In Waidhofen an der Thaya fand kürzlich ein äußerst lehrreicher Workshop statt, der Schüler der 2. Klasse der Handelsakademie sowie zwei 6. Klassen des Gymnasiums zusammenbrachte. Die Veranstaltung war Teil des INTERREG-Projektes Sala Cultura CZonA und wurde von Shira Epstein und Matthias Hink geleitet. Shira Epstein, Jüdin und Hebräischlehrerin an der Volkshochschule Wien, und Matthias Hink, Musiker und Fremdenführer des Jüdischen Instituts für Erwachsenenbildung, boten den Schülern spannende Einblicke in die jüdische Kultur und Tradition.

Die Teilnehmer lernten nicht nur das hebräische Alphabet, sondern auch den jüdischen Gruß „Schalom“ (Frieden). Matthias Hink vermittelte zudem Wissen über jüdische Feste und deren Ähnlichkeiten zu christlichen Feiertagen. Ein wichtiger Bestandteil des Workshops war ein historischer Rückblick auf den Antisemitismus, der bis in die Anfänge des Christentums zurückreicht und im 20. Jahrhundert Millionen Menschenleben kostete. Zum Abschluss der Veranstaltung gab es israelisches Knabberzeug für die Schüler, was für viele einen süßen Abschluss des lehrreichen Tages darstellte.

Der historische Kontext des Antisemitismus

Die Auseinandersetzung mit Antisemitismus ist in Deutschland von großer Bedeutung, da er tief in der Kultur und Sprache verankert ist. Ein Beispiel dafür ist die deutsche Buchstabiertabelle, die auf eine antisemitische Maßnahme des NS-Regimes von 1934 zurückgeht. In dieser Zeit wurden jüdische Namen wie David, Samuel, Zacharias und Nathan durch nicht-jüdische Namen ersetzt, und diese Praxis ist laut DIN 5009 teilweise bis heute gültig. Der Autor, der in seinem Buch „Warum der Antisemitismus uns alle bedroht“ darüber schreibt, plädiert für eine Erweiterung der Antisemitismusforschung um einen „jewish & medial“ Ansatz.

In der jüdischen Tradition spielt die Alphabetschrift eine zentrale Rolle. Eine gültige Thorarolle umfasst 304.805 Buchstaben, und eine falsche Letter würde die Thorarolle religiös entwerten. Dies zeigt die tiefe Verwurzelung der Schrift in der jüdischen Identität und Kultur. Auch in den Lehren Jesu, der als lesekundiges Kind im Tempel dargestellt wird, wird die Unveränderlichkeit des Gesetzes betont. Martin Luther und Adolf Hitler sind weitere historische Figuren, die antisemitische Ansichten propagierten, was zur weiteren Stigmatisierung des Judentums beitrug.

Aktuelle Entwicklungen in der Antisemitismusforschung

Das Jahrbuch für Antisemitismusforschung hat in seiner Ausgabe 34 (2025) verschiedene Beiträge veröffentlicht, die sich mit der jüdischen Geschichte, dem Nationalsozialismus und dem heutigen Antisemitismus beschäftigen. Der Band wurde geprägt vom Tod von Micha Brumlik und Irmela von der Lühe. Unter den Beiträgen finden sich Analysen zu Pogromen in Damaskus und Rhodos sowie zur antisemitischen Denkweise im frühen 20. Jahrhundert. Auch die Debatten um das Luxemburger Abkommen und den Sechstagekrieg werden behandelt.

Die Herausforderungen und Debatten um Antisemitismus sind komplex und erfordern eine ständige Auseinandersetzung mit der Geschichte und der Gegenwart. Die jüngsten Studien und Veranstaltungen, wie der Workshop in Waidhofen, tragen dazu bei, das Bewusstsein für diese Themen zu schärfen und den Dialog zwischen den Kulturen zu fördern.

Für weitere Informationen zu den Themen Antisemitismus und jüdische Kultur können Sie die Quellen in den jeweiligen Abschnitten nachlesen: meinbezirk.at, scilogs.spektrum.de, tu.berlin.