Am 3. Februar wurde die 93-jährige Johanna Schneider nach gesundheitlichen Problemen ins Landesklinikum Gmünd gebracht. Die Ärzte stellten eine Blutarmut (Anämie) fest und ordneten an, dass dringend Blutkonserven ins Klinikum Zwettl geliefert werden sollten. Was folgte, war ein gravierendes Versäumnis im Gesundheitssystem: Der Transport der notwendigen Blutkonserven verzögerte sich von den üblichen 30 Minuten auf ganze sieben Stunden. Um 13 Uhr wurde schließlich ein Sekundärnotarzttransport angefordert, doch das Fahrzeug traf erst um 20 Uhr ein. In der Zwischenzeit konnte die notwendige Behandlung nicht beginnen, da die Blutkonserven bereits nach Zwettl gebracht worden waren. Die Familie von Johanna Schneider sieht die Verantwortung für diese katastrophale Wartezeit bei der Landesgesundheitsagentur (LGA), die die Transportdienste beauftragt hat.
Die LGA hat bereits erklärt, dass Wartezeiten von sieben Stunden inakzeptabel seien. Landesrat Anton Kasser (ÖVP) forderte, dass Transporte zwischen Kliniken reibungslos funktionieren müssen. Um derartige Vorfälle in Zukunft zu verhindern, haben die Johanniter angekündigt, jeden einzelnen Fall gemeinsam mit Notruf Niederösterreich und der LGA zu prüfen, um Abläufe zu verbessern. Anämie, ein Zustand, bei dem das Blut zu wenig rote Blutkörperchen oder Hämoglobin enthält, kann zu Symptomen wie Müdigkeit, Schwäche, Schwindel und Kurzatmigkeit führen. Die Ursachen sind vielfältig und können von Eisen- und Vitaminmangel bis hin zu chronischen Erkrankungen reichen. Die Diagnose erfolgt über ein Blutbild, und die Behandlung reicht von Nahrungsergänzungen bis hin zu Bluttransfusionen bei schweren Verläufen. Mehr Informationen zu diesem Vorfall können Sie auch in dem Artikel von Focus nachlesen.
Wartezeiten im Gesundheitswesen
Die Situation, die Johanna Schneider erlebt hat, ist kein Einzelfall. Wartezeiten im Krankenhaus werden häufig als gegeben hingenommen und sind ein verbreitetes Phänomen im Gesundheitswesen. Patienten erwarten oft lange Wartezeiten auf verschiedene Dienstleistungen wie Aufnahmetermine, Ärzte, Pflegekräfte und Transportdienste. Insbesondere in der Notaufnahme haben bis zu 70% der Patienten Schmerzen und viele kommen mit erheblichen Ängsten. Diese Ängste korrelieren oft nicht mit der realen, sondern mit der angenommenen Gefahr und können durch lange Wartezeiten noch verstärkt werden.
Die Wahrnehmung der Wartezeit spielt eine entscheidende Rolle für die Patientenzufriedenheit. Lange Wartezeiten können zu schlechteren Behandlungsergebnissen führen, insbesondere bei zeitkritischen Erkrankungen. Patienten empfinden es als ungerecht, wenn sie glauben, länger als andere auf eine Behandlung warten zu müssen. Dabei ist die Kommunikation entscheidend: Wenn medizinisch notwendige Priorisierungen erklärt werden, kann dies die Wahrnehmung der Wartezeit mildern. Ansätze wie das Manchester Triage System, das in den Asklepios Kliniken angewandt wird, helfen dabei, Gesundheitsrisiken zu bewerten und die Patienten nach Dringlichkeit einzuordnen. Dr. Jochen Thiele, der das Institut für Notfallmedizin leitet, betont, dass eine strukturierte Befragung der Patienten und die visuelle Darstellung der Dringlichkeit durch Farben entscheidend sind. Mehr über Triage und Patientensicherheit erfahren Sie in dem Artikel von Asklepios.
Die Herausforderungen des Wartens
Die Belastung durch Wartezeiten ist ein drängendes Problem im Gesundheitswesen. Lange Wartezeiten in der Notaufnahme können die Außendarstellung einer Klinik und deren Attraktivität beeinträchtigen. Fast die Hälfte aller Patienten eines Krankenhauses gelangt über die Notaufnahme in die stationäre Behandlung. Studien zeigen, dass Patienten oft die Länge der Wartezeiten überschätzen. Sie tolerieren Wartezeiten besser, wenn diese zu Beginn klar kommuniziert werden. Gefühle wie Angst und Schmerzen lassen Wartezeiten als unangenehm und subjektiv länger erscheinen.
Die Herausforderungen, die mit langen Wartezeiten einhergehen, sind vielfältig und betreffen nicht nur die Patienten, sondern auch das Pflegepersonal. Unzufriedenheit mit Wartezeiten ist besonders groß bei weniger schwer erkrankten Patienten. Um die Wartezeiten zu reduzieren, könnten Ansätze wie Triage, Fast Tracks für Leichtverletzte und First-View-Konzepte hilfreich sein. Die Gestaltung der Wartezeit ist somit ein wichtiger Faktor für die Patientenzufriedenheit. Für ausführlichere Informationen zur Thematik sei auf den Artikel des Ärzteblattes verwiesen.