Am 8. März wird der Internationale Frauentag gefeiert, ein bedeutender Tag, der an die Errungenschaften von Frauen erinnert und auf bestehende Ungleichheiten hinweist. In der Stadtgemeinde Zwettl haben sich Gemeinderätinnen zusammengefunden, um die Frauenberatung Waldviertel zu besuchen und sich über die Angebote für Frauen in der Region zu informieren. Diese Initiative zeigt, wie wichtig es ist, lokale Ressourcen zu nutzen und die Sichtbarkeit von Frauen in der Gesellschaft zu erhöhen. In einem Doppel-Interview mit Edith Mazza, Geschäftsführerin von WVNET, und Antonia Kastner, Unternehmerin bei der Kindergruppe Apfelbäumchen und FRAU iDA, wurden einige zentrale Themen zur Gleichstellung angesprochen.
Edith Mazza hebt hervor, dass in ihrer Firma sowie in der Telekommunikations- und Technikbranche eine große Akzeptanz für Frauen besteht. Dennoch sieht sie Diskriminierung außerhalb ihrer Branche. Antonia Kastner ergänzt, dass die Gesellschaft grundsätzlich offen für Unternehmerinnen ist, jedoch Mütter vor besonderen Herausforderungen stehen. Beide Frauen sind sich einig, dass sie sich nie aufgrund ihres Geschlechts Gedanken über Führungspositionen gemacht haben. Für Mazza sind Qualifikation und Motivation die entscheidenden Faktoren für Führungsrollen, nicht das Geschlecht. Kastner hingegen kennt viele Frauen mit Potenzial, die sich unter ihrem Wert verkaufen. Sie fordert eine Reform des Bildungssystems in Österreich und schlägt ein Ganztagsschulsystem vor, um Mütter zu entlasten und ihre Karrierechancen zu verbessern.
Fortschritte in der Gleichstellung
Die Bemühungen um Gleichstellung in Führungspositionen zeigen auch auf nationaler Ebene Fortschritte. So hat die Bundesregierung die Neunte Jährliche Information über den Frauenanteil in Führungsebenen und Gremien beschlossen. Laut diesen Berichten ist der Frauenanteil in Führungspositionen in der Privatwirtschaft, im öffentlichen Dienst sowie bei Bundesunternehmen kontinuierlich gestiegen. Bundesfrauenministerin Karin Prien betont die positive Wirkung der gesetzlichen Regelungen zur Förderung von Frauen in Führungspositionen. Der Frauenanteil in der Bundesverwaltung beträgt mittlerweile 47 Prozent, was einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung darstellt.
Besonders bemerkenswert ist der Anstieg des Frauenanteils in Aufsichtsräten, der von 18,6 Prozent im Jahr 2015 auf 27,4 Prozent im Jahr 2022 gestiegen ist. Im Geschäftsjahr 2023 übertraf dieser Anteil in börsennotierten und paritätisch mitbestimmten Unternehmen sogar die Mindestquote von 30 Prozent um 7,1 Prozentpunkte. Dennoch bleibt der Frauenanteil in Unternehmensvorständen mit 13 Prozent im Jahr 2022 noch unter dem nötigen Ziel, obwohl er sich um 1,5 Prozentpunkte gesteigert hat. Der Fortschritt ist sichtbar, aber die Gremien und Unternehmen müssen weiterhin daran arbeiten, eine paritätische Besetzung zu erreichen.
Herausforderungen und Perspektiven
Trotz dieser Fortschritte ist die Gleichstellung in der Arbeitswelt ein zentrales Thema. Frauen sind in Führungspositionen weiterhin unterrepräsentiert, und die meisten dieser Positionen sind nach wie vor von Männern besetzt. Ursachen dafür sind unter anderem die Vereinbarkeit von Familie und Karriere sowie traditionelle Rollenbilder. Netzwerke, Sichtbarkeit und Bildung spielen eine entscheidende Rolle für den beruflichen Aufstieg von Frauen. Unternehmen, die Gleichstellung als strategisches Ziel definieren und flexible Arbeitsmodelle, klare Beförderungskriterien sowie transparente Vergütungssysteme fördern, können Chancengleichheit wesentlich unterstützen.
Die gesetzlich eingeführten Regelungen, wie das Führungspositionengesetz von 2015, haben bereits positive Effekte gezeigt. Dieses Gesetz führt eine verbindliche Frauenquote für bestimmte Unternehmen ein und sorgt dafür, dass Frauen und Männer in der Führungsspitze vertreten sind. Dennoch bleibt der Weg zur vollständigen Gleichstellung ein fortlaufender Prozess, der sowohl strukturelle Anpassungen als auch einen kulturellen Wandel erfordert. Unternehmen, die Vielfalt und Chancengleichheit fördern, sind oft erfolgreicher und innovativer, was die Relevanz dieser Themen unterstreicht.
Für weitere Informationen zu den Herausforderungen und Fortschritten im Bereich der Gleichstellung von Frauen in Führungspositionen, besuchen Sie die entsprechenden Quellen: MeinBezirk Zwettl, BMBF und RZ Hartmann.






