Die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt steht vor erheblichen Herausforderungen. Mit 15 Staatsanwälten und 18 Bezirksanwälten gehört sie zu den größeren Anklagebehörden in Österreich. Doch der Personalstand ist nicht voll besetzt, was sich auf die Arbeitsbelastung der verbleibenden Mitarbeiter auswirkt. Wegen Pensionierungen und Schwangerschaften fehlen wichtige Planstellen, und die Unterstützung durch die Oberstaatsanwaltschaft Wien ist nur eine temporäre Lösung, da zwei Kollegen vorübergehend abgegeben wurden. Erich Habitzl, der erste Staatsanwalt, beschreibt die Situation als „fordernd“. Gesetzesänderungen bringen zusätzlichen Arbeitsaufwand mit sich, und ab Oktober 2023 wird das MS-Office-Paket durch Gratis-Software ersetzt, die deutlich langsamer funktioniert. Zudem wurde die Anzahl der Drucker in der Behörde reduziert.
Die Zahlen sprechen für sich: Die Anzahl der Straftaten ist von 4.056 Verfahren im Jahr 2024 auf 4.268 Verfahren im Jahr 2025 gestiegen. Auch die Zahl der Fälle am Bezirksgericht ist mit 13.543 nicht zu vernachlässigen. Der Anstieg des Ermittlungsaufwands ist in nahezu allen Kategorien spürbar. So sind die europäischen Haftbefehle von 58 auf 77 gestiegen, Hausdurchsuchungen von 234 auf 306 und Festnahmeanordnungen von 255 auf 305. Gleichzeitig sind Kontoabfragen und Ermittlungen zu Bankgeschäften um fast 50 Prozent angestiegen. Bedauerlicherweise ist eine Personalaufstockung in absehbarer Zukunft nicht zu erwarten.
Internetbetrug und Terrorpropaganda im Fokus
Ein besorgniserregender Trend ist die Zunahme von Internetbetrug und der Propaganda für terroristische Organisationen. Internationale Banden spionieren Zugangsdaten und Zahlungsinformationen aus, häufig über gefälschte Webshops. Rückforderungen abgebuchter Gelder gestalten sich als nahezu unmöglich, da die Zahlungen über viele Konten weitergebucht werden. Staatsanwalt Haider warnt eindrücklich vor der Weitergabe sensibler Informationen und empfiehlt die Nutzung von Zwei-Faktor-Authentifizierung, um sich besser zu schützen. Wer mehr über Internet-Sicherheit erfahren möchte, findet Unterstützung auf www.watchlist-internet.at und www.onlinesicherheit.gv.at.
Besonders betroffen von den gestiegenen Anzeigen wegen terroristischer Straftaten in sozialen Netzwerken sind Jugendliche und junge Erwachsene. Die Ursachen für die Radikalisierung liegen oft im sozialen Hintergrund, vor allem bei orientierungslosen, weniger gebildeten jungen Menschen. Für das kommende Jahr wird ein weiterer Anstieg bei komplexen Ermittlungen, insbesondere im Zusammenhang mit Unternehmensinsolvenzen und Vermögensdelikten, erwartet.
Cybercrime in Österreich: Ein gemischtes Bild
Ein Blick auf die Cybercrime-Situation in Österreich zeigt ein gemischtes Bild. Im Jahr 2024 sank die Anzahl der Anzeigen wegen Cybercrime erstmals seit Jahren um über 5 Prozent, von 65.864 im Jahr 2023 auf 62.328. Während die Aufklärungsquote bei rund 31,7 Prozent stabil geblieben ist, zeigt sich ein Rückgang bei den Internetbetrugsanzeigen um 6,75 Prozent – von 34.069 auf 31.768. Dies ist der erste Rückgang seit Jahren, nachdem 2023 der Höchstwert erreicht wurde. Dennoch bleibt die Dunkelziffer bei Cybercrime hoch, da viele Straftaten nicht angezeigt werden.
Die Unterscheidung zwischen Cybercrime im engeren und weiteren Sinne ist dabei wichtig: Während erstere direkte Angriffe auf Daten oder Computersysteme umfasst, fallen konventionelle Straftaten, bei denen Informations- und Kommunikationstechnologien als Tatmittel eingesetzt werden, in den weiteren Sinn. Dies verdeutlicht die Komplexität und die Herausforderungen, die mit der Bekämpfung dieser Delikte verbunden sind.
Insgesamt steht die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt vor einer Vielzahl von Herausforderungen. Der Personalengpass, die steigende Anzahl an Straftaten, insbesondere im Bereich des Internetbetrugs und der Terrorpropaganda, sowie die anhaltenden Komplikationen im Cybercrime-Bereich verlangen nach innovativen Lösungen und einem verstärkten Engagement aller Beteiligten.