Ein wahrhaft gigantischer Fang hat für Aufregung am Bodensee gesorgt: Ein Wels von beeindruckenden 2,60 Metern Länge und 109 Kilo Gewicht wurde von Berufsfischer Franz Blum in Vorarlberg an der Rheinmündung bei Fußach gefangen. Der Fang, der in den sozialen Medien große Aufmerksamkeit erhielt, zeigt Blum, seinen Sohn und den „brutalen Torpedo“, wie Blum den Wels beschreibt. Solche großen Fische waren früher nur in wärmeren Gewässern wie Italien oder Spanien anzutreffen. Blum vermutet, dass die steigenden Wassertemperaturen im Bodensee das Wachstum dieser Fische begünstigen, denn die Welse reduzieren ihre Nahrungsaufnahme erst bei Temperaturen unter acht Grad. Der Kampf, um den Wels ins Boot zu ziehen, dauerte etwa 20 Minuten. Doch nicht alle Kommentare unter dem Facebook-Post sind euphorisch: Einige Nutzer äußern Besorgnis über die Sicherheit beim Schwimmen im Bodensee. Das Fleisch des Welses wurde an Kunden verkauft, während Blum bereits zuvor einen großen Wels gefangen und in seinem Geschäft ausgestellt hatte.

Einblicke in die Fischbestände des Bodensees

Der Bodensee ist seit Jahrzehnten starken Veränderungen ausgesetzt. Die Fischbestände kämpfen nicht nur mit Nährstoffschwankungen, sondern auch mit invasiven Neozoen und den Auswirkungen des Klimawandels. Eine Studie namens „SeeWandel“ untersucht diese Faktoren und deren Einfluss auf das aquatische Ökosystem sowie die Fischpopulationen. Fangstatistiken seit 1910 zeigen, wie sich die Erträge über die Jahrzehnte entwickelt haben. Nach dem Zweiten Weltkrieg führte die Intensivierung der Landwirtschaft zu hohen Nährstoffeinträgen in den Bodensee, was die Fischbestände stark beeinflusste. Ab 2005 wurde der Bodensee-Obersee wieder als oligotroph eingestuft, was sich ebenfalls auf die Fischpopulationen auswirkte. Während in der ersten mesotrophen Phase in den Jahren 1955 bis 1964 die Fangerträge, insbesondere bei Felchen, um bis zu 82% stiegen, folgte in der anschließenden eutrophen Phase von 1963 bis 1990 ein starker Rückgang der Erträge.

Eine umfassende Fischbestandserhebung im Jahr 2014 lieferte neue Erkenntnisse über die Verteilung der Fischarten im Bodensee. Die Untersuchungen von 2019 bestätigten, dass fast 90% der Fische im Freiwasser Stichlinge sind, die in den letzten Jahren dominant wurden. Der Rückgang der benthalen Einheitsfänge zwischen 2014 und 2019 wurde beobachtet, während die Fischzahlen in mittleren Tiefen anstiegen. Die Veränderungen im Fischbestand sind stark von den Nährstoffverhältnissen abhängig, wobei vier Faktoren besonders ins Gewicht fallen: die Stichlingsinvasion, die Quaggamuschel, die die Habitatstruktur verändert, die zunehmende Kormoranpopulation und der Klimawandel mit seinen steigenden Wassertemperaturen.

Klimawandel und seine Auswirkungen

Die Wassertemperaturen im Bodensee steigen kontinuierlich. Laut einer Auswertung des Seeforschungsinstituts Langenargen betrug die durchschnittliche Wassertemperatur an der Oberfläche im Jahr 2022 14,1 Grad, ein Anstieg im Vergleich zu 13,6 Grad im Jahr 2021. Diese Temperaturveränderungen beeinflussen den Zustand des Gewässers, die Durchmischung, die Wasserchemie, die Artenzusammensetzung und die Nahrungsnetze. Die Erwärmung des Wassers führt zu einem schwachen Austausch von Tiefen- und Oberflächenwasser, was den Sauerstofftransport verringert und das Risiko von Sauerstoffmangel erhöht. Das Projekt „Seewandel-Klima“ untersucht die Auswirkungen des Klimawandels auf den Fischbestand und die Wasserpflanzen im Bodensee bis 2026. Erste Hinweise zeigen, dass höhere Temperaturen negative Auswirkungen auf die Trüsche haben, die kälteres Wasser für die Eientwicklung benötigt.

Diese Entwicklungen werfen Fragen auf, wie sich die Zusammensetzung der Fischarten im Bodensee in den kommenden Jahren verändern wird. Höhere Temperaturen könnten für Felchen und Forellen, die kaltes, sauerstoffreiches Wasser benötigen, problematisch werden. Prognosen deuten darauf hin, dass bis zum Ende des Jahrhunderts 37 bis 77 Prozent der Forellenzuchten ungünstigen Klimabedingungen ausgesetzt sein werden. Das Verhalten von Bachforellen, die wärmere Gewässer aufsuchen, um sich von Parasiten zu erholen, zeigt, dass auch die Tierwelt auf diese Veränderungen reagiert. Es ist entscheidend, kühle Zonen in Gewässern zu erhalten, um die Biodiversität und die Fischbestände zu schützen.

Insgesamt bleibt die Zukunft der Bodenseefischerei ungewiss, da die Erträge unter wirtschaftlich tragfähige Grenzen gesunken sind. Managementmaßnahmen sind notwendig, um die Berufsfischerei zu erhalten und die Bestände nachhaltig zu bewirtschaften. Die Entwicklungen rund um den Bodensee und die Fänge der Fischer wie die von Franz Blum sind daher nicht nur lokale Ereignisse, sondern Teil eines größeren Ökosystems, das es zu schützen gilt. Weitere Informationen zu dieser Thematik finden sich in den umfassenden Berichten und Studien, die sich mit den Fischbeständen im Bodensee beschäftigen, wie zum Beispiel in diesem Artikel und weiteren Quellen wie dieser Studie sowie diesen Auswertungen.