In einer neuen Studie des Landes Oberösterreich wird die dramatische Erwärmung der Fließgewässer im Bezirk Vöcklabruck über die letzten 40 Jahre dokumentiert. Diese Langzeituntersuchung belegt nicht nur die steigenden Wassertemperaturen, sondern zeigt auch die Auswirkungen des Klimawandels auf die Fischfauna in der Region. Grundlage der Studie sind Messdaten von 61 Pegelstationen in Oberösterreich, die im Zeitraum von 1984 bis 2023 erfasst wurden. Ziel der Untersuchung war es, die Erwärmung zu dokumentieren und die Auswirkungen auf die Fischfauna einzuschätzen.
Die Ergebnisse sind alarmierend: An den verschiedenen Messstellen im Bezirk Vöcklabruck wurden signifikante Temperaturveränderungen festgestellt. So verzeichnete die Ager in Dürnau einen Anstieg von +1,16 Grad Celsius, während die Ager in Raudaschlsäge sogar um +1,49 Grad Celsius wärmer wurde. Besonders auffällig ist die Temperatursteigerung an der Seeache, wo die Wassertemperatur um +2,31 Grad Celsius angestiegen ist. Einzig die Vöckla in Timelkam zeigte eine negative Entwicklung mit –1,78 Grad Celsius, was auf frühere industrielle Wärmeeinleitungen eines Kohlekraftwerks zurückzuführen ist, das 2008 stillgelegt wurde. Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder hebt hervor, wie sichtbar die Klimaerwärmung ist und welche Folgen sie für Gewässer und Fischarten hat.
Die Auswirkungen der Erwärmung
Die Studie verdeutlicht den dringenden Handlungsbedarf zur Bekämpfung der Flusswärmung. Dazu zählen Maßnahmen wie die Schaffung von mehr Schatten entlang der Ufer durch Bäume und Sträucher, die Kühlung des Wassers fördern. Auch die Schaffung von mehr Raum und Struktur im Flussbett könnte kühlere Rückzugsorte für die Fische ermöglichen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Beseitigung von Barrieren, die die Wanderung und Erholung von Fischen und anderen Wasserlebewesen behindern. Kaineder verweist zudem auf bereits umgesetzte Renaturierungsprojekte in Oberösterreich und betont die Dringlichkeit weiterer Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerökologie.
Eine Erhöhung der Lufttemperatur führt, wie auch die Studie zeigt, zu erhöhten Wassertemperaturen in Fließgewässern. Anthropogene Einflüsse, wie Kühl- und Abwassereinleitungen, sowie die Beseitigung von Ufergehölzen und die Verstädterung spielen ebenfalls eine Rolle bei der Erwärmung. Untersuchungen am Rhein haben gezeigt, dass die Wassertemperaturen trotz reduzierter Wärmeeinleitungen weiterhin steigen. Niedrigwasser erhöht zudem das Risiko einer übermäßigen Erwärmung, da das Wasservolumen reduziert wird. Dies hat direkte Auswirkungen auf die Lebensvorgänge und ökologischen Funktionen im Gewässer, da die Temperatur die Lebensbedingungen von wechselwarmen Gewässerorganismen beeinflusst und in Beziehung zur Gewässerchemie steht.
Ökologische Konsequenzen
Die Fließgewässer werden in verschiedene Zonen eingeteilt, die auf charakteristischen Fischarten basieren. In der Forellenregion beispielsweise sind die Bedingungen durch starke Strömung und hohe Sauerstoffanreicherung gekennzeichnet, während die Cyprinidengeprägte Region breitere Gewässer mit schwächerer Strömung aufweist. Mit steigenden Wassertemperaturen wird jedoch die Lebensqualität in diesen Zonen beeinträchtigt. Im August 2018 wurden beispielsweise im Rhein stellenweise Temperaturen von 28 °C erreicht, was zu einem massiven Fischsterben führte. Auch in der Oder kam es 2022 aufgrund hoher Temperaturen, Salzkonzentration und Algenwachstum zu einem Fischsterben.
Die Untersuchungsergebnisse unterstreichen die kritische Situation in anthropogen beeinflussten Gewässern, die oft ohne natürliche Strukturen und Schatten auskommen müssen. Natürliche Gewässer hingegen bieten Fischen tiefere, schattige Abschnitte und eine bessere Sauerstoffanreicherung, die für ihr Überleben von entscheidender Bedeutung sind.
Zukünftige Perspektiven
Der Klimawandel wird voraussichtlich die Wassertemperaturen in Fließgewässern, Seen und sogar im Grundwasser weiter erhöhen. Studien zeigen bereits eine deutliche Erwärmung der Oberflächengewässer. Bis zur Mitte des Jahrhunderts könnte eine Erwärmung von 2,1 °C im Mittelland und 1,6 °C in alpinen Gewässern erwartet werden. Bis Ende des Jahrhunderts könnte die Erwärmung auf bis zu 3,2 °C in allen Fließgewässern steigen, wenn keine Klimaschutzmaßnahmen ergriffen werden. Diese Entwicklung wird nicht nur die Wasserqualität beeinträchtigen, sondern auch die Gewässerökologie erheblich stören.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Ergebnisse der Studie im Bezirk Vöcklabruck nicht isoliert betrachtet werden dürfen. Vielmehr sind sie Teil eines größeren Trends, der durch den Klimawandel und menschliche Aktivitäten verstärkt wird. Um die Gewässer und deren Ökosysteme zu schützen, sind umfassende Maßnahmen notwendig, die sowohl auf lokale als auch auf globale Rahmenbedingungen eingehen müssen. Die Herausforderungen sind groß, aber der Erhalt unserer Gewässer ist eine Verantwortung, die wir nicht ignorieren dürfen.
Für weiterführende Informationen zu den Veränderungen der Wassertemperaturen und deren Auswirkungen auf die Gewässerökologie, siehe auch die Quellen von Tips, Umweltbundesamt und NCCS.