Im Skigebiet Les Mosses – Leysin in der Schweiz stehen große Veränderungen an. Die Betreiberin der Bahnen, Télé Leysin–Col des Mosses–La Lécherette, und die Gemeinde haben ein ambitioniertes Projekt gestartet, das 20 Millionen Franken in die Installation von 175 Schneekanonen investiert. Diese Maßnahme soll helfen, die aktuelle bescheidene Schneelage in vielen Schweizer Skiorten zu verbessern, die laut Meteoschweiz von schneefreien Sonnenhängen geprägt ist. Die Schneekanonen sollen Wasser aus einem 20 Kilometer langen Leitungssystem des Hongrin-Stausees nutzen, um Kunstschnee zu erzeugen, der dichter und härter als Naturschnee ist und eine kompakte Schicht bildet.
Allerdings regt sich Widerstand in der Bevölkerung. Über 500 Menschen haben bereits eine Petition gegen die Schneekanonen unterzeichnet, und der Verein „Non aux canons à neige“ warnt vor den Risiken massiver Investitionen in wetterabhängige Infrastruktur angesichts der globalen Erwärmung. Kritiker betonen, dass Kunstschnee große Mengen Wasser und Energie verbraucht, was nicht nur lokale Gewässer belasten, sondern auch das Klima beeinträchtigen kann. In der Tat ist ohne künstliche Beschneiung der Winterbetrieb in vielen Skigebieten nicht mehr wirtschaftlich. So musste das Skigebiet Bad Gastein im Salzburger Land aufgrund von Schneemangel den Liftbetrieb einstellen und bleibt mindestens drei Jahre geschlossen (Focus).
Die Herausforderungen durch den Klimawandel
Die Debatte um Kunstschnee ist in den Alpen nicht neu. Laut aktuellen Prognosen werden in Österreichs Skigebieten voraussichtlich etwa die Hälfte der Pisten oberhalb der Nullgradgrenze liegen. In deutschen Skigebieten wird bei einer Erderwärmung von drei Grad jedoch nur noch etwa zehn Prozent der Pisten oberhalb dieser Grenze liegen. Die Nullgradgrenze ist dabei ein langfristiger Durchschnittswert und nicht gleichzusetzen mit der Schneefallgrenze. Technische Beschneiung ist auch bei Temperaturen über null Grad möglich und wird in kurzen Kältephasen genutzt, was die Anlagen unter Druck setzt, effizient zu arbeiten (BR).
Henrik Volpert, Vorstand der Bergbahnen Oberstdorf-Kleinwalsertal, hebt die Notwendigkeit hervor, das Gebiet als Ganzjahresanbieter zu positionieren. Um die Effizienz der Beschneiung in Kältephasen zu erhöhen, ist der Bau eines neuen Speichersees mit einem Volumen von 170.000 Kubikmetern geplant. Simon Eisele vom Deutschen Alpenverein (DAV) hingegen hinterfragt die Nachhaltigkeit solcher Neubauprojekte, insbesondere angesichts hoher Energiekosten und ökologischer Konsequenzen. Ab Januar 2024 wird die staatliche Förderung für Schneekanonen über die Seilbahnförderung in Bayern eingestellt, was die Situation weiter komplizieren könnte.
Nachhaltigkeit und die Zukunft des Skitourismus
Eine Studie zur künstlichen Beschneiung im Skitourismus diskutiert, ob diese als Klimaanpassung oder Fehlanpassung („Maladaptation“) betrachtet werden sollte. Kritiken an der Beschneiung konzentrieren sich auf den hohen Energie- und Wasserverbrauch, der insbesondere in wasserarmen Regionen problematisch sein kann. Zudem könnte die Abhängigkeit von künstlicher Beschneiung alternative Anpassungsstrategien behindern und die sozialen Auswirkungen könnten dazu führen, dass Skifahren teurer und damit exklusiver wird. Die Nachhaltigkeit der künstlichen Beschneiung hängt stark vom regionalen Kontext ab: In Gebieten mit erneuerbarer Energie und ausreichend Wasser kann sie durchaus wirksam sein, während sie in wasserarmen Regionen mit hohem CO₂-Fußabdruck Umweltprobleme verstärken kann (Fact Tirol).
Insgesamt zeigt sich, dass die Investitionen in moderne Schneekanonen und präzise Schneetiefenmessungen den Energie- und Wasserverbrauch senken können. Gleichzeitig müssen Skigebiete, die auf künstliche Beschneiung setzen, auch die sozialen Aspekte im Blick behalten, um die Zugänglichkeit des Skisports für alle zu gewährleisten. In einer sich wandelnden klimatischen Landschaft ist es entscheidend, dass ein offener Dialog über die Vor- und Nachteile solcher Maßnahmen geführt wird.