In Vöcklabruck wird Bildungsgerechtigkeit aktiv gelebt. Das Kooperationsprojekt zwischen der Volksschule 1 und dem BRG Schloss Wagrain unter dem Namen „UP!“ bringt frischen Wind in die Bildungslandschaft der Region. Initiiert von MMag. DI Manfred Kienesberger (BRG) und Tom Hutchison MA, BEd (VS1), hat dieses Projekt das Ziel, die Chancengleichheit im Bildungswesen zu fördern.

Im Rahmen des Projekts werden Oberstufenschüler zu Mentoren für Volksschulkinder ausgebildet. Im Herbst 2022 haben sich sieben Oberstufenschüler daran beteiligt. Durch das Wahlpflichtfach „UP!“, das von Clemens Jäger, PhD, entwickelt wurde, erlernen die Jugendlichen theoretische Kenntnisse über Lehr- und Lernmethoden. Diese Theorie wird durch die praktische Unterstützung von Volksschulkindern angewandt. Die individuelle Betreuung, die in einem Eins-zu-eins-Setting erfolgt, bietet gezielte Aufmerksamkeit, die im regulären Klassenverband oft fehlt.

Mentoren und Mentees: Eine Win-Win-Situation

Der Altersunterschied zwischen den Mentoren und den Volksschulkindern ist gering, was Hemmungen abbaut und eine vertrauensvolle Atmosphäre schafft. Die Jugendlichen fungieren als nahbare Vorbilder, was die Lernmotivation der Kinder steigert. Regelmäßige Erfolgserlebnisse stärken das Selbstvertrauen der Volksschulkinder und fördern deren soziale Kompetenzen. Gleichzeitig ist das Projekt auch für die Oberstufenschüler prägend, da sie Verantwortung übernehmen und ihre eigenen Lerngewohnheiten reflektieren.

Das Projekt „UP!“ trägt nicht nur zur individuellen Förderung der Teilnehmenden bei, sondern fördert auch den Zusammenhalt in der Gemeinde und trägt zu mehr Chancengerechtigkeit bei. Bildungsgerechtigkeit befasst sich schließlich mit der gleichberechtigten Teilhabe an Bildungschancen, unabhängig von sozialer Herkunft, ökonomischer Lage, Geschlecht, Migrationshintergrund oder gesundheitlichen Voraussetzungen. Ziel ist die Erhöhung der Chancengleichheit und ein positiver Bildungsverlauf, was durch gezielte Maßnahmen wie das hier beschriebene Projekt unterstützt wird [Bildungsserver].

Herausforderungen der Bildungsgerechtigkeit

Bildungsgerechtigkeit beginnt bereits im Kindergarten und hat weitreichende Auswirkungen auf das Berufsleben. Kinder aus sozial schwachen Schichten haben oft schlechtere Bildungschancen, was durch verschiedene Faktoren wie Geschlecht, ethnische Herkunft und sozioökonomischen Status bedingt ist. Laut dem OECD-Bildungsbericht 2018 hängt der schulische Erfolg stark von der sozialen Herkunft ab. Der IQB-Bildungstrend 2021 zeigt, dass die Abhängigkeit des Lernerfolgs vom sozioökonomischen Status zugenommen hat [Forum Verlag].

Maßnahmen zur Verbesserung der Bildungsgerechtigkeit sind unerlässlich. Dazu zählen frühkindliche pädagogische Betreuung, Grundbildung und Sprachförderung sowie finanzielle Unterstützung für Schulen. Zudem ist der Ausbau von Ganztagsschulen ein vielversprechender Ansatz, um Bildungsgerechtigkeit zu fördern und soziale Teilhabe zu ermöglichen. Das Startchancen-Programm, das ab 2024 in Deutschland eingeführt wird, zielt darauf ab, sozial benachteiligte Schulen zu unterstützen.

Insgesamt zeigt das Projekt „UP!“ in Vöcklabruck, wie durch individuelle Förderung und gezielte Maßnahmen Bildungsgerechtigkeit aktiv gestaltet werden kann. Es ist ein Schritt in die richtige Richtung, um den Herausforderungen von Bildungsungleichheit gemeinsam zu begegnen und jedem Kind die bestmöglichen Chancen zu bieten.