zeit im Bundesheer erfahren hat.
In Deutschland hingegen wird die Rückkehr zur Wehrpflicht und die Musterung als Möglichkeit gesehen, die Bundeswehr aufzustocken. Die Bundesregierung plant, die Truppenstärke auf mindestens 260.000 aktive Mitglieder und 200.000 Reservisten zu erhöhen. Diese Neuregelungen, die ab dem 1. Januar 2026 in Kraft treten sollen, sind Teil eines umfassenden Plans zur Stärkung der Wehrdiensttauglichkeit und sollen sicherstellen, dass die Streitkräfte auch in Zukunft einsatzbereit sind.
Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich die Reformen in beiden Ländern entwickeln und welche Auswirkungen sie auf die Gesellschaft und die militärische Bereitschaft haben werden. Die Notwendigkeit, den Wehrdienst zu modernisieren und an die Bedürfnisse der heutigen Zeit anzupassen, dürfte auch in Zukunft im Fokus stehen.
Für weiterführende Informationen und Details zur Thematik empfehlen wir einen Blick in die vollständigen Artikel zu den Reformen in Österreich und Deutschland: Österreich und Deutschland.
Heute ist der 8.02.2026 und wir befinden uns in St. Johann im Pongau.