In einer überraschenden Wendung für den Lebensmittelhandel in Österreich hat die Unimarkt-Gruppe angekündigt, alle 90 Standorte des Unternehmens zu schließen oder zu verkaufen. Die Familie Selker, die in Sigharting drei Unimarkt-Filialen im Bezirk Schärding betreibt, gehört zu den Betroffenen, die über die Schließung durch die Medien erfuhren. Diese Nachricht hat bei den Selkers für große Bestürzung gesorgt, da sie für den darauffolgenden offiziellen Termin in der Unimarkt-Zentrale eingeplant waren, um die Situation zu besprechen. „Es hat uns den Boden unter den Füßen weggezogen“, beschreibt der Familienbetrieb die aktuelle Lage. Trotz der schwierigen Umstände möchten die Selkers ihre Märkte nicht aufgeben und setzen auf ihren differenzierten Ansatz, der auf Regionalität fokussiert ist.

Die Performance der drei Selker-Filialen ist gut, was die Familie optimistisch stimmt. Sie planen, nach einem neuen Franchise-Partner zu suchen, um den Betrieb auch zukünftig aufrechtzuerhalten. Bis die Übernahmeprozesse Regelung finden, bleiben alle Standorte weiterhin geöffnet, und die Kunden können sich auf die gewohnten Öffnungszeiten und das Sortiment verlassen. Unimarkt wird bis zur Übergabe weiterhin Waren liefern, doch die Selkers appellieren an ihre Kunden um Unterstützung durch Einkäufe, damit sie ihre Märkte erhalten können. Dank gebührt auch dem Team, das in dieser schwierigen Zeit zusammenhält.

Marktkonzentration in Gefahr

Die Schließung von Unimarkt hat auch weitreichende Konsequenzen für den Lebensmittelmarkt in Österreich. Laut NielsenIQ hat die Konkurrenz wie Spar, Rewe und Lidl bereits einen Marktanteil von beeindruckenden 94 % erlangt. Unimarkt hingegen kommt nur auf etwas über 1 % Marktanteil und ist vor allem in Oberösterreich und der Steiermark vertreten. Die Entscheidung zur Schließung ist unter anderem auf ein schwieriges Marktumfeld zurückzuführen, das größere Einzelhändler begünstigt.

Interessanterweise zeigen namhafte Mitbewerber wie Spar, Rewe und même Lidl Interesse an den Unimarkt-Standorten. Spar hat bereits angekündigt, einzelne Filialen übernehmen zu wollen, ebenso wie Rewe, die sich auch um die Mitarbeiter von Unimarkt bemühen möchten. Auch der deutsche Diskonter Norma hat Interesse an Übernahmen signalisiert. Unimarkt-Mitarbeiter wurden in einem Town Hall Meeting über die aktuelle Lage informiert, und Geschäftsführer betont, dass alle Betriebe vorerst weiterhin offen bleiben und die Gehälter pünktlich gezahlt werden. Die Unimarkt-Gruppe wurde 1975 gegründet und befindet sich aktuell in einem Verkaufsprozess, um die bestehenden Standorte einer neuen Zukunft zuzuführen.

Politische Reaktionen auf die Schließung

Die Schließung von Unimarkt hat auch politische Wellen geschlagen. Der Handelsverband erhebt Vorwürfe gegen die Politik und sieht sie als Mitursache für die Schwierigkeiten des Unternehmens. Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner hat sich bereits dafür eingesetzt, möglichst viele Unimarkt-Standorte zu erhalten. Erste Maßnahmen könnten in den nächsten vier bis sechs Wochen ergriffen werden, da die Bundeswettbewerbsbehörde die Übernahmeprozesse genau prüfen wird.

Mit der anstehenden Schließung von Unimarkt stellt sich die Frage, wie die Leverentwicklung im Lebensmittelhandel weiter verläuft und welche Herausforderungen für die anderen Marktteilnehmer bevorstehen. Der Lebensmittelhandel steht wohl vor einer Zeitenwende, und die gesamte Branche wird aufmerksam verfolgen, wie sich die Situation rund um die Unimarkt-Filialen entwickeln wird.