Das Stadttheater Gmunden, ein kulturelles Aushängeschild Oberösterreichs, wurde 1872 eröffnet und hat seitdem viele Generationen begeistert. In den letzten Jahren hat das Theater jedoch einen bemerkenswerten Wandel durchlaufen, um sich den Herausforderungen der modernen Energieversorgung zu stellen. Im Rahmen einer umfassenden Generalsanierung durch die PORR Group wurde die Energieversorgung des historischen Gebäudes grundlegend neugestaltet. Dabei wurde die alte Gasheizung durch ein innovatives System ersetzt, das Geothermie, Wärmepumpen und eine Photovoltaikanlage kombiniert.
Die Herausforderungen, die mit der Modernisierung von denkmalgeschützten Gebäuden einhergehen, sind nicht zu unterschätzen. Historische Altbauten haben oft Einschränkungen bei der Installation moderner Technik. Nichtsdestotrotz wurde auf dem Dach des Stadttheaters ein Feld mit PV-Paneelen installiert, das nun den Strom für den Betrieb der neuen Anlage erzeugt. Zusätzlich wurde ein Erdwärmesondenfeld angelegt, das bis zu 300 Meter in die Tiefe reicht. Dieses neue Heiz- und Kühlsystem nutzt zwei Wärmepumpen und das Erdwärmesondenfeld, um im Winter Wärme aus dem Boden zu entziehen und im Sommer die gespeicherte Kälte zur Kühlung zu verwenden. Diese doppelte Nutzung erhöht nicht nur die Effizienz, sondern verlängert auch die Lebensdauer des Sondenfeldes.
Nachhaltige Energieversorgung in Österreich
Die Modernisierung des Stadttheaters Gmunden ist Teil eines größeren Trends in Österreich und Deutschland, der die Nutzung erneuerbarer Energien vorantreibt. Im Jahr 2024 wurden in Deutschland insgesamt 284 Terawattstunden (TWh) erneuerbarer Strom erzeugt, was einem Anstieg von 3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Der Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch stieg von 52,9 auf 54,4 Prozent. Besonders die Windenergie und Photovoltaik haben sich als tragende Säulen der erneuerbaren Stromerzeugung etabliert, die zusammen über 75 Prozent des erneuerbaren Stroms bereitstellen.
Die Photovoltaik hat dabei einen bemerkenswerten Zuwachs erlebt, mit einer Steigerung der installierten Leistung um 20 Prozent auf nahezu 100 Gigawatt. Auch die Stromerzeugung aus Wasserkraft konnte zulegen, während die Biomasse eine stabile Rolle im Energiemix spielt. Diese Entwicklungen sind nicht nur wichtig für die Energieversorgung, sondern auch für den Klimaschutz: Im Jahr 2024 konnten durch den Einsatz erneuerbarer Energien insgesamt 256 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente vermieden werden. Dies zeigt, wie entscheidend die Transformation der Energieversorgung für die Reduzierung von Treibhausgasemissionen ist.
Effektive Nutzung von Solaranlagen
Der Umbau des Stadttheaters Gmunden wirft auch die Frage auf, wie denkmalgeschützte Gebäude effizient mit erneuerbaren Energien versorgt werden können. Eine Diskussion über die Effektivität von Solaranlagen hat bereits begonnen. Anstatt zahlreiche Kleinanlagen auf Dächern zu installieren, wird vorgeschlagen, geeignete Großanlagen zu nutzen. Diese könnten auf Lager- und Produktionshallen, Wohnsiedlungen, öffentlichen Bauten oder Parkhäusern platziert werden und die Energieversorgung für ganze Nachbarschaften oder Ortschaften übernehmen.
Die Vorteile von Großanlagen sind vielfältig: Sie minimieren den technischen Aufwand und die individuellen Wartungs- und Reinigungskosten. Zudem sind sie in der Regel unproblematisch hinsichtlich des Denkmalschutzes. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz plant sogar einen Modellversuch zur Beteiligung an einer solchen Großanlage, um die Nutzung erneuerbarer Energien weiter zu fördern. Ziel ist es, die größte geeignete Dachfläche in der Umgebung für Solar-Großanlagen zu finden und somit die Energieeffizienz weiter zu steigern. Diese Ansätze könnten auch für andere denkmalgeschützte Gebäude in Gmunden und darüber hinaus von Bedeutung sein.