In Zeiten wirtschaftlicher Umbrüche und der digitalen Automatisierung wagen immer mehr Menschen den Sprung in neue Berufe. Ein bemerkenswertes Beispiel hierfür ist Clemens Prinz, der nach einer erfolgreichen Karriere als Übersetzer und Journalist nun als Obstbaumwart tätig ist. Der 1973 in Freistadt geborene Prinz, der als ältestes von fünf Kindern in einem handwerklich geprägten Haushalt aufwuchs, hat sich entschieden, die Pflege alter Obstbäume in den Vordergrund zu stellen. Dies war eine Reaktion auf die sinkenden Honorare für Übersetzungs- und Lektoratsaufträge durch den Einfluss von Künstlicher Intelligenz (KI) auf sein Einkommen. Seine neue Berufung begann er im Herbst 2024 mit einer Ausbildung zum Obstbaumwart beim Ländlichen Fortbildungsinstitut Burgenland, während er parallel eine Gärtnerausbildung an der Gartenbauschule Großwilfersdorf absolvierte.
Seit November 2024 ist Clemens Prinz offiziell als Obstbaumwart und Gartenpfleger in Burgenland und Oberösterreich tätig. Zudem plant er die Errichtung eines Obstsortengartens mit lokal verbreiteten Obstsorten und sucht ein etwa ein Hektar großes Pachtgrundstück im Umkreis von Freistadt. Um sein Wissen weiterzugeben, bietet er Lehrgänge an, unter anderem einen Baumschnittkurs am 28. Februar in Neumarkt im Mühlkreis. Diese Initiative zeigt nicht nur seine Leidenschaft für den Obstbau, sondern auch sein Engagement für die lokale Gemeinschaft und den Erhalt von alten Obstsorten.
Die Herausforderungen im Obstbau
Der Obstbau steht jedoch vor zahlreichen Herausforderungen. Der Klimawandel führt zu extremen Wetterereignissen, die das Ökosystem bedrohen, und auch der Arbeitskräftemangel sowie steigende Produktionskosten machen den Landwirten das Leben schwer. Projekte wie „SAMSON“, das am 24. Januar 2023 von Bundesminister Cem Özdemir auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vorgestellt wurde, zielen darauf ab, Ideen für klimaeffiziente Zukunftsbetriebe und ländliche Regionen in der Landwirtschaft zu identifizieren. Dabei wird auch die digitale Transformation im Agrarbereich in den Fokus genommen, um ländliche Räume durch leistungsstarke Mobilfunknetze zu stärken.
Ein weiterer Aspekt von „SAMSON“ ist der Einsatz smarter Automatisierungssysteme, die dazu beitragen sollen, Ressourcen wie Pflanzenschutzmittel, Wasser und Energie zu reduzieren. Diese Systeme erfassen und werten Anbaudaten über lange Zeiträume aus, um interaktive Daten für Obstbaubetriebe bereitzustellen. Solche technologischen Entwicklungen sind notwendig, um den steigenden Qualitätsansprüchen der Verbraucher gerecht zu werden und die Attraktivität von Berufen im Obstbau zu erhöhen.
Die Rolle von Künstlicher Intelligenz
Die Integration von Künstlicher Intelligenz (KI) in den Obst- und Gemüsebau ist ein weiteres spannendes Thema. Automatisierte Systeme unterstützen Betriebe bei der Ernte, dem Pflanzenschutz und der Ressourcennutzung. Technologien wie GPS und Kameras helfen dabei, Unkraut zu bekämpfen und die Bewässerung effizient zu steuern. Roboter sind inzwischen in der Lage, reife Früchte zu erkennen und automatisch zu ernten, was den Personalbedarf senkt und die Produktivität steigert. Diese Innovationen bringen jedoch auch Herausforderungen mit sich, wie hohe Investitionskosten und technische Anforderungen, die oft nicht in ausreichendem Maße in vielen Betrieben vorhanden sind.
Insgesamt zeigt der Weg von Clemens Prinz, wie Wandel und Anpassung in der heutigen Zeit notwendig sind. Während er sich von der digitalen Welt abwendet und in die Natur eintaucht, sind Projekte wie „SAMSON“ und der Einsatz von KI und Automatisierung im Obstbau entscheidend, um die Zukunft der Landwirtschaft nachhaltig zu gestalten. Damit wird nicht nur die Produktivität gesteigert, sondern auch der Erhalt traditioneller Berufe und das Bewusstsein für regionale Obstsorten gefördert. Dies alles geschieht in einem Spannungsfeld, das sowohl Chancen als auch Herausforderungen mit sich bringt und das Potenzial hat, den Obstbau der Zukunft zu prägen.