Der österreichische Autor Reinhard Kaiser-Mühlecker, geboren 1982 in Kirchdorf an der Krems, hat sich mit seinem neuesten Werk „Brennende Felder“ (2024, S. Fischer Verlag) einen Namen gemacht. Für diesen Roman wurde er mit dem Österreichischen Buchpreis 2024 ausgezeichnet. In dieser spannenden Geschichte kehrt Luisa, die Protagonistin, nach Jahren in ihre Heimat zurück, was alte familiäre Konflikte und persönliche Traumata aufwirbelt. Kaiser-Mühlecker, der neben dem Schreiben auch eine Landwirtschaft betreibt, hat sich in seinen Werken oft mit dem österreichischen Landleben und dessen verborgenen Konflikten auseinandergesetzt.
In „Brennende Felder“ wird Luisa Fischer mit der schmerzlichen Wahrheit konfrontiert, dass ihr Vater Bob nicht ihr leiblicher Vater ist. Diese Erkenntnis führt zu einer tiefen Zuneigung zu Bob, die über familiäre Liebe hinausgeht. Nach einer Zeit des Umherirrens in verschiedenen Städten findet Luisa schließlich in Hamburg eine neue Heimat, doch das Schicksal hat andere Pläne: Ihr Stiefvater taucht unerwartet in Hamburg auf, und auch er hat sich gegen die Familie entschieden. Dies zwingt Luisa, gemeinsam mit ihrem Stiefvater zurück in ihre österreichische Heimat zu ziehen.
Die Psychologie der Beziehungen
Kaiser-Mühlecker beschreibt die zwischenmenschlichen Beziehungen mit psychologischer Präzision und ruhiger Sprache. Die ländliche Landschaft wird im Roman zu einem Raum latenter Spannungen, in dem unausgesprochene Schuld und verdrängte Leidenschaften vorhanden sind. Im Laufe ihrer Rückkehr wird Luisa mit Ferdinand konfrontiert, einem alten Bekannten aus ihrer Kindheit, der allein mit seinem Sohn Anton lebt. Die Annäherung zwischen Luisa und Ferdinand ist von Zweifeln geprägt, und die Spannungen zwischen den beiden nehmen zu. Luisa fragt sich, ob es möglich ist, die Schatten der Vergangenheit abzulegen und sich in neuen Lebensphasen neu zu erfinden.
Die Frage nach Schuld, Schicksal und persönlicher Verantwortung zieht sich wie ein roter Faden durch die Erzählung. Luisa beschließt, Schriftstellerin zu werden und beginnt, ihre eigene Geschichte zu erzählen. Dies zeigt einmal mehr, wie Kaiser-Mühlecker die Fragilität menschlicher Beziehungen und die Komplexität der persönlichen Identität thematisiert.
Lesungen und Veranstaltungen
Für alle Literaturliebhaber gibt es gute Nachrichten: Reinhard Kaiser-Mühlecker wird in mehreren Städten Lesungen halten. Die nächsten Termine sind:
- 18. März 2026, 18:00, Olmütz, Café Amadeus, Moderation: doc. Jörg Krappmann.
- 19. März 2026, 18:00, Brünn, Mährische Landesbibliothek, Moderation: Richard Guniš.
- 20. März 2026, 19:00, Österreichisches Kulturforum Prag, Moderation: Jan M. Heller.
Der Eintritt zu den Lesungen ist frei, und die Veranstaltungen finden in deutscher Sprache statt.
Die österreichische Literatur hat eine lange und bewegte Geschichte, die bis ins Frühmittelalter zurückreicht, als Dichtung hauptsächlich mündlich verbreitet wurde. Von den ersten dokumentierten deutschsprachigen Literaturwerken bis hin zu den modernen Strömungen, die heute die Szene prägen, hat sich viel getan. Die Herausforderungen der Gegenwart, wie sie auch in Kaiser-Mühleckers Werken thematisiert werden, spiegeln die Entwicklung der Literatur wider und zeigen, wie tief verankert die Fragen nach Identität und Herkunft in der österreichischen Kultur sind. Weitere Informationen über die Entwicklung der österreichischen Literatur finden Sie hier.
Heute ist der 20.02.2026, und die Literatur lebt – nicht zuletzt durch Autoren wie Reinhard Kaiser-Mühlecker, der mit seinen Geschichten die Leser in die Tiefen der menschlichen Psyche und die Komplexität des Lebens mitnimmt.