In St. Georgen an der Gusen sorgt die Ankündigung des allgemeinmedizinischen Paares Gudrun Eibl und Reinhard Schernthanner für Aufregung: Sie schließen ihre Kassenarztpraxis zum Jahresende und werden im Jahr 2026 eine Wahlarztordination eröffnen. Diese Entscheidung hat zahlreiche Bürger verunsichert, vor allem hinsichtlich der medizinischen Versorgung im Ort. „Wir haben die Freude am Arztberuf verloren und können unseren Patienten nicht die Zuwendung geben, die sie verdienen“, erklären die beiden Mediziner. Damit steht eine wichtige Anlaufstelle für die rund 7.000 Bürger bald nicht mehr zur Verfügung, was Fragen zur zukünftigen Patientenversorgung aufwirft. Bei uns in St. Georgen fragen sich bereits viele, wie es um Krankmeldungen, Impfungen, Rezepte, Überweisungen und sogar Hausbesuche bestellt sein wird, sollte es an Kassenärzten mangeln.

Wie Bürgermeister Andreas Derntl betont, liegt die Problematik nicht in der Verantwortung der St. Georgener, sondern im Kassensystem, das Qualität zu Gunsten der Quantität hintenanstellt. Im kommenden Jahr wird zudem der letzte Kassenvertragsarzt der Gemeinde, Ala Amin, in Pension gehen. Der Planschuss für Veränderungen ist bereits deutlich zu spüren. Eine Nachfolgeregelung für die beiden Kassenarztpraxen ist bereits auf der Homepage der Ärztekammer Oberösterreich ausgeschrieben. Ein weiterer Allgemeinmediziner im Ort, Wahlarzt Helmhart Premstaller, hat bereits die sechziger Jahre überschritten.

Ärztemangel trifft die Region

Die Herausforderungen in St. Georgen sind nicht allein ein lokales Phänomen. Der Ärztemangel ist ein weit verbreitetes Problem in ganz Österreich. Dr. Markus Beier, Bundesvorsitzender des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes, fordert die Umsetzung des Masterplans Medizinstudium 2020, um die Allgemeinmedizin in den Fokus der Medizinstudierenden zu rücken. Zahlreiche Reformen und eine Wertschätzung der Hausarztpraxen sind nötig, um die Attraktivität dieses Berufsfeldes zu erhöhen. „Die Rahmenbedingungen müssen sich dringend ändern“, betont Beier.

Ein weiterer Lösungsansatz für die steigende Nachfrage sind neue Versorgungsansätze wie Primärversorgungszentren. Stattdessen läuft die Zeit davon. In St. Georgen gibt es bereits Überlegungen zu einem solchen Zentrum, aber realistischerweise wird es wohl nicht schnell genug umgesetzt werden können. Es bleibt abzuwarten, wie die Gemeinde die ärztliche Versorgung aufrechterhalten kann, zumal Mediziner aus den umliegenden Gemeinden bereits stark ausgelastet sind.

Besorgte Bürger und Zukunftsperspektiven

Die Verunsicherung bei den Bürgern ist groß. Besorgte Stimmen aus der Bevölkerung fragen, wie mit dem Wegfall der Kassenordinationen umgegangen wird. Die Sorge um die medizinische Betreuung des Seniorenheims „Agevita“ ist insbesondere präsent. Bürgermeister Derntl betont, dass die Gemeinde alles erdenklich Mögliche unternimmt, um der Situation entgegenzuwirken, die Handlungsmöglichkeiten jedoch begrenzt sind.

Die Situation in St. Georgen ist nur ein kleiner Teil des größeren Problems, das Österreich im Bereich der hausärztlichen Versorgung sieht. Lohnt es sich, als Gesellschaft über das System nachzudenken? Vielleicht ist es an der Zeit, den Numerus Clausus für Medizinstudenten auszusetzen und mehr Wert auf Motivation und Erfahrungen zu legen. Die Diskussion um die Reformen ist eröffnet, und es wird spannend sein, zu sehen, wie die Lage in den kommenden Monaten sich entwickeln wird.