Das „Triebwerk“ in Wiener Neustadt feiert ein beeindruckendes Jubiläum: 30 Jahre engagierte Jugendarbeit. Der Trägerverein „Jugend und Kultur“ hat sich zu einem echten Kompetenzzentrum entwickelt, das eine zentrale Rolle in der sozialen Infrastruktur spielt. Geschäftsführerin Susanne Marton hebt hervor, wie wichtig die Jugendarbeit für die Gesellschaft ist. In den letzten Jahren verzeichnete die mobile Jugendarbeit über 100.000 Kontakte, während die Suchtberatung rund 60.000 Menschen erreichte. Diese Zahlen verdeutlichen den enormen Bedarf an Unterstützung und Prävention in der heutigen Zeit.
Insgesamt wurden etwa 1.500 Workshops an Schulen durchgeführt, und ebenso viele Veranstaltungen fanden im Triebwerk statt, die mehr als 80.000 Besucher anzogen. Doch die Herausforderungen in der Jugendarbeit sind gewachsen, insbesondere durch die digitalen Lebenswelten und die Gefahr von Radikalisierung. Einsparungen in diesem Bereich könnten dazu führen, dass Probleme in andere Sektoren wie Psychologie oder Polizei abwandern. Dies ist besonders besorgniserregend, angesichts der Schwierigkeiten, die während der Wirtschaftskrise ab 2008, der Flüchtlingskrise 2015 und der Covid-Pandemie auftraten. Auch die aktuellen Entwicklungen, die einen Anstieg von betreuten Kindern und Jugendlichen durch das Land Niederösterreich um die Hälfte von 2018 bis 2024 zeigen, verdeutlichen den steigenden Handlungsbedarf.
Der Wert der Prävention
Die Bedeutung der Prävention in der Jugendarbeit kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Frühzeitige Aufklärung und präventive Maßnahmen sind entscheidend für die gesunde Entwicklung junger Menschen. Wie die LIFE Jugendhilfe betont, ist die Adoleszenz eine kritische Phase für den ersten Kontakt mit Suchtmitteln. Faktoren wie Neugierde, Peer-Druck und emotionale Probleme machen Jugendliche besonders anfällig für Suchtverhalten. Daher ist ein ganzheitlicher Ansatz, der sowohl Wissensvermittlung als auch die Stärkung von Lebenskompetenzen umfasst, von großer Bedeutung.
Früher Konsum von Suchtmitteln kann gravierende Folgen haben, darunter Beeinträchtigungen der Gehirnentwicklung und ein erhöhtes Risiko für chronische Suchterkrankungen. Präventive Maßnahmen zielen darauf ab, diese negativen Konsequenzen zu verhindern, indem sie den verantwortungsvollen Umgang mit legalen Substanzen und Verhaltenssüchten fördern. Die moderne Präventionsarbeit integriert verschiedene Lebensbereiche der Jugendlichen und setzt auf die Sensibilisierung von Eltern und Lehrkräften sowie die Implementierung von Programmen in Schulen.
Gesellschaftlicher Kontext und Ausblick
Die gesellschaftliche Relevanz der Kinder- und Jugendhilfe hat in den letzten Jahren zugenommen. Öffentliche Verantwortung für das Aufwachsen junger Menschen wurde ausgeweitet, was im Kinder- und Jugendstärkungsgesetz (KJSG) von 2021 reflektiert wird. Dieses Gesetz setzt Schwerpunkte auf institutionellen Kinderschutz und inklusive Angebote und fordert Verbesserungen für junge Menschen in Pflegefamilien und Heimerziehung.
Die Herausforderungen sind vielfältig, insbesondere im Hinblick auf die Digitalisierung der Lebenswelten und die damit verbundenen Risiken. Prävention muss sich an veränderte Bedingungen anpassen und die Lebensrealitäten der Jugendlichen in den Mittelpunkt stellen. Gleichzeitig bleibt die Bedeutung der Kinder- und Jugendhilfe auch nach der SARS-CoV-2-Pandemie bestehen. Die geplante Ausweitung ganztägiger Bildungs- und Betreuungsangebote bis ins Grundschulalter zeigt, dass hier noch viel Bewegung ist.
Das 30-jährige Bestehen des Triebwerks wird im Oktober mit einem Fest gefeiert, auch wenn ein Sommer-Open-Air in diesem Jahr aus Einsparungsgründen nicht stattfinden kann. Der Verein hat sich neu positioniert und nennt sich nun „Kompetenzzentrum für Jugendarbeit“, was die Wichtigkeit der Jugendarbeit in unserer Gesellschaft unterstreicht. Mit einem neuen Logo und frischen Ideen geht es in die nächsten Jahrzehnte, um auch weiterhin ein verlässlicher Partner für die Jugend zu sein.





