In Ried im Innkreis hat eine wissenschaftliche Studie des Rieder Krankenhauses, geleitet von Prim. Doz. Dr. Robert Hörantner, große Fortschritte in der Behandlung der altersbedingten Makuladegeneration (AMD) erzielt. Diese Studie, die im Herbst 2022 startete und nun erfolgreich abgeschlossen wurde, hat gezeigt, dass ein tägliches Training die Sehschärfe eines an AMD erkrankten Auges um bis zu 11% steigern kann. AMD ist eine häufige Ursache für den Verlust der zentralen Sehkraft, insbesondere bei älteren Menschen, und betrifft vor allem die trockene Form, die häufig ab dem 70. Lebensjahr auftritt.
Ein zentraler Bestandteil der Studie war die Entwicklung einer innovativen App namens Medical Eye Trainer (M.E.T.), die den Teilnehmern ein 90-sekündiges tägliches Training anbietet. Dieses Training aktiviert ungenutzte Netzhautzellen, die in der Lage sind, beschädigte Bereiche zu übernehmen. Viele Teilnehmer berichteten von spürbaren Erleichterungen im Alltag, etwa beim Lesen oder Erkennen von Gesichtern. Die Akzeptanz des Programms war hoch, und die meisten Teilnehmer setzten das Training auch nach Abschluss der Studie fort. Nur eine geringe Anzahl sprach nicht auf die Therapie an, und das krankheitstypische Fortschreiten der Sehminderung wurde selten beobachtet. Es ist wichtig zu betonen, dass dieses Training keine Therapie ersetzt oder die AMD heilt, aber es aktiviert vorhandene Potenziale und gibt den Patienten ein Gefühl der Sicherheit und Motivation, aktiv gegen die Verschlechterung ihrer Sehkraft vorzugehen.
Die Rolle der App M.E.T.
Die App M.E.T. ist eine digitale Innovation, die im Innviertel entwickelt wurde. Sie bietet nicht nur die Möglichkeit, die Sehschärfe zu verbessern, sondern schult auch die visuelle Wahrnehmung der Nutzer. Dadurch können betroffene Personen ihre Sehkraft aktiv erhalten und verbessern. Diese Entwicklung ist besonders bedeutend, da es für die trockene Form der AMD nur wenige Therapieoptionen gibt, was die Behandlung erschwert.
Die Rekrutierung der Teilnehmer wurde durch breite mediale Berichterstattung beschleunigt, was zeigt, wie wichtig Aufklärung und Informationsverbreitung in der medizinischen Forschung sind. Die Ergebnisse der Studie sind vielversprechend und könnten einen wichtigen Schritt in der Therapie von AMD darstellen.
Chirurgische Verfahren und neue Ansätze
Neben diesen innovativen Trainingsmethoden gibt es auch chirurgische Verfahren, die bei fortgeschrittener AMD in Betracht gezogen werden. Eines der einfachsten Verfahren ist die Entfernung neuer Gefäße unter der Netzhaut, um große Blutungen zu verhindern. Doch diese Methode hat ihre Nachteile, da sie zu Defekten in den Pigmentzellen führen kann, die die zentrale Sehschärfe beeinträchtigen.
Ein weiterer vielversprechender Ansatz ist die Pigmentepithel-Aderhaut-Translokation (PATCH), bei der Aderhaut mit darüber liegenden Pigmentzellen aus der Peripherie unter die Makula verpflanzt wird. Diese experimentelle Methode zeigt vielversprechende Ergebnisse und wird derzeit in einer geplanten groß angelegten Studie zusammen mit Kliniken in Rotterdam und Liverpool weiter untersucht. Die bisherigen Operationen haben bei über 50 Patienten stattgefunden und geben Hoffnung auf Erfolge bei bestimmten Formen der trockenen Makuladegeneration.
Insgesamt zeigt die Kombination aus digitalen Innovationen wie der M.E.T.-App und chirurgischen Ansätzen, dass es viele Wege gibt, die Lebensqualität von Menschen mit AMD zu verbessern. Die Forschung in diesem Bereich bleibt spannend und könnte in naher Zukunft weitere Fortschritte bringen.