Im Uniklinikum Wiener Neustadt wird Neurochirurgie auf höchstem Niveau praktiziert. Die Abteilung, die seit über zwei Jahrzehnten von Primar Johannes Burtscher geleitet wird, hat sich zu einem wichtigen Anlaufpunkt für Patienten aus ganz Österreich entwickelt. Trotz der geografischen Nähe zu Wien stellen die Landesgrenzen zwischen Wien und Niederösterreich für schwer kranke Patienten oft eine Herausforderung dar. Die Diskussion um Gastpatienten zwischen den Bundesländern hat dazu geführt, dass der Austausch von Patienten nach Wien abrupt beendet wurde. In Niederösterreich gibt es lediglich zwei neurochirurgische Abteilungen, eine in St. Pölten und eine in Wiener Neustadt, was die Situation zusätzlich kompliziert.

Die Neurochirurgie in Wiener Neustadt, die 2006 mit einer eigenen Station neu aufgestellt wurde, bietet Platz für 40 Betten und beschäftigt fast 60 Mitarbeiter. Jährlich werden hier rund 1.500 Patienten operiert, darunter Menschen mit schweren Erkrankungen wie Gehirntumoren, Blutungen oder Rückenmarksverletzungen. Burtscher, der in seiner Laufbahn keinen Patienten am Operationstisch verloren hat, berichtet von der hohen Qualität der Behandlungen, die durch modernste Technik unterstützt werden. Besonders hervorzuheben ist die Vorreiterrolle des Uniklinikums in der chirurgischen Mikroskopie, die durch neue technische Systeme wie das Exoskop revolutioniert wird. Diese Geräte verbessern nicht nur die Operationserfahrung, sondern reduzieren auch die körperliche Belastung für die Chirurgen.

Fortschritte in der Neurochirurgie

In der Neurochirurgie werden zunehmend mikrochirurgische und minimal invasive Verfahren eingesetzt. Diese Techniken ermöglichen es, Eingriffe an der Wirbelsäule durchzuführen, die weniger invasiv sind und damit das Risiko für Komplikationen senken. Dazu gehören unter anderem mikrochirurgische Eingriffe zur Entlastung von Nerven und Rückenmark sowie Stabilisationen mit speziellen Implantaten. Die Zusammenarbeit mit der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin stellt sicher, dass auch größere Operationen sicher durchgeführt werden können. Die Nutzung interdisziplinärer Intensivstationen ermöglicht zudem eine umfassende postoperative Betreuung.

Diese Entwicklungen stehen im Einklang mit den allgemeinen Trends in der Chirurgie, die zeigen, dass minimalinvasive Eingriffe immer beliebter werden. Eine Studie, die über 4.500 Darmkrebs-Operationen in Deutschland analysierte, ergab, dass die Krankenhaussterblichkeit bei offenen Operationen bei 6,1 % liegt, während sie bei minimalinvasiven Verfahren nur bei 1,7 % liegt. Zudem sind die durchschnittlichen Aufenthaltsdauern bei minimalinvasiven Verfahren deutlich kürzer, was für eine verbesserte Behandlungsqualität spricht.

Herausforderungen und Auszeichnungen

Primar Burtscher, der für seine Verdienste um Niederösterreich mit dem Großen Goldenen Ehrenzeichen ausgezeichnet wurde, hat nicht nur die Abteilung erfolgreich aufgebaut, sondern auch eine hohe Akzeptanz bei den Patienten erreicht. Vor zwei Jahren wurde die Neurochirurgie des Wiener Neustädter Klinikums zur besten Spitalsabteilung in Niederösterreich gewählt – basierend auf einer Umfrage unter 25.000 Patienten. Dies zeigt, wie wichtig eine qualitativ hochwertige Patientenversorgung ist und wie viel Vertrauen die Bevölkerung in die Arbeit des Teams hat.

Insgesamt zeigt die Neurochirurgie in Wiener Neustadt, wie Fortschritte in der Technik und eine engagierte medizinische Gemeinschaft Hand in Hand gehen, um den Patienten die bestmögliche Versorgung zu bieten. Die Herausforderungen, die durch die politischen und administrativen Rahmenbedingungen entstehen, können durch innovative Ansätze und den Einsatz modernster Verfahren überwunden werden.