In Österreich sieht die wirtschaftliche Lage derzeit alles andere als rosig aus. Die größte heimische Interessenvertretung, die WKO, warnt vor einer anhaltenden Rezession, die als ernstes Alarmzeichen für den Standort gilt. Trotz der Resilienz vieler Betriebe steigen die Unsicherheiten – und das spürt man in jeder Branche. Die Forderungen nach einer dynamischen und anpassungsfähigen Arbeitswelt, die Leistung belohnt und innovative Rahmenbedingungen schafft, werden immer lauter. Die Zeit drängt, denn das Arbeitskräftepotenzial nimmt ab und die Österreicher arbeiten im Schnitt über sechs Wochen weniger pro Jahr als noch 1995. Es ist wichtig, alte Strukturen aufzubrechen, um auf die neuen globalen Herausforderungen zu reagieren, berichtet die WKO in einer aktuellen Mitteilung.
Wie die WKO weiter feststellt, sind Investitionen der Schlüssel zu Wachstum und Innovation. Besonders in der aktuellen Situation ist dies entscheidend. Derzeit investieren Unternehmen jedoch nicht ausreichend. Die Notwendigkeit von Investitionsfreibeträgen, gezielten Förderungen zur Stärkung des Eigenkapitals und Investitionsprämien wird unmissverständlich gefordert. Die hohen Energiekosten, die im europäischen Vergleich die Spitzenposition einnehmen, stellen ein weiteres Problem dar – rund die Hälfte davon entfallen auf Steuern und Abgaben. In den letzten Jahren ist es zu einem dramatischen Einbruch der Exporte um 10 Milliarden Euro gekommen, was die Situation ad absurdum führt und neue Partnerschaften beispielsweise mit Drittstaaten unabdingbar macht.
Wirtschaftliche Herausforderungen
Die derzeitige wirtschaftliche Unsicherheit ist nicht nur auf nationale Faktoren beschränkt. Auch der internationale Kontext spielt eine entscheidende Rolle. Nach Einschätzungen des IW-Instituts droht Deutschland und damit indirekt auch Österreich eine anhaltende Rezession, die im Sommer 2023 drei Millionen Arbeitslose in Deutschland zur Folge haben könnte. Solche Prognosen führen zu einer bedrohlichen Grundstimmung, die auch die Nachfrage nach Arbeitskräften verringert. Dies wird von einer leichten Erhöhung der Arbeitslosigkeit flankiert, was in Kombination mit den steigenden Tariflöhnen, die jedoch hinter der Preisentwicklung zurückbleiben, die Einkommenssituation weiter verschärft.
Währenddessen hat die deutsche Wirtschaft, laut aktuellen Berichten, Anzeichen einer Erholung gezeigt. Die Industrieproduktion profitierte von der Normalisierung der Lieferketten, und die rückläufigen Energiepreise könnten dem Sektor zumindest kurzfristig unter die Arme greifen. Für 2023 und 2024 wird ein langsamer Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) prognostiziert, was den heimischen Unternehmen Hoffnung geben könnte. Doch auch hier bleibt die hohe Inflationsrate von 5,9 % für 2023 und 2,7 % für 2024 eines der Hauptprobleme.
Die Rolle von Innovation und Digitalisierung
Um den Herausforderungen zu begegnen, wird Digitalisierung und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz als wichtige Standortfaktoren hoch gehandelt. Die bürokratischen Hürden bleiben jedoch eine ständige Herausforderung. Ein zentrales Anliegen ist die Reduzierung des Verwaltungsaufwands, um mehr Raum für unternehmerisches Handeln zu schaffen. Wie die WKO betont, ist die Unterstützung durch die Außenwirtschaft Austria hierbei von großer Bedeutung. Nur so können österreichische Unternehmen im internationalen Wettbewerb bestehen und ihre Betriebe zukunftssicher aufstellen.
Die Situation bleibt angespannt und erfordert ein Umdenken auf vielen Ebenen. Sowohl im Hinblick auf persönliche Arbeitsmodelle als auch auf die Unternehmenskultur muss es eine Transformation geben, um Österreich als Wirtschaftsstandort zu stärken.