In Braunau am Inn stehen die Umbauarbeiten am ehemaligen Geburtshaus von Adolf Hitler kurz vor dem Abschluss. Das Ziel der Umnutzung zu einer Polizeistation ist nicht nur praktisch, sondern auch symbolisch: Man möchte Pilgerfahrten von Neonazis verhindern und damit ein Zeichen gegen den Nationalsozialismus setzen. Die Arbeiten sollen bis Ende des ersten Quartals 2024 abgeschlossen sein, und die Betriebsaufnahme der neuen Polizeistation ist für das zweite Quartal 2026 geplant. Dieses Gebäude war seit 1972 vom österreichischen Staat gemietet und diente als Zentrum für Menschen mit Behinderungen.
Der ehemalige Besitz des Hauses war lange Zeit ein Streitpunkt, insbesondere im Hinblick auf die Enteignung. Die letzte Eigentümerin, Gerlinde Pommer, legte Veto gegen die Umgestaltung ein und kämpfte gegen die Enteignung. Ein Sondergesetz wurde 2016 verabschiedet, um das allgemeine Interesse an der Umnutzung durchzusetzen. Der Oberste Gerichtshof bestätigte 2019 den Kaufpreis von 810.000 Euro für die 800 m² große Fläche. Eine Expertenkommission entschied, das Gebäude nicht zu einer Gedenkstätte zu machen, um es nicht zu einem Magneten für Neonazis werden zu lassen. Der Abriss wurde ausgeschlossen, um der Vergangenheit Österreichs Rechnung zu tragen.
Umnutzung und gesellschaftliche Debatte
Das Projekt des Architekturbüros Marte sieht eine Erhöhung und Vergrößerung des Hauses vor. Die Kosten des Projekts belaufen sich auf 20 Millionen Euro. Kritiker, wie der Schriftsteller Ludwig Laher, äußern Bedenken zur Umnutzung und schlagen vor, stattdessen eine Förderung des Pazifismus als bessere Option zu sehen. Diese Diskussion verdeutlicht den schwierigen Umgang Österreichs mit seinem nationalsozialistischen Erbe, das seit der Geburt Hitlers in Braunau am Inn 1889 immer wieder in den Fokus rückt.
In der Vergangenheit sah sich Österreich lange als erstes Opfer Hitlers, erkannte jedoch erst 1991 seine Mitverantwortung am Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust an. Seit den 1990er Jahren gibt es Fortschritte in der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit, auch im Schulunterricht. Diese Entwicklung wird durch die Umnutzung des Geburtshauses weiter vorangetrieben, da die lokale Polizeiinspektion 2024 in das umgebaute Gebäude einziehen wird.
Umbenennung von Straßen und gesellschaftlicher Widerstand
Die Stadtverwaltung von Braunau hat kürzlich auch zwei nach Nazis benannte Straßen umbenannt: die Josef-Reiter-Straße und die Franz-Resl-Straße. Der Gemeinderat stimmte mehrheitlich für die Umbenennung, jedoch gab es auch Widerstand, insbesondere von der FPÖ. Anwohner äußerten Bedenken bezüglich bürokratischer Probleme durch die Adressänderungen. In Gallneukirchen wird ebenfalls eine Josef-Reiter-Straße umbenannt, hier gab es sogar eine einstimmige Zustimmung im Gemeinderat.
Diskussionen über neue Straßennamen in Braunau und Gallneukirchen sind im Gange, mit über 30 Vorschlägen in Braunau. Ein Gutachten hat festgestellt, dass NS-belastete Straßennamen verfassungswidrig sind. Dennoch wird der Umgang mit rechtsextremen Straftaten in Österreich kritisiert, da die Staatsanwaltschaften oft Ermittlungen einstellen. In diesem Kontext ist auch das „Haus der Geschichte Österreich“ in Wien zu erwähnen, das sich mit Austrofaschismus und Nationalsozialismus beschäftigt, jedoch in seiner Arbeit eingeschränkt ist.
Einordnung in den historischen Kontext
Die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit in Österreich ist ein vielschichtiges Thema. Der Artikel über die Geschichte Österreichs während des Nationalsozialismus zeigt, dass die Entnazifizierung 1947 gesetzlich geregelt wurde, viele NS-Verbrechen jedoch nicht ausreichend verfolgt wurden. Bis heute dauert die wissenschaftliche und gesellschaftliche Aufarbeitung der NS-Diktatur an. Diese Umnutzung und die begleitenden gesellschaftlichen Diskussionen sind Teil eines Prozesses, der die Erinnerungskultur in Österreich nachhaltig beeinflusst.
Insgesamt ist die Umnutzung des Geburtshauses von Adolf Hitler zu einer Polizeistation ein Schritt, der sowohl symbolisch als auch praktisch von Bedeutung ist. Die damit verbundenen Diskussionen und Herausforderungen spiegeln den fortwährenden Kampf um die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit in Österreich wider, der auch in Zukunft ein umstrittenes Thema bleiben wird. Weitere Schritte in dieser Richtung könnten Signalwirkung für ganz Österreich haben, wie die aktuellen Straßenumbenennungen zeigen.