In der heutigen Zeit, in der erneuerbare Energien immer mehr in den Fokus rücken, spielt die Rolle von E-Autos im Energiesystem eine zunehmend wichtige Rolle. Beim 9. EEG-Forum der Klima- und Energie-Modellregion (KEM) sprach Patrik Landerl, Projektleiter bei Energie Steiermark, über die vielversprechenden Möglichkeiten, die E-Autos als mobile Stromspeicher bieten. Das Forum setzte sich mit den Herausforderungen und Chancen von erneuerbaren Energiegemeinschaften auseinander und beleuchtete vor allem die Nutzung von E-Autos zur zeitlichen Verschiebung von Strom, wodurch diese als Speichermedium für überschüssige Energie aus Photovoltaikanlagen fungieren können.

Der Ausbau von Photovoltaik erfordert innovative Lösungen, um den Strom, der hauptsächlich in sonnenreichen Stunden produziert wird, effizient zu nutzen. Prognosen deuten darauf hin, dass der Bedarf zur Verlagerung von Strom untertags um das Sechsfache steigen wird. E-Autos können dabei helfen, diesen Bedarf zu decken und können bis zu 45% der Stromkosten für E-Auto-Besitzer:innen einsparen, wie eine Studie des Fraunhofer Instituts aus dem Jahr 2024 zeigt. Zudem könnte der Bedarf an stationären Energiespeichern um bis zu 92% reduziert werden.

Bidirektionales Laden als Schlüsseltechnologie

Ein zentraler Aspekt in diesem Zusammenhang ist das bidirektionale Laden, das es ermöglicht, Strom vom E-Auto zurück ins Haus oder ins öffentliche Stromnetz zu speisen. Damit wird das E-Auto zum mobilen Speicher. Diese Technologie erlaubt es, Strom aus Photovoltaikanlagen zu speichern und später, etwa nachts oder bei Stromausfällen, wieder abzugeben. Es gibt verschiedene Varianten des bidirektionalen Ladens: Vehicle-to-Load (V2L) versorgt elektrische Geräte, Vehicle-to-Home (V2H) versorgt das eigene Zuhause, und Vehicle-to-Grid (V2G) speist Strom ins öffentliche Netz ein.

Die technische Umsetzung erfordert jedoch einige Voraussetzungen, wie etwa kompatible Wallboxen und Fahrzeuge. Der ISO-Standard 15118-20 soll die Kommunikation zwischen E-Auto und Ladeeinrichtung sicherstellen. Trotz der Herausforderungen, wie dem Mangel an passenden Fahrzeugen und Wallboxen, zeigt sich das Potenzial des bidirektionalen Ladens als entscheidend für die Netzstabilität und als Unterstützung der Energiewende.

Herausforderungen und Perspektiven

Die breite Anwendung dieser Technologien steht jedoch vor einigen Herausforderungen. In Österreich etwa gibt es bislang keine Befreiung von Netzkostengebühren für die Nutzung von E-Autos als Stromspeicher. Zudem bewegt sich das bidirektionale Laden rechtlich in einem Graubereich. Technische Aspekte wie geringe Lade- und Entladeleistungen können aufgrund des Standby-Verbrauchs zu hohen Verlusten führen. Trotzdem zeigen erste Pilotprojekte, dass die Nutzung von E-Autos als Stromspeicher erfolgreich umgesetzt werden kann.

Wissenschaftler und Fachleute sind sich einig: E-Autos als Stromspeicher sind nicht nur eine realistische Option, sondern sie bieten auch ein enormes Potenzial für die Zukunft. Die Notwendigkeit eines einheitlichen technischen Standards und klarer Rahmenbedingungen ist jedoch unabdingbar, um die Vorteile dieser Technologie flächendeckend zu nutzen. Ab Januar 2026 wird es zudem rechtliche Klarheiten geben, da das Netzentgelt für Strom aus E-Autos, die ins Netz zurückgespeist werden, entfällt, was die Nutzung weiter fördern könnte.

Insgesamt zeigt sich, dass E-Autos nicht nur als Fortbewegungsmittel, sondern auch als Schlüsselakteure im modernen Energiesystem fungieren können. Sie tragen dazu bei, die Abhängigkeit von traditionellen Energieversorgern zu reduzieren und die Integration erneuerbarer Energien zu erleichtern, was für eine nachhaltige Zukunft von entscheidender Bedeutung ist. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in den ausführlichen Berichten von MeinBezirk, ADAC und Polarstern Energie.