Die Bühne in Wiener Neustadt erstrahlt im Glanz der Satire, die sowohl zum Schmunzeln als auch zum Nachdenken anregt. Anna Luca Krassnigg präsentiert die Inszenierung von Helmut Qualtingers und Carl Merz‘ Meisterwerk „Die Hinrichtung“ unter dem Titel „Das Volksfest“ bei ihrem Festival „Wortwiege“. Diese Aufführung bringt die Zuschauer in die Kasematten, eine mittelalterliche Wehranlage, wo die Handlung um den arbeitslosen Reindl und seine Familie kreist. Der Reindl, gespielt von Lukas Haas, wird für das skandalöse Vorhaben gewonnen, sich öffentlich hinrichten zu lassen, und entwickelt sich vom Phlegmatiker zum Entschlossenen.
Die Regisseurin Ira Süssenbach hat das Stück mit einem schrägen Holzboden und Klappen, gestaltet von Andreas Lungenschmid, eindrucksvoll in Szene gesetzt. Martin Schwanda als Scharfrichter Engel sorgt für packende Momente, während Isabella Wolf als Boss, ähnlich wie Mephisto, eine schillernde Rolle einnimmt. Ida Golda, die die Rolle der Horak spielt, hat jedoch mit einer unklaren Dialektaufführung zu kämpfen. Die Darbietungen von Ole Jens Schmieder in mehreren Rollen und Saskia Klar als Reindls Frau und Geliebte Inge fügen sich harmonisch in das Gesamtbild. Das Premierenpublikum war begeistert und applaudierte ausgiebig.
Die Hintergründe der Satire
Die Idee, einem in ärmlichen Verhältnissen lebenden Mann 10 Millionen Schilling für eine öffentliche Guillotine-Hinrichtung zu bieten, ist nicht nur provokant, sondern spiegelt auch die Gesellschaftskritik wider, die in der Satire steckt. Der Veranstalter wird von Behörden unterstützt, während eine andere Geschäftsgruppe versucht, den Vertrag zu torpedieren, um eigene Interessen zu wahren. Friedrich Torberg hebt hervor, dass das Thema bemerkenswert und die Umsetzung eindrucksvoll ist. Im Gegensatz dazu beschreibt Kurt Kahl die Hinrichtung als Teil eines Volksfests und betont die extrem negativen Erfahrungen des Mannes.
Die Resonanz auf das Projekt wird von Reinhard Tramontana im Kontext der vorherigen Arbeit „Der Herr Karl“ verglichen, wobei er feststellt, dass die Wiener nicht erneut an einem solchen Spektakel teilnehmen wollten. Barbara Petsch hebt hervor, dass Qualtinger in seinen besten Momenten sogar Horvath übertreffen kann. Diese kritische Reflexion über die Gesellschaft und die menschliche Verfassung ist ein zentrales Thema der Satire, das auch die Zuschauer zum Nachdenken anregt.
Theater als Spiegel der Gesellschaft
Das Theater hat seit jeher eine wichtige Rolle als Spiegel der Gesellschaft gespielt. Bereits die römischen Kaiser erkannten, dass ein Volk besser regiert werden kann, wenn es mit Brot und Spielen versorgt wird. Im Barock, ab Mitte des 17. Jahrhunderts, erlebte das deutschsprachige Theater eine Blütezeit, in der sowohl das einfache Volk als auch die Oberschicht ihre Vorlieben fanden. Politische Einflussnahme durch Theater war allgegenwärtig: Während die katholische Kirche gegen neue Glaubensströmungen opponierte, unterstützten weltliche Fürsten die Machtdemonstration ihrer Macht durch aufwändige Bühnenwerke.
Die Theaterlandschaft entwickelte sich weiter, nicht zuletzt durch die Ideen von Johann Christoph Gottsched, der die Einheit von Ort, Zeit und Handlung in Theaterstücken forderte. Diese Reformen stießen sowohl auf Zustimmung als auch auf Widerstand, was die Komplexität des Theaters als Medium der gesellschaftlichen Auseinandersetzung unterstreicht. Mit der Industrialisierung und dem Aufkommen des Realismus, der soziale Missstände thematisierte, zeigt sich, dass das Theater immer ein Ort der Reflexion über die menschliche Erfahrung und die gesellschaftlichen Verhältnisse war – ein Erbe, das auch in der aktuellen Inszenierung von „Das Volksfest“ weiterlebt.