In den letzten Jahren hat das Thema Klimaschutz an Dringlichkeit gewonnen, und auch im Bezirk Perg wird aktiv an der Energiewende gearbeitet. 20 Gemeinden haben sich zur Klima- und Energiemodellregion (KEM) zusammengeschlossen, um gemeinsam mit der Bevölkerung die Herausforderungen der Energiewende anzugehen. Gegründet wurde die KEM 2023, nachdem sich bereits 2022 14 Gemeinden zusammengefunden hatten. An der Spitze steht der Bürgermeister von Waldhausen, Franz Gassner, während Kurt Leonhartsberger als Geschäftsführer fungiert und seine Expertise in erneuerbaren Energiesystemen einbringt. Die zweite Umsetzungsphase der KEM läuft bis Mitte 2029 und zielt darauf ab, die Selbstversorgung mit erneuerbaren Energien zu fördern, insbesondere im Einfamilienhaus-Bereich, wo ein Ziel von 70-80% angestrebt wird.
Ein zentrales Element der KEM sind Bürgerbeteiligungsprojekte, die bereits in Schwertberg und Waldhausen gestartet wurden. Hier können die Gemeinden in die Energieversorgung investieren und profitieren von geringeren Stromkosten. Die Bürgerinnen und Bürger erhalten die Möglichkeit, Investitionen in Raten zu tätigen und mit einem Bonus zurückzuerhalten, während die Photovoltaik-Module in den Gemeindebesitz übergehen. So werden nicht nur über 1.000 Teilnehmer in zehn erneuerbaren Energie-Gemeinschaften (EEG) aktiv, sondern es wird auch eine lokale Wertschöpfung von 250.000 Euro angestrebt, mit dem Ziel, bis 2025 mehr als 2,5 Millionen Kilowattstunden zu handeln.
Öffentliche Mobilität und Aufklärung
Ein weiterer Aspekt der KEM ist die Förderung des öffentlichen Verkehrs. In einigen Gemeinden ist ein Schnupper-Klimaticket verfügbar, das bereits über 200 Mal in Bad Kreuzen und Waldhausen im Vorjahr ausgeliehen wurde. Solche Maßnahmen sind wichtig, um Menschen für umweltfreundliche Mobilitätsformen zu sensibilisieren. Zudem gibt es Projekte in mehr als 10 Schulen im Bezirk Perg, die den Klimaschutz aktiv unterstützen. Hierzu zählen beispielsweise kleine Windräder in Mittelschulen und die Mobilitätswoche in Waldhausen.
Innovative Ideen wie das bidirektionale Laden von Elektroautos im Technologiezentrum Perg zeigen, wie vielseitig die Ansätze sind, die die KEM verfolgt. Auch der Einbau eines nachhaltigen Natrium-Ionen Speichers in den Gemeinden Waldhausen und Schwertberg wird derzeit geplant. Um diese Projekte zu realisieren, bietet die KEM kostenlose Beratung zu Finanzierungen, Förderungen und rechtlichen Vorgaben an. Über 50 Infoabende und Sprechtage wurden in den letzten drei Jahren abgehalten, um die Bevölkerung umfassend zu informieren und einzubeziehen.
Bürgerbeteiligung als Schlüssel zur Akzeptanz
Die Bedeutung der Bürgerbeteiligung wird auch durch die Erkenntnisse der Bosch Stiftung unterstrichen. Emissionen müssen für den Klimaschutz gesenkt werden, und dabei ist es entscheidend, dass die Maßnahmen sozialverträglich sind und breite gesellschaftliche Unterstützung finden. Individuelles Handeln wird oft durch finanzielle, rechtliche und administrative Hürden erschwert. Daher ist es wichtig, dass die Unterstützung auf die tatsächlichen Bedürfnisse der Menschen abgestimmt wird, wie etwa die Förderung von E-Mobilität oder den Heizungstausch.
Die KEM im Bezirk Perg zeigt eindrucksvoll, wie Bürgerbeteiligung die Akzeptanz von Klimaschutzmaßnahmen erhöhen kann. Transparente und ergebnisoffene Verfahren sind von großer Bedeutung, um ein besseres Verständnis der komplexen Thematik zu fördern und die Lebensrealitäten der Menschen in die Entwicklung von Maßnahmenpaketen einzubeziehen. Ziel ist eine Klimaschutzpolitik, die von der Mehrheit akzeptiert wird und die Gesellschaft zukunftsfähig macht.
Einheitliche Rahmenbedingungen für die Energiewende
Die Akzeptanz und Mitwirkung der Bürger und Kommunen sind entscheidend für den Erfolg der Energiewende. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hebt hervor, dass der Ausbau erneuerbarer Energien von einer breiten gesellschaftlichen Basis getragen werden muss. Um lokale Teilhabe zu stärken, wurden in einigen Bundesländern Beteiligungsgesetze eingeführt, die jedoch nicht einheitlich sind und Unsicherheiten in der Branche schaffen. Die geplante Novelle des Bürger- und Gemeindebeteiligungsgesetzes könnte zusätzliche Belastungen für Windenergie- und PV-Projekte mit sich bringen.
Ein bundesweit einheitlicher Rechtsrahmen für Bürger- und Kommunalbeteiligung könnte nicht nur die Motivation und Akzeptanz der Bevölkerung fördern, sondern auch Rechtssicherheit für Projektträger schaffen. Die KEM-Gemeinden im Bezirk Perg sind ein Beispiel dafür, wie Bürgerbeteiligung erfolgreich umgesetzt werden kann, um die Energiewende voranzutreiben und gleichzeitig die Interessen der lokalen Gemeinschaften zu berücksichtigen. Für weitere Informationen zu diesen Themen können Sie die Quelle zur KEM und die Ergebnisse der Bosch Stiftung sowie die Position des BDEW nachlesen.