Heute ist der 24.02.2026 und die Stadt Linz hat erneut ein Zeichen für das frauenpolitische Engagement gesetzt. Seit 2012 wird hier jährlich der Frauenpreis vergeben, und in diesem Jahr geht er an die Caritas Beratungsstelle LENA. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert und würdigt die herausragende Kampagne von LENA, die Menschen unterstützt, die in der Sexarbeit tätig sind oder waren. Die Jury, unter dem Vorsitz von Frauenstadträtin Mag.a Eva Schobesberger, lobte die Aufklärungskampagne für ihren wichtigen gesellschaftspolitischen Beitrag zur Sichtbarmachung des Themas Sexarbeit.
Die Kampagne verwendet Visitenkarten mit dem provokanten Slogan „Alles, was Spaß macht“, die an Kunden verteilt werden. Obwohl die Karten den Eindruck von ungeschütztem Sex erwecken, führen sie zu einer Mailbox, die ein fiktives Gespräch über Safer Sex simuliert. Damit sensibilisiert LENA die Kunden für ihre Verantwortung bei der Prävention von sexuell übertragbaren Krankheiten und HIV. Die Beratungsstelle bietet nicht nur psychosoziale Beratung, sondern informiert Sexarbeiterinnen auch über Ansteckungswege und -risiken bei ungeschütztem Sex.
Die Herausforderungen der Sexarbeit
Sexarbeit ist in Österreich nicht strafbar, unterliegt jedoch den Prostitutionsgesetzen der Länder. Diese rechtlichen Rahmenbedingungen sind Teil eines polarisierenden Diskurses, der die freie Entscheidung über den eigenen Körper und Beruf betont, jedoch auch Bedenken hinsichtlich Schutzbedürftigkeit und der Verbindung zu Zwangsprostitution und Menschenhandel aufwirft. LENA ist sich der Stigmatisierung bewusst, die Sexarbeiterinnen häufig erfahren, was den Zugang zu sozialen Rechten erschwert.
Die Diskussion über die Angemessenheit der aktuellen rechtlichen Lage ist auch in Deutschland von Relevanz. Hier gibt es Forderungen nach einem „nordischen Modell“, das die Inanspruchnahme von Sexarbeit ahnden möchte. Kritiker des bestehenden Prostituiertenschutzgesetzes, wie in Sachsen, fordern eine Überarbeitung, um die Lebensrealitäten von Sexarbeiterinnen besser zu berücksichtigen. Ein Projekt zur Erforschung dieser Themen, geleitet von Anika Radewald, verfolgt das Ziel, eine evidenzbasierte Grundlage zum Schutz und zur Sicherheit von Sexarbeiterinnen zu schaffen.
Ergebnisse und Ausblick
Eine Evaluation des Prostituiertenschutzgesetzes, durchgeführt durch das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN), hat ergeben, dass bestimmte Ziele des Gesetzes nicht erreicht wurden, obwohl in einigen Bereichen Fortschritte sichtbar sind. Die größte Herausforderung bleibt der Zugang zu besonders vulnerablen Gruppen, die oft durch Sprachbarrieren, psychische Beeinträchtigungen und Angst vor Diskriminierung vom System ausgeschlossen sind. Es ist klar, dass gesetzliche Reformen notwendig sind, um diese Schwächen zu beheben und den Schutz der Rechte von Sexarbeiterinnen zu verbessern.
Die Verleihung des Frauenpreises an die Caritas Beratungsstelle LENA am 26. Februar 2026 im Alten Rathaus wird sicherlich zu einer weiteren Sensibilisierung der Gesellschaft beitragen. Es bleibt zu hoffen, dass die fortwährenden Diskussionen und Projekte zu einer ausgewogeneren Debatte über die Rechte und Bedürfnisse von Sexarbeiterinnen führen und somit einen Beitrag zur Verbesserung ihrer Lebensbedingungen leisten.
Für weitere Informationen zur Thematik sei auf die umfassende Analyse des Prostituiertenschutzgesetzes verwiesen, die unter diesem Link zu finden ist. Auch das Projekt zur Entwicklung und Rechtslage in der Sexarbeit bietet wertvolle Einblicke, welche unter diesem Link abgerufen werden können. Abschließend ist es wichtig, die Arbeit von LENA und ähnlichen Initiativen zu unterstützen, um die Herausforderungen, vor denen Sexarbeiter*innen stehen, sichtbar zu machen und zu adressieren.
Für genauere Informationen zur Kampagne von LENA und dem Frauenpreis 2026 besuchen Sie bitte diese Seite.