Am 26. Februar 2026 fand in Waidhofen an der Thaya eine entscheidende Vorstandssitzung des NÖ Teichwirteverbandes im Fit Aktivcenter + Restaurant statt. Im Fokus der Sitzung standen wichtige Themen wie die Schutzmarke „Waldviertler Karpfen“, das landwirtschaftliche Weltkulturerbe sowie die gesetzlichen Rahmenbedingungen, die die Teichwirtschaft betreffen. Obmann Ferdinand Trauttmansdorff und Geschäftsführer Leo Kirchmaier berichteten über die Fortschritte bei der Weiterentwicklung der Marke „Waldviertler Karpfen“ und diskutierten die Herausforderungen, denen die Branche gegenübersteht.
Ein zentrales Thema war die Besprechung einer Projekteinreichung, die darauf abzielt, die Ökosystemleistungen der Teiche sichtbar zu machen. Dazu zählen Aspekte wie Lebensmittelproduktion, Wertschöpfung, Biodiversität und Klimaregulation. Ein Gastvortrag des NÖ Naturschutzbundes vermittelte darüber hinaus wertvolle Informationen über geschützte Pflanzenarten und deren Bedeutung für die Teichlandschaften. Geplant ist auch eine Fachexkursion nach Tirschenreuth in der Oberpfalz im Juni 2026, die den Teilnehmer*innen einen praxisnahen Einblick in die Teichwirtschaft geben soll.
Die Herausforderungen der Teichwirte
Ein weiteres zentrales Thema der Sitzung war die Diskussion über die gesetzlichen Rahmenbedingungen, unter denen die Teichwirte operieren. Der Selbstversorgungsgrad mit Fisch in Österreich liegt derzeit nur bei rund 8 Prozent, was die Notwendigkeit erhöht, praxistaugliche Lösungen in den Genehmigungsverfahren zu finden. Die Betriebe sehen sich oft Zielkonflikten gegenüber, die durch bürokratische Vorgaben wie die Wasserrahmenrichtlinie verstärkt werden. Hier waren sich alle Anwesenden einig, dass es dringend Handlungsbedarf gibt.
Ein symbolisches Highlight der Sitzung war die Besichtigung des „Karpfenkreisverkehrs“, der seit November des Vorjahres als sichtbares Zeichen der Waldviertler Karpfenteichwirtschaft fungiert. Anwesend waren der Verbandsobmann, der Geschäftsführer, die Karpfenkönigin sowie die Karpfenprinzessin und Sponsoren, die das Projekt unterstützen.
Weltkulturerbe und GIAHS
Die Waldviertler Karpfenteichwirtschaft hat kürzlich die Anerkennung als landwirtschaftliches Weltkulturerbe erhalten, die von der FAO (Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen) im Rahmen des GIAHS-Programms vergeben wird. GIAHS steht für Globally Important Agricultural Heritage Systems und zeichnet nachhaltige und kulturell wertvolle Agrarsysteme weltweit aus. Um diese Anerkennung zu erhalten, müssen umfassende Kriterien erfüllt werden, die von einem internationalen Expertengremium geprüft werden. Dies zeigt, dass die traditionelle Waldviertler Karpfenteichwirtschaft nicht nur den Status quo bewahrt, sondern auch aktuelle Herausforderungen erfolgreich meistert.
Die Aufnahme in das GIAHS-Programm gilt als eine der höchsten Auszeichnungen für landwirtschaftliche Systeme und wird als Vorbild für andere Regionen und Länder angesehen. Der Fokus liegt dabei auf einer dynamischen Weiterentwicklung, nicht nur auf der Erhaltung. Ein Aktionsplan definiert Maßnahmen zur positiven Weiterentwicklung des Gesamtsystems, was die Relevanz und Zukunftsfähigkeit der Waldviertler Karpfenteichwirtschaft unterstreicht.
Für die Teichwirte in Waidhofen an der Thaya und Umgebung bedeutet dies nicht nur eine Anerkennung ihrer Arbeit, sondern auch eine Verpflichtung zur Weiterentwicklung und Anpassung an die Herausforderungen der Zukunft. Die Initiative zur Verbesserung der gesetzlichen Rahmenbedingungen und die Sichtbarmachung der Ökosystemleistungen sind entscheidende Schritte in die richtige Richtung. Mehr Informationen zu diesen Themen finden Sie in den Artikeln auf MeinBezirk und LKO NÖ.