Im Bezirk Rohrbach tobt derzeit eine hitzige Debatte rund um den Biber, ein Tier, das sowohl als geschützter Biodiversitätsförderer denn als heimlicher Störenfried betrachtet wird. Die aufsehenerregenden Diskussionen betreffen die Balance zwischen Naturschutz und den berechtigten Interessen der Landwirtschaft. Laut der Bezirkshauptmannschaft leben 2023 rund 2.200 Biber in Oberösterreich, und die Zahl wächst stetig, da eine natürliche Bejagung nicht stattfinden kann. Jäger können die Population nicht regulieren, was der Standortleiter der Bezirksjägergemeinschaft, Martin Eisschiel, kritisiert. Gleichzeitig warnt er vor den zunehmenden Schäden, die durch die Nager bei Land- und Forstwirten verursacht werden.
Die Probleme sind vielfältig: Biber bauen Dämme, die Wiesen überschwemmen und so das Pflanzenwachstum gefährden. Bäume fallen um, weil ihre Wurzeln durch die ständigen Überschwemmungen weicher werden. Landwirte klagen über die Gefahr von Ernteausfällen in der Nähe von Bächen, wo Biberburgen entstehen. Der einstige Biberbestand am Pöschlteich in Rohrbach-Berg wurde von Anrainern als schädlich empfunden, was zu einem abgelehnten Antrag zur Entnahme der Tiere führte.
Biodiversität versus Landnutzung
Während die Landwirtschaft unter den Auswirkungen des Bibers leidet, wird die Rolle dieser Tiere als Ökosystemgestalter nicht unerwähnt gelassen. Biber tragen durch den Bau von Dämmen zur Verbesserung der Wasserqualität bei. Diese Teiche fördern die Ansiedlung von Wasserpflanzen und Amphibien, was die Biodiversität anmäßig unterstützt. Laut einem Bericht von Nabu sind sie für das Aufstauen von Wasser verantwortlich, was nicht nur ihrem Schutz dient, sondern auch das Fließverhalten von Gewässern reguliert. Das könnte auf lange Sicht auch den jeweiligen Lebensräumen zugutekommen, wie Dieter Mahsarski, Biberberater vom Nabu, betont.
Die gestiegenen Biberpopulationen, sowohl in Österreich als auch in der Schweiz, zeigen ähnliche Trends. Nach einer Zeit der Ausrottung im 19. Jahrhundert wurde das Tier in den 1950ern wieder angesiedelt. In der Schweiz ist der Biber durch das Jagdgesetz geschützt und gilt nicht mehr als gefährdet. Dennoch führt die immer dichter werdende Bevölkerung zu Konflikten, während Landwirte unter den Schäden leiden, die der Biber anrichtet.
Gemeinsame Lösungen in der Zukunft
Experten und Betroffene fordern nun einen Kompromiss. Bernhard Schön, ehemaliger Vorsitzender des Bibermanagements Oberösterreich, macht deutlich, dass man Lösungen finden muss, die sowohl Landwirtschaft als auch Naturschutz berücksichtigen. Auch in der Schweiz gibt es Beispiele für erfolgreiche Koexistenz zwischen Bibern und der Landwirtschaft, was Hoffnung für eine einvernehmliche Lösung auch in Österreich gibt.
Letztlich bleibt abzuwarten, wie diese Diskussionen weitergehen und ob es bald zu Maßnahmen kommt, die sowohl dem Schutz der Biber als auch den Bedürfnissen der Landwirte Rechnung tragen. Eine einvernehmliche Lösung könnte nicht nur für die lokale Bevölkerung, sondern auch für die Biber von Vorteil sein.
Die Diskussion um die Biber geht also in eine spannende nächste Runde, denn da liegt was an. Ein Kompromiss muss gefunden werden, um die Interessen aller Beteiligten zu wahren und gleichzeitig die Biodiversität in unserer schönen Heimat zu fördern. Die Verantwortung für den Schutz dieser Tiere sowie für die Landwirtschaft liegt nun bei der Bezirksverwaltungsbehörde, die auf eine Lösung hinwirken muss, die für alle Seiten akzeptabel ist.
Für weitere Informationen zu Bibern und ihren Auswirkungen auf das Ökosystem, siehe auch taz und Bauernzeitung.