In der Region Braunau am Inn zeigt sich ein vielschichtiges Bild der wirtschaftlichen Lage. Laut einer aktuellen Befragung der Wirtschaftskammer (WKO) Braunau sind die meisten Betriebe stabil und viele planen sogar Wachstum. Dies zeigt, dass die Wirtschaft stark von der Stimmung abhängt, und die Mehrheit der Unternehmer optimistisch in die Zukunft blickt.
Die Umfrageergebnisse belegen, dass 56% der Unternehmer ihre Lage als gut bewerten und knapp 60% eine positive Entwicklung für die kommenden zwei Jahre erwarten. WKO-Leiter Klaus Berer bezeichnet die Umfragebeteiligung von 12% als erfreulich. Diese Stabilität wird zudem durch die Initiative „Projekt Aufschwung“ unterstützt, die in Kooperation mit drei Regionalzeitungen, darunter die Braunauer Warte, „MeinBezirk“ und „Tips“, ins Leben gerufen wurde. Hierbei werden gemeinsame Inseratenangebote erstellt, um die Reichweite der Betriebe zu erhöhen. Diese Angebote sind bis Juni 2026 befristet.
Herausforderungen in der Branche
Obwohl die Stimmung überwiegend positiv ist, gibt es auch Herausforderungen. Besonders im Bereich der Industrie zeigen sich schwächelnde Tendenzen, während Dienstleistungsunternehmen, Bauunternehmen, Versicherungen und IT-Unternehmen von einer positiven Stimmung profitieren. WKO-Obmann Klemens Steidl hebt hervor, dass die Realität oft besser ist als die allgemeine Stimmungslage. Viele Betriebe planen, Mitarbeiter einzustellen, insbesondere Facharbeiter und Lehrabsolventen sind derzeit stark gefragt.
Dennoch zeigt sich, dass die Mitarbeitersuche für Handwerksbetriebe, insbesondere im Verkehr, Transport und Logistik, eine Herausforderung darstellt. Die Nachfrage nach Lkw-Fahrern ist stark gestiegen, was auf eine angespannte Situation auf dem Arbeitsmarkt hinweist. Die Insolvenz von KTM hat zusätzlich eine Krisenstimmung ausgelöst, trotz vorherigem wirtschaftlichem Aufschwung.
Wirtschaftliche Rahmenbedingungen
Global gesehen ist die wirtschaftliche Situation jedoch durch verschiedene Faktoren belastet. Aktuelle Konjunkturindikatoren zeigen, dass die wirtschaftliche Erholung im dritten Quartal nicht eingetreten ist. Besonders die Außenwirtschaft leidet, da deutsche Ausfuhren, vor allem in die USA, rückläufig sind. Im Gegensatz dazu zeigen binnenwirtschaftliche Bereiche, wie das Baugewerbe und unternehmensnahe Dienstleistungen, Anzeichen der Stabilisierung.
Die Industrieproduktion hat mit einem Rückgang von 5,6% zu kämpfen, und die Produktionsrückgänge im Kfz-Bereich sind alarmierend. Dennoch gibt es positive Entwicklungen, wie den Anstieg der PKW-Neuzulassungen im September um 5%. Auch die Inflationsrate ist auf 2,4% gestiegen, was die allgemeinen Lebenshaltungskosten betrifft. Dies führt zu einer steigenden Arbeitslosigkeit und einem Anstieg der Unternehmensinsolvenzen, die im Juli um 12,3% zugenommen haben.
In diesem Kontext ist es wichtig, den Betrieben „Luft zum Atmen“ zu geben, wie Steidl es formuliert hat, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Unternehmer fordern Entlastungen, um den Herausforderungen, wie Bürokratie und hohen Kosten, entgegenzuwirken. Trotz der negativen Rahmenbedingungen bleibt die Wirtschaft im Bezirk Braunau robust, und es ist zu hoffen, dass die positiven Entwicklungen in den kommenden Jahren weiterhin anhalten werden.