In Wels-Land wird es langsam kuschlig für die Biber. Während die kleinen Nager in den letzten Jahren einen rasanten Aufstieg gefeiert haben, trifft das auch auf die Herausforderungen zu, die sie für die Menschen in der Region mit sich bringen. Rund 2.200 Biber bevölkern derzeitig Oberösterreich, und die Tendenz wächst jährlich um bis zu 40 Prozent, wie der Nationalratsabgeordnete Klaus Lindinger berichtet. Vor allem der Weyerbach, Sipbach, Aiterbach, Fischlhamer Bach und der Pettenbach sind von dieser Überpopulation betroffen, was bedeutende Schwierigkeiten für die Landwirtschaft, den Hochwasserschutz und die öffentliche Infrastruktur mit sich bringt Tips.at berichtet.
Die Biber haben sich nicht nur in den größeren Gewässern eingenistet, sondern besiedeln auch kleinere Bäche, was die Konkurrenz unter den Tiere anheizt. Ein bemerkenswertes Beispiel ist der Mühlbach, wo gleich drei Dämme von Bibern errichtet wurden und ein angrenzendes Feld von 4,5 Hektar überschwemmt ist. Die Gefahren, die davon ausgehen, sind nicht zu unterschätzen. Vertiefte Höhlen, die von den Bibern gegraben werden, untergraben Dämme und stellen ein Sicherheitsrisiko für die Anwohner dar.
Herausforderungen für Landwirtschaft und Infrastruktur
Die Folgen zeigen sich nicht nur in der Natur, sondern auch auf den landwirtschaftlichen Feldern, die unter Überschwemmungen leiden. Dank der Biber drohen der Landwirtschaft nicht nur Ernteausfälle, sondern auch unklare Haftungsfragen, die Landwirte zusätzlich vor Herausforderungen stellen. „Wir brauchen schnelle Lösungen gegen die Überpopulation!“, so Landwirtschaftskammerrat Markus Brandmayr, der auf die unzureichende Unterstützung von Naturschutz- und Gewässerbehörden hinweist. Auch der Bauernbund-Obmann Leopold Keferböck fordert Handlungen: „Wir haben Vorschläge gemacht – jetzt sind die zuständigen Stellen am Zug.“
Ein Vorschlag zur Regulierung der Biberpopulation wird bereits in Kärnten umgesetzt, wo eine Entnahme von bis zu 10 Prozent der Tiere erlaubt ist. Ein solcher Schritt könnte auch in Oberösterreich nötig sein, um die Herausforderungen besser meistern zu können.
Ein Blick über die Grenze
Die Situation in Österreich ist nicht einzigartig. Auch in der Schweiz wächst die Biberpopulation und sorgt für erhebliche Konflikte in dicht besiedelten Gebieten. Rund 5.000 Biber leben dort, und ein digitales Auenmodell hilft dabei, die potenziellen Gefahren und Chancen der Biber-Dämme zu untersuchen. Solche Modelle simulieren etwa die Hochwasser-Effekte, die durch die Bautätigkeiten der Biber entstehen SRF berichtet. Dennoch sind in der Schweiz keine Biber abgeschossen worden, da das Gesetz milde Maßnahmen vorsieht, bevor drastische Schritte unternommen werden.
In Nordrhein-Westfalen haben ähnliche Probleme dazu geführt, dass ein umfassendes Handlungskonzept für den Umgang mit Bibern ins Leben gerufen wurde. Hier versucht man, den Hochwasserschutz und den Naturschutz in Einklang zu bringen, indem man beispielsweise Biber-Bauten vorsichtig aufgräbt und Rohrleitungen schützt WDR berichtet.
Die Anpassungsfähigkeit der Biber zeigt, dass es kein Patentrezept für ihre Verwaltung gibt – es bedarf vielmehr kreativer Ansätze, um sowohl die ökologischen Vorteile der Biber als auch die Sicherheitsbedenken der Anwohner zu berücksichtigen. Nur durch Zusammenarbeit aller betroffenen Parteien wird es gelingen, eine Lösung zu finden, die sowohl den Bibern als auch den Menschen entgegenkommt.