Die Innenstadt von Wiener Neustadt ist seit geraumer Zeit einem Wandel unterzogen. Das ehemals leerstehende Müller-Kaufhaus, das lange Zeit als Schandfleck in der Fußgängerzone galt, wird nun durch ein neues Wohn- und Geschäftszentrum ersetzt. Der Abriss des Kaufhauses, das seit 2019 geschlossen war und die schwächelnde Innenstadt-Wirtschaft symbolisierte, markiert einen wichtigen Schritt in der Revitalisierung der Region. Die NLY Invest GmbH und das Architektur- und Planungsbüro Ebner & Partner haben sich dieser Herausforderung angenommen und ein Projekt ins Leben gerufen, das Bürgermeister Klaus Schneeberger (ÖVP) als „deutliche Aufwertung“ der Innenstadt bezeichnet.
Das neue Zentrum wird eine Billa-Filiale im Erdgeschoss sowie 37 hochwertige Eigentums- und Mietappartements auf vier Etagen umfassen. Die Appartements sind mit modernen Küchen, Echtholz-Parkettböden und Naturstein in den Gängen und Stiegenhäusern ausgestattet. Diese Kombination aus Wohnen und Handel entspricht dem Stadtentwicklungsplan „Step 2030+“. Die Stadtgemeinde hat zudem Ansiedlungsprämien für Unternehmen eingeführt, um die Ansiedlung im Zentrum zu fördern und so die Attraktivität der Innenstadt zu steigern.
Die Herausforderungen der Innenstadt
Die Situation in Wiener Neustadt spiegelt ein weitverbreitetes Phänomen wider: Viele Innenstädte in Österreich leiden unter Leerständen, dem Rückgang von Traditionsgeschäften und geringeren Besucherzahlen. Diese Entwicklungen haben oft tiefere Wurzeln und wurden durch die Pandemie noch verstärkt. Um dem entgegenzuwirken, sind Förderprogramme des Bundes und der Länder ins Leben gerufen worden, die innovative Konzepte zur Belebung der Innenstädte unterstützen sollen. Einigkeit besteht darüber, dass Innenstädte vielfältiger und multifunktionaler gestaltet werden müssen.
Geplante neue Nutzungen umfassen nicht nur Wohnangebote, sondern auch Kunst-, Kultur- und Freizeiteinrichtungen sowie Co-Working-Spaces und Begegnungsräume. Doch die Transformationsprozesse stehen vor Herausforderungen wie mangelnden Ressourcen und Veränderungsmüdigkeit. Die Rückkehr zur „Post-Corona-Normalität“ wird oft als Hürde wahrgenommen.
Ein Blick in die Zukunft
Die Revitalisierung von Innenstädten ist nicht nur ein kurzfristiges Projekt, sondern erfordert langfristige Strategien. Architekt und em. Universitätsprofessor Roland Gnaiger betont, dass die Innenstädte historisch das Zentrum des Lebens waren, jedoch an Attraktivität verloren haben. Eine Verdichtung könnte eine Lösung darstellen, um die Lebensqualität in städtischen Räumen zu erhöhen. Alte Gebäude bieten oft Potenzial für die Umnutzung in Wohnräume, was nicht nur zur Belebung der Innenstädte beiträgt, sondern auch den Charme und die Geschichte der Orte bewahrt.
Zusätzlich zur Schaffung von Wohnraum ist es wichtig, Freiräume in Innenstädten zu gestalten, die für alle Altersgruppen attraktiv sind. Vorschläge zur Verbesserung des Klimas in städtischen Gebieten beinhalten Fassadengrün und Baumbepflanzungen. Diese Maßnahmen tragen nicht nur zur Lebensqualität bei, sondern fördern auch die Rückkehr von Menschen in die Innenstädte.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Entwicklung des neuen Wohn- und Geschäftszentrums in Wiener Neustadt ein vielversprechender Schritt in eine lebendigere und attraktivere Innenstadt ist. Die Initiative zeigt, wie wichtig es ist, Leerstände zu aktivieren und die Zusammenarbeit zwischen Stadtverwaltung und Immobilienbesitzern zu stärken. Nur so kann die Innenstadt von Wiener Neustadt zu einem Ort werden, der wieder von Leben und Vielfalt geprägt ist. Weitere Informationen zu den Herausforderungen und Chancen der Innenstadtentwicklung finden Sie in den ausführlichen Analysen hier, hier und hier.