Am 9. Oktober 2025 war es endlich so weit: Die neue Kläranlage des Reinhaltungsverbandes Freistadt wurde feierlich in Betrieb genommen. Die Inbetriebnahme stellt einen wichtigen Schritt in der Abwasserreinigung für die Stadt und ihre Umgebung dar. Roland Wolf von meinbezirk.at beschreibt, dass die Kläranlage nun mit einer Kapazität von 38.000 Einwohnergleichwerten arbeitet und in naher Zukunft um weitere 10.000 Einwohnergleichwerte erweitert werden soll. Diese Erweiterung ist besonders relevant, denn die Abwässer von Freistadt und umliegenden Gemeinden wie Rainbach, Grünbach, Waldburg und Teilen von Lasberg werden hier seit 1992 gereinigt.
Der verantwortliche Betrieb nutzt verschiedene innovative Techniken. Die Kläranlage bezieht ihre Energie größtenteils aus erneuerbaren Quellen: Rund 30 % der benötigten Energie wird durch eine Mikroturbine sowie Photovoltaikanlagen gedeckt, die sowohl auf der Gebäudeoberfläche als auch durch einen Tracker zusätzlichen Strom erzeugen. Im Jahr 2020 verbrauchte die Anlage insgesamt 700.000 kWh. Die Mikroturbine allein lieferte 190.000 kWh, während Photovoltaik-Dachanlagen und -Tracker zusammen noch dazu beitrugen.
Nachhaltigkeit im Fokus
Ein weiteres bemerkenswertes Merkmal der neuen Kläranlage ist die Nutzung von Klärgas und Abwasserwärme. Der Faulturm der Anlage produziert ein Gasgemisch, das zu etwa 70 % aus Methan besteht, welches in einer Mikroturbine zur Stromerzeugung verwendet wird. Dieser Prozess macht die Kläranlage nicht nur energieeffizient, sondern trägt auch zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes bei. Die Abwärme der Abgase kann zur Heizung der Betriebsgebäude und des Faulturms genutzt werden, was den ökologischen Fußabdruck zusätzlich verringert.
In einem größeren Kontext betrachtet, zeigt sich ein klarer Trend hin zur Energieautarkie bei kommunalen Kläranlagen. So berichtet Veolia, dass einige Anlagen bereits überschüssige Energie für die Umgebung produzieren. Die konsequente Energiewende in der Abwasserwirtschaft steigert nicht nur die Effizienz, sondern könnte auch zur Schaffung neuer Arbeitsplätze führen.
Ausblick und Herausforderungen
Die Möglichkeit, das gereinigte Wasser in ein Nahwärmenetz einzuspeisen, wird derzeit noch nicht genutzt, bietet jedoch Zukunftspotenzial, wenn geeignete Abnehmer gefunden werden. Ein kleiner Wermutstropfen bleibt, denn die unregelmäßige Verfügbarkeit des Abwassers und Genehmigungsprobleme machen die gesamte Planung oft kompliziert. „Trotz dieser Herausforderungen sind wir zuversichtlich, dass wir unser Ziel, eine nachhaltige und zukunftssichere Abwasserreinigung zu gewährleisten, erreichen werden“, so ein Vertreter des Reinhaltungsverbandes.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die neue Kläranlage in Freistadt nicht nur modernste Technik bietet, sondern auch Zeichen für eine nachhaltige Zukunft setzt. Mit einem gut durchdachten Konzept steht sie bereit, auch den wachsenden Anforderungen gerecht zu werden und gleichzeitig die Umwelt zu schützen.