In Hallein haben 83 Oberstufenschüler/-innen am BG/BRG Hallein ein bemerkenswertes Experiment gewagt: Sie verzichteten im Herbst 2025 drei Wochen lang freiwillig auf ihre Smartphones. Diese „digitale Detox“-Aktion brachte nicht nur interessante Erkenntnisse über den Handykonsum, sondern auch über die Auswirkungen auf das soziale Miteinander und das persönliche Wohlbefinden. Nach dem Experiment äußerten viele Schüler den Wunsch, ihren Handykonsum weiterhin einzuschränken oder effizienter zu gestalten. Laura Promegger und Helena Kothmair, die das Projekt mitinitiiert hatten, berichteten jedoch, dass der Handykonsum bei vielen wieder auf ähnlich hohem Niveau wie vor der Aktion ist.

Promegger stellte fest, dass sie anfangs weniger das Handy nutzte, aber mittlerweile wieder beim alten Nutzungsverhalten angelangt ist. Kothmair hingegen bemerkte, dass es ihr leichter fällt, das Handy gelegentlich wegzulegen, und sie ihren Social-Media-Konsum verändert hat. Auch die Schülerinnen Marie Lienbacher, Leonie Putz und Viktoria Gracher aus der 8G haben festgestellt, dass ihre Handynutzung wieder ähnlich lang wie vorher ist, jedoch bewusster erfolgt. Gracher löschte während des Experiments alle Social-Media-Apps, stellte jedoch nach der Wiederinstallation fest, dass sie wieder automatisch zum Handy greift.

Der Einfluss von Social Media auf Jugendliche

Die Schülerinnen unterstützen das diskutierte Social-Media-Verbot der Bundesregierung für Kinder unter 14 Jahren. Putz äußerte, dass jüngere Schüler/-innen stark von Social Media beeinflusst werden, insbesondere in Bezug auf Schönheitsideale. Gymnasiumsdirektor Johannes Bitzinger sieht das Verbot ambivalent und betont die Notwendigkeit von Aufklärung durch Eltern und Schulen sowie Maßnahmen der Tech-Unternehmen. Promegger weist auf die Verantwortung der Eltern hin, den Medienkonsum ihrer Kinder zu überwachen, während Kothmair vor Fake News, insbesondere auf TikTok, warnt und die Notwendigkeit betont, Kinder davor zu schützen.

Diese Problematik wird nicht nur in Hallein diskutiert. Ein ähnliches Experiment wurde mit 69 Schülerinnen und Schülern eines Gymnasiums in Gänserndorf, Niederösterreich, durchgeführt. Die Teilnehmer verzichteten ebenfalls drei Wochen lang vollständig auf Smartphones und soziale Medien wie TikTok und Instagram. Im Rahmen dieser Studie berichteten rund drei Viertel der Schüler in der ersten Woche von Schlafstörungen, innerer Unruhe und Kopfschmerzen. Der Psychologe Oliver Scheibenbogen, der das Experiment begleitete, stellte fest, dass die Intensität der Entzugserscheinungen höher war als erwartet, was auf eine gewisse Abhängigkeit hinweist. Nach einer Woche besserten sich die Beschwerden, und positive Effekte traten auf, etwa mehr soziale Interaktion und ein verbessertes psychisches Wohlbefinden.

Medienkompetenz und Aufklärung

Nach dem Experiment planten viele Teilnehmer, weniger Zeit am Handy zu verbringen, und einige löschten soziale Medien, behielten jedoch WhatsApp für reale Verabredungen. Diese positiven Effekte des Handy-Verzichts waren sogar sechs Wochen nach dem Experiment noch nachweisbar. Scheibenbogen spricht sich für ein Handyverbot an Schulen aus, warnt jedoch vor einem generellen Verbot für Jugendliche. Er fordert die Vermittlung von Medienkompetenz, um Reizüberflutung entgegenzuwirken. Studien zeigen, dass das Frontalhirn bis zum Alter von 28 Jahren nicht vollständig ausgereift ist, was die Fähigkeit zur Selbstkontrolle beeinflusst.

Die WHO berichtet, dass 11 % der Jugendlichen Anzeichen eines problematischen Verhaltens in Bezug auf soziale Medien zeigen, wobei diese Problematik bei Mädchen (13 %) höher ausgeprägt ist als bei Jungen (9 %). Problematische Nutzer berichten von geringerem seelischen und sozialen Wohlbefinden sowie von negativen Auswirkungen auf ihr tägliches Leben. Dr. Hans Henri P. Kluge von der WHO betont die Notwendigkeit von Medienkompetenz und mögliche Maßnahmen wie Altersbeschränkungen für soziale Medien. Zudem fordert die WHO mehr Investitionen in gesundheitsfördernde schulische Umgebungen und evidenzbasierte Programme.

Insgesamt zeigt sich, dass die Diskussion um den Umgang mit sozialen Medien und Smartphones in der heutigen Zeit von großer Bedeutung ist. Der Dialog über digitales Wohlbefinden in Familien und Schulen ist unerlässlich, um Jugendliche vor den negativen Folgen eines übermäßigen Handykonsums zu schützen und ihnen gleichzeitig die positiven Aspekte sozialer Medien zugänglich zu machen. Die Erfahrungen aus Hallein und Gänserndorf könnten einen wichtigen Beitrag zu diesen Diskussionen leisten. Weitere Informationen zu den Herausforderungen und Chancen im Umgang mit sozialen Medien finden Sie in den Artikeln von SN.at, SRF.ch und WHO.int.