In der kleinen Gemeinde Reichenau in Urfahr-Umgebung hat Anna Sarina Seher erfolgreich den Kurzlehrgang zur Gemeinde-Jugend-Expertin abgeschlossen. Dieser Lehrgang, der sich intensiv mit den Herausforderungen und Möglichkeiten der kommunalen Jugendarbeit auseinandersetzt, hat das Ziel, die Jugendbeteiligung zu fördern und jugendgerechte Strukturen in den Gemeinden zu schaffen. Insgesamt haben neun Teilnehmende den praxisorientierten Lehrgang erfolgreich absolviert, was für die regionale Jugendpolitik ein positives Signal darstellt.
Der Jugendlandesrat Christian Dörfel hob bei der Abschlussfeier die Bedeutung der Einbindung junger Menschen in die Entscheidungen ihrer Gemeinden hervor. In einer Zeit, in der die Stimme der Jugend oft überhört wird, ist es umso wichtiger, dass solche Ausbildungsangebote geschaffen werden. Die Teilnehmenden erhielten wertvolle Werkzeuge und Kenntnisse, um sich für die Anliegen der jungen Generation stark zu machen, was in Zukunft zu einer lebendigen und aktiven Jugendbeteiligung führen kann. Die Wichtigkeit solcher Initiativen wird auch durch den Nationalen Aktionsplan für Kinder- und Jugendbeteiligung (NAP) unterstrichen, der vom Bundesjugendministerium entwickelt wurde. Dieser Plan zielt darauf ab, die direkte und sichtbare Beteiligung junger Menschen zu fördern und umfasst einen Dialogprozess, der bis 2025 läuft.
Förderung der Jugendbeteiligung auf breiter Ebene
Die Ergebnisse des NAP zeigen, dass Mitbestimmung auf Augenhöhe gefordert ist. Das bedeutet, dass junge Menschen gleichwertig in Beteiligungsprozesse integriert werden sollen. Ein zentrales Element ist die Entwicklung einer zentralen Beteiligungsplattform, die den Zugang zu Informationen erleichtert und sicherstellt, dass diese klar und ansprechend vermittelt werden. Diese Maßnahmen sind entscheidend, um eine echte Mitbestimmung und die aktive Einbindung Jugendlicher in politische Prozesse zu gewährleisten.
In Deutschland wurde seit 2015 ein rechtlicher Rahmen geschaffen, der Kindern und Jugendlichen Mitspracherechte bei Entscheidungen ermöglicht, die sie betreffen. In Baden-Württemberg beispielsweise ist die Zahl der Kommunen mit Jugendbeteiligungsangeboten von 53% im Jahr 2018 auf 68% im Jahr 2024 gestiegen. Besonders beeindruckend ist der Anstieg bei der Kinderbeteiligung, die von 23% auf über 55% zugenommen hat. Solche Entwicklungen zeigen, wie wichtig es ist, Kinder und Jugendliche aktiv in die Gestaltung ihrer Lebensumwelt einzubeziehen.
Vielfalt der Beteiligungsformate
Die Formen der Kinder- und Jugendbeteiligung sind vielfältig und reichen von repräsentativen Vertretungen wie Jugendgemeinderäten oder Jugendparlamenten bis hin zu offenen Formaten wie Jugendhearings und Jugendforen. Diese unterschiedlichen Ansätze ermöglichen es, dass die Stimmen der jungen Generation in verschiedenen Kontexten Gehör finden und ernst genommen werden.
Die Initiativen in Reichenau und darüber hinaus sind nicht nur ein Schritt in Richtung einer stärkeren Jugendbeteiligung, sondern auch ein Zeichen dafür, dass die Anliegen junger Menschen ernsthaft behandelt werden. Die Kombination aus lokalem Engagement, wie es Anna Sarina Seher mit ihrem Abschluss zeigt, und bundesweiten Strategien, wie dem NAP, bietet eine solide Grundlage für die Gestaltung einer jugendgerechten Zukunft.
Wie die Entwicklungen in den letzten Jahren zeigen, ist es unerlässlich, dass Kinder und Jugendliche in den politischen Dialog einbezogen werden. Nur so kann sichergestellt werden, dass ihre Bedürfnisse und Wünsche auch in der Zukunft Berücksichtigung finden. Die Zukunft gehört schließlich den jungen Menschen, und ihre Stimme sollte in jedem Entscheidungsprozess gehört werden.