Der 7. Oktober hat für Frauen im Bezirk Freistadt eine besondere Bedeutung: An diesem Tag fiel der Equal Pay Day, der markiert, dass Frauen bis zum Ende des Jahres im Vergleich zu Männern statistisch gesehen gratis arbeiten. Das bedeutet konkret, dass Frauen in diesem Bezirk noch 86 Tage ohne Bezahlung tätig sind. Eine alarmierende Realität, die die unterschwellige Ungerechtigkeit im Einkommensbereich deutlich macht. Diese Einkommenslücke beträgt im Bezirk Freistadt etwa 25 % und stellt sich somit als eine der höchsten in ganz Oberösterreich dar. Das berichtete Tips.
Die Ursachen für diese ungleiche Bezahlung sind vielfältig. Eine entscheidende Rolle spielen unzureichende Kinderbetreuungsmöglichkeiten, die viele Frauen dazu zwingen, Teilzeitarbeit anzunehmen oder berufliche Ambitionen zurückzustellen, um Betreuungspflichten nachzukommen. Aktuelle Statistiken zeigen, dass Frauen in ganz Oberösterreich im Durchschnitt 20,2 % weniger verdienen als Männer, was die Notwendigkeit von Reformen auf diesem Gebiet unterstreicht.
Kinderbetreuung als Schlüssel zur Lohngleichheit
Die SPÖ Frauen fordern daher einen Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen, um die Lohngleichheit zu fördern. Ein zentraler Bestandteil dieser Forderungen ist ein Rechtsanspruch auf kostenfreie Kinderbildung ab dem ersten Lebensjahr. Auch eine gerechte Aufteilung der Karenzzeiten und der Schutz der Rechte von Teilzeitbeschäftigten sind wesentliche Punkte, um Frauen finanziell zu entlasten. Besonders die so genannte „Motherhood penalty“ führt dazu, dass berufstätige Mütter niedrigere Löhne beziehen, was sich mit der Anzahl der Kinder verschärft, wie UN Women erklärt.
Die gesamtgesellschaftlichen Auswirkungen dieser Lohnunterschiede sind enorm. Weniger Einkommen hat nicht nur Auswirkungen auf die finanzielle Situation der betroffenen Frauen und ihrer Familien, sondern auch auf die Gesellschaft insgesamt. Aktuelle Studien belegen, dass Frauen täglich drei Stunden mehr Pflegearbeit leisten als ihre männlichen Kollegen, eine Arbeit, die oft nicht anerkannt wird und nicht in die Gehaltsberechnung einfließt.
Der Gender Pay Gap im Detail
Ein zentrales Instrument zur Analyse dieser Diskriminierung ist der Gender Pay Gap. Dieser beschreibt den Verdienstunterschied pro Stunde zwischen Frauen und Männern. Dabei unterscheidet man zwischen dem unbereinigten Gender Pay Gap, der alle Verdienstunterschiede erfasst, und dem bereinigten Gender Pay Gap, welcher Unterschiede aufgrund von Beruf, Branche und weiteren Faktoren berücksichtigt. In Deutschland beispielsweise stehen Frauen vor ähnlichen Herausforderungen, und die Zahlen zeigen, dass der Gender Pay Gap tief verwurzelte Ursachen hat, die oft mit strukturellen Ungleichheiten verbunden sind, wie das Statistische Bundesamt darstellt.
Zusammengefasst zeigt der Gleichstellungskampf im Bezirk Freistadt und darüber hinaus, dass es dringend an der Zeit ist, diese Ungleichheiten zu beseitigen. Nur durch gezielte Maßnahmen in der Bildung, Kinderbetreuung und bei den Arbeitsbedingungen können wir auf eine gerechtere Zukunft für alle hinarbeiten. Die kommenden Monate werden entscheidend sein, um zu sehen, wie sich die politische Agenda in Bezug auf diese drängenden Fragen entwickeln wird.