In Perg wird derzeit über eine mögliche Umbenennung des „Ignaz Schweiger Wegs“ in den „Kronsteiner-Weg“ diskutiert. Der Grund für diesen Vorschlag ist die herausragende sportliche Leistung von Johann Kronsteiner, einem Motorboot-Weltmeister und zweifachen Europameister. Die Beratungen im Gemeinderat, Stadtrat und in nicht öffentlichen Ausschüssen laufen bereits seit einem halben Jahr. Die Volkspartei hat den Vorschlag zur Umbenennung eingebracht, jedoch ist die Entscheidungsfindung noch nicht abgeschlossen.
In der letzten Sitzung des Gemeinderats fragte Karl Hohensinner nach dem aktuellen Stand der Beratungen. Vizebürgermeisterin Tanja Neudorfhofer und Bernhard Lengauer bestätigten, dass die Diskussionen weiterhin andauern. Die Familie Kronsteiner, die bei der Sitzung nicht zu Wort kommen durfte, hat in der Vergangenheit Anfragen an die Gemeinde gerichtet, die jedoch nicht zur Zufriedenheit beantwortet wurden. Bemerkenswert ist, dass die Nachbarn der Familie Kronsteiner keine Einwände gegen die Umbenennung haben. Lediglich Bedenken hinsichtlich möglicher höherer Kosten wurden geäußert.
Politische Unterstützung und Kompromissvorschläge
Die Unterstützung für die Umbenennung des Weges ist nicht zu übersehen. Stadträtin Petra Brunner von der SPÖ und FPÖ-Obmann Manfred Gander haben sich klar für die Umbenennung ausgesprochen. Letztendlich hat jedoch die ÖVP als Mehrheitspartei das Entscheidungsrecht. Karl Hohensinner brachte einen Kompromiss ins Spiel: den ersten Teil des Wegs in „Kronsteinerweg“ umzubenennen, während der Rest als „Ignaz-Schwaiger-Weg“ erhalten bleibt. Die Familie Kronsteiner würde diesem Vorschlag zustimmen und zeigt damit ihre Verbundenheit mit der Region, in der das Elternhaus von Kronsteiner stand und wo er aufwuchs.
Die Diskussion um Straßennamen ist nicht nur in Perg ein aktuelles Thema. In Mannheim, zum Beispiel, werden vier Straßennamen in Rheinau-Süd umbenannt, um umstrittenen Namensgebern wie Kolonialisten und Nationalsozialisten Rechnung zu tragen. Ab dem 1. Januar 2025 werden die neuen Namen unter anderem Marco-Polo-Straße und Isabelle-Eberhardt-Straße lauten. Diese Umbenennungen sind Teil eines umfassenden Bürgerbeteiligungsprozesses, bei dem 3.377 gültige Stimmen abgegeben wurden. Die Stadt Mannheim verfolgt mit diesen Änderungen das Ziel, eine „Mannheimer Kultur der Vielfalt“ zu fördern und hat bereits neue Straßenschilder angebracht, die allerdings noch überklebt sind.
Ein umfassender Überblick über Umbenennungsprozesse
Dieser Trend zur Umbenennung historisch belasteter Straßennamen ist nicht neu. Der Ältestenrat des Stadtrats in München beschäftigt sich ebenfalls mit diesem Thema. Hier wurden bereits sechs Straßen seit 2000 aufgrund schwerwiegender Belastungen umbenannt. Ein Expertengremium hat die Aufgabe, 49 betroffene Straßennamen zu priorisieren und Empfehlungen auszusprechen. Die Diskussion über die Umbenennung von Straßen, die an problematische historische Figuren erinnern, gewinnt also zunehmend an Bedeutung.
Diese Entwicklungen in Perg und anderswo zeigen, wie wichtig es ist, die gesellschaftlichen Werte und historischen Kontexte von Straßennamen zu reflektieren. Ob in Perg mit dem Kronsteiner-Weg oder in Mannheim mit den neuen Namen – die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit wird auch in Zukunft eine Rolle spielen. Weitere Diskussionen und Entscheidungen zu solchen Themen sind sicherlich zu erwarten.
Für mehr Informationen zu den aktuellen Diskussionen in Perg können Sie [hier](https://www.meinbezirk.at/perg/c-lokales/der-lange-holprige-weg-zum-kronsteiner-weg_a8495528) nachlesen. Informationen zur Umbenennung in Mannheim finden Sie [hier](https://www.mannheim24.de/mannheim/rheinau-sued-umstrittene-strassennamen-kolonialisten-neue-namen-schilder-austausch-januar-2025-92843134.html). Für einen tiefergehenden Überblick über die Umbenennungsprozesse in München und andere Städte, schauen Sie [hier](https://www.zeit.de/news/2025-03/21/empfehlungen-fuer-belastete-strassennamen-werden-oeffentlich).