Am Standort Vöcklabruck hat sich in den letzten Jahren viel getan. Die Umbenennung von Eternit zu Swisspearl vor drei Jahren stellt nicht nur einen neuen Namen, sondern auch einen Neuanfang dar. Mit Investitionen von 9,5 Millionen Euro in Anlagen und Technik hat das Unternehmen seine Position im Markt für Dach- und Fassadensysteme gestärkt. Geschäftsführer Hans-Jörg Kasper zog eine positive Bilanz der letzten Jahre und berichtete von einem erreichten Marktanteil von 30 Prozent. Doch die Herausforderungen bleiben, denn die aktuelle Sanierungsquote in Österreich liegt nur bei 0,6 Prozent.
Ein Trend hin zu Steildächern wird festgestellt, wie Vertriebsleiter Michael Foisel bemerkte. Während der Markt für Neubauten in Österreich 2024 um sechs Prozent eingebrochen ist, setzt Swisspearl auf innovative Lösungen, um den Umsatz von 71,6 Millionen Euro aufrechtzuerhalten. Mit knapp 300 Mitarbeitern wird der Standort aktiv betrieben und hat gleichzeitig den Gasverbrauch von 36 auf 26 Gigawattstunden gesenkt, mit dem Ziel, diesen bis 2024 auf sechs Gigawattstunden zu reduzieren.
Nachhaltigkeit im Fokus
Ein zentrales Ziel von Swisspearl ist die CO₂-neutrale Produktion bis 2040. Die neue Produktionsanlage ermöglicht die Wiederverwertung von 2.000 Tonnen Faserzement, was zu einer beeindruckenden Recyclingquote von 93 Prozent führt. Dieser Schritt ist nicht nur umweltfreundlich, sondern auch zukunftsweisend, da ab 2026 die vollumfängliche Wiederverwertung von Faserzement angestrebt wird. Zudem sorgt eine dreistufige Kläranlage dafür, dass Produktionsabwässer auf Trinkwasserqualität aufbereitet und wieder in den Produktionskreislauf zurückgeführt werden, um die Gewässerqualität zu schützen.
Um die Energieeffizienz weiter zu steigern, werden Prozessoptimierungen und Automatisierungen angestrebt, die den Energieeinsatz pro Produktionseinheit bis 2025 um rund 20 Prozent senken sollen. Die Technologien zur Reduzierung des Erdgasverbrauchs sind noch nicht entschieden, mögliche Optionen sind Wärmepumpen oder Wasserstoff. Damit setzt Swisspearl einen klaren Kurs in Richtung Nachhaltigkeit und Umweltschutz.
Ein Blick über den Tellerrand
Die Herausforderungen der Bauindustrie hinsichtlich CO₂-Emissionen sind nicht nur lokal, sondern auch global von Bedeutung. Laut aktuellen Forschungen trägt die Zementindustrie etwa 8 Prozent zu den globalen Treibhausgasemissionen bei. Der Zementverbrauch liegt in Deutschland pro Kopf bei über 300 Kilogramm jährlich. Die Notwendigkeit zur Dekarbonisierung ist klar, und Technologien wie Carbon Capture and Storage (CCS) werden diskutiert, um CO₂ zu erfassen und unterirdisch zu lagern. Allerdings gibt es auch kritische Stimmen, die befürchten, dass CCS den Umstieg auf klimafreundliche Technologien verzögern könnte.
Die EU hat sich das Ziel gesetzt, bis 2050 klimaneutral zu sein, was durch striktere Vorgaben des Europäischen Emissionshandels vorangetrieben wird. Auch in Österreich ist die Forderung nach einer stärkeren Unterstützung für Dach- und Fassadensanierungen laut, um die Sanierungsquote zu erhöhen und umweltfreundliche Baupraktiken zu fördern. Es bleibt spannend zu beobachten, wie Unternehmen wie Swisspearl diesen Wandel mitgestalten werden und welche innovativen Lösungen sie entwickeln, um den Herausforderungen der Zukunft gerecht zu werden.
Für weitere Informationen zu den Entwicklungen rund um Swisspearl in Vöcklabruck können Sie den Artikel auf MeinBezirk und Building Times nachlesen.