Am Landestheater Linz wird derzeit eine spannende Musicaladaption des Jugendromans „Die Mitte der Welt“ von Andreas Steinhöfel aufgeführt. Diese Inszenierung findet nicht auf einer herkömmlichen Bühne statt, sondern auf der Studiobühne BlackBox, die mit ihrer runden Spielfläche und minimalistischen Requisiten einen ganz besonderen Rahmen schafft. Das Publikum sitzt nah am Geschehen und wird somit intensiv in die dynamische, choreografische Erzählweise eingebunden. Diese hebt sich deutlich von traditionellen Jugendstücken ab und bietet einen frischen Zugang zur Geschichte.
Die Musik stammt von Sarah Taylor Ellis, während Niklas Wagner für das Buch und die Songtexte verantwortlich zeichnet. Die Kompositionen im Indie-Folk-Stil, mit ihren zurückhaltenden Rhythmen und melodischen Linien, unterstreichen die emotionalen Höhen und Tiefen der Charaktere, während die moderne und schlichte Kostümierung die Handlung ins Hier und Jetzt verortet. Themen wie Familiengeschichte, Coming-of-Age sowie soziale Zuschreibungen stehen im Mittelpunkt und werden durch die Fragmentierung der Erzählweise reflektiert, die den inneren Zustand der Hauptfigur Phil widerspiegelt.
Die Charaktere und ihre Herausforderungen
Die Hauptfigur, der 17-jährige Phil, lebt mit seiner exzentrischen Mutter Glass und seiner schweigsamen Zwillingsschwester Dianne in der Villa „Visible“ am Stadtrand. Phil wünscht sich Normalität in einem Leben, das von Ungewöhnlichem geprägt ist. Seine komplexe Gefühlswelt wird in der Inszenierung eindrucksvoll von Lu Sandmann als sensibler und aufmerksamer Charakter dargestellt. Die Mutter Glass, verkörpert von Sanne Mieloo, und die Zwillingsschwester Dianne, die von Patrizia Unger ein eigenes Profil erhält, tragen zur Vielschichtigkeit des Abends bei.
Die Aufführung behandelt auch Phils erste Liebe zu seinem Klassenkameraden Nicholas, die ihn innerlich zerrissen dastehen lässt. Seine lebensfrohe Freundin Kat, die ihm in dieser Situation nicht helfen kann, ergänzt das Bild der Herausforderung, die Phil zu bewältigen hat. Die erste Hälfte des Musicals bringt dramaturgische Herausforderungen mit sich, insbesondere durch Zeitsprünge und Perspektivwechsel, die nach der Pause zugunsten einer fokussierteren Handlung abnehmen.
Erfolg und Resonanz
Die Inszenierung hat das Publikum nicht nur durch die sorgfältige Besetzung der Nebenrollen begeistert, sondern auch durch die lebendige Performance des Ensembles, das eigene Tonlagen einbringt und somit einen lebendigen Musicalabend schafft. Der anhaltende Applaus am Ende der Vorstellung bestätigt die Wirkung der Aufführung, die auch ohne Vorkenntnis des Romans Sogkraft entfaltet.
Der Roman „Die Mitte der Welt“ wurde bereits auf verschiedenen Bühnen und im Kino adaptiert, unter anderem mit Jannik Schümann, und zeigt damit die anhaltende Relevanz seiner Themen. Die Entscheidung des Landestheaters, Niklas Wagner und Sarah Taylor Ellis mit der Musicalumsetzung zu beauftragen, zeigt ein klares Bekenntnis zur zeitgenössischen Theaterkunst und der Auseinandersetzung mit Jugendproblemen, die auch heute von Bedeutung sind. Für weitere Informationen zu dieser einzigartigen Inszenierung besuchen Sie bitte die offizielle Webseite des Landestheaters Linz.