Am 14. Februar 2026 fand die 62. Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) statt, auf der der britische Premierminister Keir Starmer eine bemerkenswerte Rede hielt. Starmer thematisierte die wachsenden sicherheitspolitischen Herausforderungen in Europa, insbesondere angesichts der Bedrohung durch Russland. In seiner Ansprache forderte er eine umfassende Aufrüstung der europäischen Partner und betonte die Notwendigkeit von „Hard Power“, um die eigenen militärischen und wirtschaftlichen Interessen durchzusetzen. Laut Starmer müsse Europa in der Lage sein, Aggressionen abzuschrecken und sollte im Notfall bereit sein, zu kämpfen. Sein Ziel ist ein dauerhafter Frieden, wobei er klarstellte, dass kein Konflikt gesucht wird. Er forderte zudem mehr Unabhängigkeit Europas vom größten NATO-Partner, den USA, und betonte: „Es gibt keine Sicherheit für Großbritannien ohne ein sicheres Europa, und keine Sicherheit für Europa ohne ein sicheres Großbritannien.“
Starmer signalisierte mit seinen Äußerungen einen strategischen Kurswechsel nach dem Brexit. Er erklärte, dass das Vereinigte Königreich die Phase des Brexits hinter sich gelassen habe und nun bereit sei, die sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Beziehungen zur EU zu stärken. Dies markiert eine Abkehr von den isolationistischen Tendenzen, die nach dem EU-Austritt vorherrschten. Starmer fordert eine Neujustierung der transatlantischen Beziehungen und eine Umwandlung der „übermäßigen Abhängigkeit“ von Washington in eine ausgewogene „Interdependenz“. Ein zentrales Anliegen war auch die Kritik an der ineffizienten Fragmentierung bei Rüstungsbeschaffungen in Europa, die einer effektiven Verteidigung im Wege steht. Es bleibt jedoch unklar, wie das Vereinigte Königreich im Zuge des Brexits Zugang zu verbilligten EU-Krediten für Rüstungsprogramme erhalten kann.
Rüstungsinitiativen und Sicherheitsgarantien
Starmer berichtete auch von den Drohungen, die gegen NATO-Partner wie Dänemark bestehen. In diesem Kontext appellierte er an die europäischen Nationen, endlich „auf eigenen Füßen zu stehen“, und verwies auf die Ukraine als das Zentrum aller Sicherheitsgarantien. Dies geschieht vor dem Hintergrund, dass die Militärausgaben der EU-Staaten im Jahr 2025 um rund 80 Prozent im Vergleich zur Zeit vor dem Ukraine-Konflikt gestiegen sind, wie Ursula von der Leyen anmerkte. Starmer kündigte zudem die Entsendung der britischen Carrier Strike Group unter dem Flugzeugträger „Prince of Wales“ in die Arktis an, um gemeinsam mit US-amerikanischen und kanadischen Streitkräften der Bedrohung durch Russland entgegenzutreten.
Die Anforderungen und Herausforderungen, die Starmer auf der Münchner Sicherheitskonferenz skizzierte, stehen im direkten Zusammenhang mit dem aktuellen strategischen Konzept der NATO, das auf dem Gipfel in Madrid 2022 verabschiedet wurde. Dieses Konzept reagiert auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und die sich verändernde sicherheitspolitische Lage in Europa. Die NATO identifiziert Russland als zentrale Bedrohung und verfolgt einen 360-Grad-Ansatz, um Bedrohungen aus allen Richtungen zu berücksichtigen. Kollektive Verteidigung bleibt die wichtigste Aufgabe der NATO, die verspricht, „jeden Quadratmeter des Bündnisterritoriums zu verteidigen“. Dies hat auch Auswirkungen auf die militärische Präsenz in den Staaten der Ostflanke, wo zusätzliche Einheiten stationiert werden.
Fazit und Ausblick
Insgesamt zeigt Starmers Rede auf der MSC, wie wichtig die Zusammenarbeit zwischen Großbritannien und Europa angesichts der aktuellen sicherheitspolitischen Herausforderungen ist. Der strategische Kurswechsel hin zu mehr Interdependenz und einem stärkeren Fokus auf europäische Sicherheit könnte weitreichende Konsequenzen für die zukünftige Verteidigungspolitik haben. Die Entwicklungen im Kontext der NATO und die Notwendigkeit, auf hybride Bedrohungen zu reagieren, erfordern ein gemeinsames Vorgehen der europäischen Staaten, um Stabilität und Sicherheit in der Region zu gewährleisten. Die kommenden Monate werden entscheidend dafür sein, wie sich die sicherheitspolitische Landschaft in Europa weiter entwickeln wird.