Am 5. Februar 2026 wird in Grieskirchen über einen tragischen Vorfall berichtet, der im Oktober 2023 in einem Krankenhaus in Oberösterreich stattfand. Eine 54-jährige Patientin mit einem Aorteneinriss kam ins Krankenhaus Rohrbach, benötigte jedoch dringend eine Überstellung in eine Spezialklinik. Leider gab es im Klinikum Wels-Grieskirchen keine verfügbaren Kapazitäten, was letztendlich zu ihrem Tod führte. Eine Expertenkommission unter der Leitung von Friedrich Pammer hat nun die Umstände dieses Falls untersucht und festgestellt, dass das Klinikum die Patientin hätte aufnehmen können, wenn mehr „Flexibilität“ im Intensivbereich vorhanden gewesen wäre. Pammer betonte jedoch, dass die Patientin aufgrund ihrer schweren Erkrankung prinzipiell keine Überlebenschance gehabt hätte, und dass die strikte Trennung der Intensivbereiche im Klinikum als „nicht sinnvoll“ bewertet wurde.
Die Landeshauptmannstellvertreterin Christine Haberlander reagierte umgehend auf diesen Vorfall und setzte im November eine Kommission ein, um Schwachstellen im Notfallmanagement und in der Kommunikation zu identifizieren. Die Analyse ergab, dass trotz verfügbarer Operationssäle und Teams kein Bett für die Patientin bereitstand, was auf eine mangelnde Kooperation zwischen den Intensivbetteneinheiten zurückzuführen war. Die Kommission empfahl verbindliche schriftliche Standards zur Verbesserung der standort- und trägerübergreifenden Versorgung bis Ostern. Zudem sollen technische Lösungen für den sicheren Austausch von Befunden und Krankenakten zwischen den Spitälern entwickelt werden. Ein nachtflugtauglicher Hubschrauber wird am ÖAMTC-Stützpunkt in Suben stationiert, um die Notfallversorgung zu verbessern.
Notfallversorgung und Systemschwächen
Die Oberösterreichische Gesundheitsholding plant nun, die Empfehlungen der Expertenkommission umzusetzen. In der politischen Diskussion wird jedoch auch auf strukturelle Mängel hingewiesen. Die SPÖ kritisiert ein systembedingtes Versagen und fordert eine Sonderprüfung der oberösterreichischen Spitäler. Die Grüne Gesundheitssprecherin fordert eine zentrale Koordination in Notfällen, während Neos-Klubobmann Reformen der Gesundheitsholding fordert. Der Präsident der Ärztekammer, Thomas Niedermoser, erkennt zwar das medizinisch korrekte Handeln der Ärzte an, sieht jedoch ebenfalls Systemschwächen. Gesundheitsministerin Korinna Schumann hat bereits eine Reformgruppe „Notfallversorgung“ zwischen Bund und Ländern eingerichtet, deren Ergebnisse jedoch noch ausstehen.
In diesem Kontext ist es wichtig, auf die Rolle der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) hinzuweisen. Diese Organisation fördert die Wissenschaft, Praxis und Forschung in der Intensiv- und Notfallmedizin. Sie setzt sich für den Wissensaustausch und die interdisziplinäre Kommunikation auf allen Versorgungsebenen ein. Zudem vertritt die DIVI gemeinsame Belange gegenüber Behörden, ärztlichen Berufsvertretungen und gesundheitspolitischen Institutionen. Die Schaffung von Standards für die multidisziplinäre Versorgung kritisch kranker Patienten und die Förderung der Weiterbildung in diesem Bereich sind ebenfalls zentrale Anliegen der Vereinigung.
Reformbedarf in der Notfallversorgung
Die DIVI hat kürzlich auch eine Stellungnahme zur Reform der Notfallversorgung an das Bundesministerium für Gesundheit abgegeben. Der aktuelle Gesetzentwurf, der am 3. Juni 2024 vorgestellt wurde, wird als optimierungsbedürftig angesehen. Fünf wesentliche Punkte zur Überarbeitung wurden identifiziert, darunter die Annahme des Notrufs und die digitale Datenerfassung in der Notaufnahme. Die DIVI kritisiert die geplante Einrichtung von Akutleitstellen und schlägt stattdessen eine gemeinsame Notfallleitstelle vor. Eine standardisierte Ersteinschätzung durch qualifiziertes Personal wird gefordert, um die Qualität in der Notfallversorgung weiter zu verbessern.
Diese Entwicklungen verdeutlichen die Notwendigkeit, das Notfallmanagement und die interdisziplinäre Zusammenarbeit im Gesundheitswesen zu stärken, um in Zukunft ähnliche Tragödien zu verhindern und die Versorgung kritisch kranker Patienten zu optimieren. Der Fall der verstorbenen Patientin ist ein eindringlicher Mahnruf an alle Beteiligten, die Herausforderungen im Gesundheitssystem ernst zu nehmen und dringend an Lösungen zu arbeiten.