In Hallein tut sich einiges im Bereich nachhaltiger Technologien. Das Unternehmen Austrocel hat sich auf die Fahnen geschrieben, Biotextilfasern, Biotreibstoffe und Hydrogel-Granulat aus Reststoffen der Holzindustrie zu produzieren. Mit dem Konzept „Circular Zero Waste“ strebt Austrocel an, Abfallstoffe effektiv in Produktionskreisläufe zu integrieren. Ein bemerkenswerter Aspekt ist die geplante Verwertung der Kohlendioxidemissionen, die in Zukunft entstehen. Hierzu wird ein Bioreaktor in Zusammenarbeit mit dem Verbund entwickelt, der CO2 mit Wasserstoff kombiniert. Der Wasserstoff selbst wird durch Elektrolyse am Firmengelände aus Wasser und Ökostrom gewonnen.
Ab dem Jahr 2030 soll im Synthesereaktor in Hallein flüssiges Methanol produziert werden, das als Biotreibstoff für Fahrzeuge und Schiffe dienen wird. Während Methanol üblicherweise aus Erdgas hergestellt wird, wird in Hallein auf biobasiertes „e-Methanol“ gesetzt. Dies ist besonders vorteilhaft, da das hochreine CO2 aus der Produktion die Weiterverarbeitung erleichtert. Die gesamte Initiative wird durch eine staatliche Förderung von 100 Millionen Euro unterstützt, die aus einem Fördertopf von 275 Millionen Euro des Wirtschaftsministeriums stammt. Die Projektkosten werden auf 70 bis 80 Millionen Euro geschätzt, was eine beachtliche Investition in die Zukunft der grünen Technologien darstellt (Kurier).
Innovationen im Textilbereich
Doch nicht nur in Hallein, sondern auch über die Grenzen hinaus wird an innovativen Lösungen gearbeitet. Das EU-geförderte Projekt BioFibreLoop hat sich das Ziel gesetzt, die Textilfunctionalization zu revolutionieren und den Einsatz gefährlicher Chemikalien zu reduzieren. Bis 2027 sollen umweltfreundliche Textilien aus erneuerbaren Rohstoffen wie Lignin, Cellulose und Polymilchsäure entwickelt werden. Die Zielmärkte sind dabei vielfältig: Outdoor-, Sport- und Arbeitskleidung stehen im Fokus. Ein zentrales Ziel des Projekts ist es, bis 2035 eine nahezu null Abfall-Zirkularität zu erreichen und die Treibhausgasemissionen um 20 % zu senken (CORDIS).
Das BioFibreLoop-Projekt ist ein Zusammenschluss von 12 Partnern, darunter kleine und große Unternehmen sowie wissenschaftliche Institute. Besonders hervorzuheben sind die geplanten Demonstrationen an drei industriellen Standorten in Österreich, Tschechien und Deutschland, die innovative Verfahren wie ligninbasierte thermoplastische Beschichtungen und laserbasierte Technologien für biobasierte Textilien validieren sollen. Der Abschluss des Projekts könnte eine patentierte, zirkuläre, nachhaltige und sichere Produktionsweise hervorbringen.
Der Weg zur Kreislaufwirtschaft
Die Fortschritte, die durch Projekte wie die von Austrocel und BioFibreLoop erzielt werden, sind Teil eines größeren Trends zur Kreislaufwirtschaft. Diese zielt darauf ab, den gesamten Lebenszyklus von Produkten zu berücksichtigen und neue Geschäftsmodelle sowie innovative Produktdesigns zu fördern. Biobasierte Materialien sind dabei entscheidend, um fossile Rohstoffe zu ersetzen, während gleichzeitig darauf geachtet werden muss, keine Konflikte mit der Nahrungsmittelproduktion zu verursachen. Digitale Lösungen, wie Produktpässe und KI-gestützte Recyclingverfahren, sollen die Rückverfolgbarkeit und die effiziente Nutzung von Materialien verbessern (Fraunhofer).
Für den Wandel zur Kreislaufwirtschaft ist zudem eine sozial gerechte Gestaltung notwendig, um negative Auswirkungen auf Entwicklungsländer zu vermeiden. Klare regulatorische Rahmenbedingungen und Investitionen in Innovationen sind unerlässlich, um die gesellschaftliche Akzeptanz für diese Entwicklungen zu sichern. Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich diese Initiativen entfalten und welche Fortschritte auf dem Weg zur nachhaltigen Wirtschaft erzielt werden.