Der Lebensmitteldiscounter Unimarkt, der über Jahrzehnte hinweg eine feste Größe im europäischen Einzelhandel war, wird seine Pforten schließen. Insgesamt sind alle etwa 90 Standorte in fünf Bundesländern betroffen. Laut einem Bericht von Tips soll dieser Schritt eine Reaktion auf die angespannte Marktsituation sein, die auch in den letzten Jahren viele Handelsunternehmen unter Druck gesetzt hat. Unimarkt zieht sich nach 50 Jahren aus dem Einzelhandel zurück und wird rund 620 Mitarbeiter entlassen, wobei das AMS-Frühwarnsystem bereits aktiviert wurde.
In der Region Freistadt stehen Filialen in Städten wie Hagenberg, Wartberg, St. Oswald, Weitersfelden, Bad Zell und Liebenau vor der Schließung. Vorläufig bleiben jedoch alle Filialen geöffnet, bevor die endgültige Entscheidung über mögliche Übernahmen der Standorte bis Ende des Jahres getroffen wird. Peter Haubner, der Franchisenehmer in Liebenau, und Thomas Tober aus St. Oswald zeigen sich jedoch optimistisch, dass die Nahversorgung in der Region gesichert bleiben könnte, eventuell unter einer anderen Handelskette.
Hintergründe und Auswirkungen
Der Geschäftsführer Andreas Hämmerle nennt die angespannte Marktlage und die seit 2022 ständig abnehmenden Marktstandorte als Hauptgründe für das Schließen der Unimarkt-Filialen. Die Zahl der Lebensmittelgeschäfte ist im vergangenen Jahr stark gesunken, wie auch Regiodata berichtet. Im Jahr 2024 waren mehr als 50 Lebensmittelgeschäfte von Schließungen betroffen, während der Umsatz im Lebensmittelhandel durch hoheInflation touchiert wurde.
Das Rückzugsprogramm von Unimarkt ist Teil eines umfassenden Restrukturierungs- und Transformationsprozesses, der vor eineinhalb Jahren begonnen wurde. Dabei wird die Umstrukturierung nicht nur den Einzelhandel betreffen, sondern auch die weiteren Bereiche wie Großhandel und Logistik des Unternehmens. Hier bleibt Unimarkt stabil, was bedeutet, dass die Grundversorgung in der Region weiterhin gesichert ist, auch wenn die Einzelhandelssektoren zurückgefahren werden.
Wie viel der Rückzug Unimarkts in der Nachbarschaft verändert, bleibt abzuwarten. Derzeit ist das Interesse an der Übernahme der Standorte groß, um Arbeitsplätze und Nahversorgung zu sichern. Hämmerle betont, dass die Verantwortung für die Mitarbeiter ernst genommen wurde und dass sie aktiv in den Prozess eingebunden wurden. In einem „Town Hall Meeting“ wurden die Mitarbeiter über die Entwicklungen informiert und erhielten die Möglichkeit, ihre Bedenken zu äußern.
Angesichts dieser Marktsituation könnte man meinen, die Zeit für kleinere Ketten und regionale Anbieter sei nun reif, insbesondere angesichts der Tatsache, dass große Unternehmen wie Spar und REWE Group 67 % der Marktanteile für sich beanspruchen und in ländlichen Regionen expandieren. Der Rückgang der Lebensmittelstandorte zeigt deutlich, dass der Lebensmitteleinzelhandel in Österreich vor einer Trendwende steht, die nicht nur Unimarkt, sondern auch viele andere Ketten vor Herausforderungen stellt, wie ebenfalls von 5min erwähnt wird.