Am Mittwochmittag kam es in Ortmann/Pernitz zu einem Großeinsatz der Feuerwehr, ausgelöst durch eine Fehlbetankung, die zu einem Schadstoffaustriff führte. Mehrere Feuerwehren aus dem Bezirk Wiener Neustadt rückten an, um die Situation unter Kontrolle zu bringen. In einem 45.000-Liter-Tank kam es zu einer exothermen Reaktion zweier Chemikalien, die eine Temperaturerhöhung zur Folge hatte. Das Chemikaliengemisch trat aus dem Tank aus, was umgehend die Betriebsfeuerwehr des betroffenen Papierwerks in Aktion rief, die erste Maßnahmen ergriff und somit eine unkontrollierte Ausbreitung verhinderte.
Der LKW-Lenker, der an dem Vorfall beteiligt war, wurde vorsorglich ins Universitätsklinikum Wiener Neustadt gebracht. Glücklicherweise blieb er unverletzt und konnte am Nachmittag bereits wieder entlassen werden. Die Alarmierung des Abschnittsalarm im Feuerwehrabschnitt Gutenstein führte dazu, dass die Schadstoffzüge Wiener Neustadt und Aspang sowie eine Dekontaminationseinheit ebenfalls zum Einsatz kamen. Auch der Schadstoffberatungsdienst des Niederösterreichischen Landesfeuerwehrverbandes wurde alarmiert. Kühlmaßnahmen unterbanden die exotherme Reaktion, und Probenentnahmen wurden durch Schadstoffspezialisten in Chemieschutzanzügen durchgeführt.
Entwarnung und schnelle Reaktionen
Nach eingehender Prüfung durch Chemiker vor Ort konnte schnell Entwarnung gegeben werden, und der Feuerwehr-Einsatz wurde beendet. Der Werksleiter, Andreas Greiner, lobte die zügige Reaktion der Betriebsfeuerwehr sowie der Freiwilligen Feuerwehren. Zu keinem Zeitpunkt bestand Gefahr für die Umgebung, was nicht zuletzt auch dem Engagement von insgesamt acht Feuerwehren mit fast 100 Einsatzkräften zu verdanken war. Der Rettungsdienst war ebenfalls mit sechs Fahrzeugen, darunter eine mobile Leitstelle, vor Ort.
Die Ursachen solcher Situationen sind vielfältig. Oftmals resultieren thermische Gefahren aus unkontrollierten exothermen chemischen Reaktionen, die Wärme freisetzen, die unbedingt abgeführt werden muss, um eine Selbsterwärmung zu vermeiden. Eine Temperaturerhöhung von nur 10 °C kann die Reaktionsgeschwindigkeit verdoppeln oder sogar verdreifachen. Daher ist es von zentraler Bedeutung, die Temperaturkontrolle zu behalten, um gefährliche Situationen, wie sie in der Chemiekatastrophe von Seveso 1976 oder der Katastrophe von Bhopal 1984 auftraten, zu vermeiden. Diese Ereignisse haben gezeigt, wie katastrophal unkontrollierte Reaktionen sein können, wenn beispielsweise Stoffe verwechselt oder Katalysatoren versehentlich hinzugefügt werden.
Schutzmaßnahmen und Sicherheit
Um derartige Vorfälle künftig zu verhindern, sind umfassende Sicherheitskonzepte und Maßnahmen zur Auswahl und Eignung von Chemikalien notwendig. Hierbei spielen die Ermittlung thermokinetischer Parameter und die Einführung in die Wärmebilanzierung eine entscheidende Rolle. Der Kurs TRAS 410 „Erkennen und Beherrschen exothermer chemischer Reaktionen“ behandelt genau diese Themen und vermittelt grundlegende Kenntnisse zur sicheren Beherrschung von Reaktionen in verschiedenen Reaktortypen. Technische Aspekte der Reaktorsicherheit, wie Siede- und Notkühlung oder Druckentlastung, sind dabei unerlässlich.
In Anbetracht der jüngsten Ereignisse in Wiener Neustadt zeigt sich, wie wichtig schnelles Handeln und gut ausgebildete Einsatzkräfte sind. Der Schutz der Bevölkerung und die Vermeidung von Gefahren durch chemische Prozesse müssen stets im Vordergrund stehen, um die Sicherheit in der Industrie zu gewährleisten. Die aktuellen Vorfälle verdeutlichen die Notwendigkeit, Thermische Gefahren ernst zu nehmen und entsprechende Sicherheitsvorkehrungen zu treffen, um ähnliche Ereignisse in Zukunft zu vermeiden.





