In der kleinen Stadt Waidhofen an der Thaya wird ein innovatives Pilotprojekt an der HAK (Handelsakademie) ins Leben gerufen, das sich kritisch mit dem Smartphone-Konsum von Jugendlichen auseinandersetzt. Unter der Leitung des Experten-Duos „Die Hetzendorfers“, bestehend aus Lukas Hetzendorfer, einem ehemaligen Mitarbeiter bei Google, und Katharina Hetzendorfer, einer ehemaligen Vize-Weltmeisterin im Beachvolleyball, wird ein Workshop unter dem Motto „Vom Screen zum Team“ angeboten. Ziel dieser Initiative ist es, die Heranwachsenden vom passiven Konsum zu aktiven Mitgestaltern zu machen. Dabei stehen die Aufklärung über Algorithmen und die Kontrolle über die eigene Mediennutzung im Vordergrund. Ein besonderes Highlight ist die praktische Einheit in der Turnhalle, wo Volleyballtraining zur Förderung von Disziplin und Teamgeist integriert wird. Weitere Informationen zu diesem einzigartigen Medienbildungs-Event finden Sie in einem Artikel auf Mein Bezirk.

Nach dem Workshop zeigen die Umfrageergebnisse eine durchweg positive Resonanz: 87,5% der Jugendlichen fanden die Einblicke in die Influencer-Welt motivierend, und nahezu alle Teilnehmer fühlen sich besser gewappnet, ihren Screen-Konsum zu steuern. Die Weiterempfehlungsrate liegt bei beeindruckenden 94%. Auch das Lehrpersonal äußert sich lobend über die Herangehensweise und die praktischen Beispiele. 100% der Lehrkräfte fanden die Einblicke hilfreich und motivierend. Zudem äußern sie den Wunsch nach einer Fortsetzung des Workshops und einer vertiefenden Auseinandersetzung mit Themen wie Cybermobbing und psychischer Gesundheit. Die Hetzendorfers planen, das Konzept an weiteren Schulen in Österreich auszurollen.

Die Bedeutung von Medienkompetenz

In der heutigen Zeit sind digitale Medien ein zentrales Thema in familiären, schulischen und gesellschaftlichen Diskussionen, insbesondere wenn es um Kinder und Jugendliche geht. Nahezu alle Jugendlichen in Deutschland besitzen ein eigenes Smartphone. Während der COVID-19-Pandemie wurde eine verstärkte Nutzung digitaler Spiele, sozialer Medien und Streaming-Dienste beobachtet, was die Notwendigkeit unterstreicht, gesunde Mediennutzung zu fördern. Digitale Plattformen unterstützen nicht nur die Entwicklung sozialer Fähigkeiten, sondern können auch eine Quelle für Probleme wie Cybermobbing, den Kontakt mit ungefilterten Inhalten und suchtfördernde Verhaltensweisen sein. Laut einer Studie sind etwa 5% der Kinder und Jugendlichen in Deutschland von Cybermobbing betroffen, was erhebliche Auswirkungen auf ihre psychische Gesundheit haben kann.

Die Computerspielstörung wurde als erste Digitale-Medien-Nutzungsstörung (DMNS) in die ICD-11 aufgenommen und international anerkannt. Diese Störung ist insbesondere bei Jugendlichen verbreitet und kann deren psychische Entwicklung stark beeinträchtigen. Es besteht ein dringender Bedarf an wirksamen Präventions- und Interventionsprogrammen zur Unterstützung einer gesunden Mediennutzung. Programme zur Förderung von Medienkompetenz und zur Prävention von Cybermobbing sind bereits in vielen Schulen implementiert, jedoch ist deren Ausbau und Evaluierung notwendig.

Die Rolle der sozialen Medien

Eine Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest zeigt, dass 95% der 12- bis 19-Jährigen täglich das Internet nutzen. Beliebte soziale Medien wie Instagram, TikTok und YouTube bieten Jugendlichen Orientierung für ihre soziale Identität und fördern den Austausch unter Gleichaltrigen. Diese Plattformen haben jedoch auch ihre Schattenseiten. Ständige Verfügbarkeit neuer Inhalte und Anerkennungsmechanismen können zu einem Zustand ständiger „Performance“ führen, der psychischen Druck erzeugt. Mutproben, die über soziale Medien verbreitet werden, können potenziell gefährlich sein, wie die traurigen Beispiele der Blackout-Challenge zeigen.

Die Verantwortung für die Förderung der Medienkompetenz liegt nicht nur bei den Schulen, sondern auch bei Eltern und Plattformbetreibern. Eltern spielen eine zentrale Rolle in der Medienerziehung und sollten ihre Kinder bei der Verarbeitung von Medieninhalten unterstützen. Gleichzeitig müssen Plattformbetreiber ihre Verantwortung ernst nehmen und die Moderation sowie die Altersverifikationssysteme verbessern. Nur durch eine umfassende Zusammenarbeit aller Beteiligten können wir sicherstellen, dass Jugendliche die Chancen der digitalen Welt nutzen, ohne in die genannten Fallen zu tappen.