Am 2. Februar 2026 fand im Festsaal der BHAK-Schärding eine tief bewegende Veranstaltung statt, die das Gedenken an die Schrecken des Holocaust und die Bedeutung des Erinnerns in den Mittelpunkt stellte. Rund 160 Schülerinnen hatten die Möglichkeit, den Zeitzeugenbericht von Ernst Reiter, einem ehemaligen KZ-Häftling, zu hören. Dieser Bericht bot einen eindrucksvollen Einblick in die Grausamkeiten der nationalsozialistischen Verfolgung und die Stärke des menschlichen Geistes.

Ernst Reiter, der als Bibelforscher und Mitglied der Zeugen Jehovas 1600 Tage im Konzentrationslager Flossenbürg inhaftiert war, teilte seine Erfahrungen und die seiner Mitgefangenen. Seine Tochter, Judith Ribic, berichtete zudem über den Lageralltag und die Herausforderungen der Nachkriegsverarbeitung. Fr. Esther Dürnberger, Referentin des Vereins Lila Winkel, ergänzte die Erzählungen mit originalen Dokumenten und einem Film, der Ernst Reiter in Erinnerung brachte. Die Gruppe der Bibelforscher im Lager, auch bekannt durch ihr Häftlingskennzeichen Lila Winkel, hielt während der Haft zusammen und unterstützte sich gegenseitig, was ein starkes Zeichen für den Zusammenhalt in der dunkelsten Zeit der Menschheitsgeschichte setzte.

Die Erlebnisse von Ernst Reiter

Die Schilderungen von Ernst Reiter sind nicht nur die eines Überlebenden, sondern auch die eines Mannes, der während seiner Inhaftierung mehrfach schwer misshandelt wurde. Nach seiner Inhaftierung im KZ Flossenbürg im November 1940 arbeitete er zunächst als Steinmetz und später in der Schreibstube. Trotz der unvorstellbaren Grausamkeiten, die er erlebte, weigerte sich Reiter, von seinem Glauben abzurücken, was zu brutalen Strafen durch die SS führte. Gemeinsam mit anderen Häftlingen wurde er auf einen Todesmarsch in Richtung Süden getrieben, bevor er am 23. April 1945 bei Cham befreit wurde.

Judith Ribic erinnerte an die Lehren ihres Vaters über den Zusammenhalt und das Positive im Menschen. Sie erzählte, dass Ernst Reiter seinen Kindern beigebracht hatte, mit Lebensmitteln sparsam umzugehen, da im Lager nur ungewürzte Wassersuppe zur Verfügung stand. Diese Erinnerungen waren für die Schülerinnen nicht nur lehrreich, sondern regten auch zum Nachdenken über Werte wie Respekt und Toleranz in unserer Gesellschaft an.

Die Bedeutung von Zeitzeugengesprächen

Die Veranstaltung in Schärding war mehr als nur ein Rückblick auf die Vergangenheit; sie fiel auch in den Kontext der heutigen Bildungsarbeit über den Holocaust. Zeitzeugengespräche sind fester Bestandteil der schulischen und außerschulischen Behandlung der NS-Geschichte und bieten Schülern wertvolle Einblicke in die Auswirkungen der nationalsozialistischen Ausgrenzungs- und Vernichtungspolitik. Ziel ist es, Empathie zu fördern und für Menschenrechte sowie Toleranz zu sensibilisieren. Die Authentizität dieser Berichte wird als wichtiges Argument für ihren pädagogischen Wert angesehen, da sie als historisch verbürgtes Wissen gelten und eine besondere Legitimität besitzen.

Die Herausforderungen bei Zeitzeugengesprächen sind jedoch vielfältig. Der zeitliche Abstand zu den NS-Verbrechen verringert die Möglichkeiten für reale Begegnungen mit Zeitzeugen, was die Notwendigkeit unterstreicht, auch archivierte Zeitzeugenberichte in die Bildungsarbeit einzubeziehen. Diskussionen über die Einbeziehung von Berichten von Zuschauern und Tätern des Nationalsozialismus sind in diesem Zusammenhang ebenfalls von Bedeutung. Es gilt, die Handlungsspielräume der damaligen Bevölkerung zu verdeutlichen und die Spannungen zwischen subjektiver Erinnerung und objektiver Geschichtsdarstellung zu thematisieren.

Für die Schüler*innen in Schärding war der Tag nicht nur ein Erinnern an die Vergangenheit, sondern auch ein Appell an die Verantwortung, die mit dem Erinnern einhergeht. Die Veranstaltung förderte den Respekt und die Toleranz in der Gesellschaft und hinterließ eindringliche Eindrücke über den Mut und den Glauben eines Mannes, der die Schrecken des Holocaust überlebt hat. Weitere Informationen finden Sie in dem Artikel hier.

Zusätzlich zu den persönlichen Erlebnissen von Ernst Reiter finden sich detaillierte Informationen über sein Leben und seine Erfahrungen im KZ Flossenbürg auf der Webseite der Gedenkstätte, die Sie hier einsehen können.