In Waidhofen an der Thaya hat die 21-jährige Lisa Bognar ihre Leidenschaft für das Handwerk entdeckt. Dank des Programms „Frauen in Handwerk und Technik“ (FiT) hat sie die Ausbildung zur Entsorgungs- und Recyclingfachkraft bei Sauber & Stark begonnen. Die junge Frau aus Goschenreith war zuvor in einer Ausbildung zur Kraftfahrzeugtechnikerin, die ihr jedoch nicht zusagte. Durch das AMS Waidhofen konnte sie ein Praktikum bei Sauber & Stark absolvieren, das ihr sehr gefiel. Am 1. Februar 2026 startete sie schließlich in ihre Lehre und ist überglücklich darüber. Im ersten Monat hat sie bereits viel gelernt und schätzt die Arbeit mit unterschiedlichen Materialien und Kunden sehr.
Joachim Diglas, Geschäftsführer von Sauber & Stark, hebt die Bedeutung der Ausbildung junger Menschen hervor, insbesondere angesichts der Herausforderungen, die bei der Suche nach Fachkräften bestehen. Derzeit bilden sie vier Lehrlinge aus, darunter die Hälfte Frauen. Dies ist ein positiver Schritt, denn das FiT-Programm hat das Ziel, arbeitslose Frauen in handwerklich-technischen Berufen bis zum Lehrabschluss oder Jobeinstieg zu unterstützen. Im Jahr 2025 haben sich bereits 130 Frauen im FiT Zentrum Waldviertel beruflich neu orientiert. Die Erfolgsaussichten sind vielversprechend: 56 Prozent der Frauen, die ihre Ausbildung im Waldviertel beenden, fanden drei Monate nach Ausbildungsende eine Anstellung.
Die Bedeutung von FiT und weiteren Unterstützungsangeboten
Das FiT-Programm ist dreistufig und bietet umfassende Unterstützung. Es hilft Frauen dabei, ihre technischen und handwerklichen Stärken zu entdecken und auszubilden. Ziel ist es, Ausbildungen mit mindestens Lehrabschluss zu erlangen und diese beruflich umzusetzen. Die regionalen FiT-Zentren in Niederösterreich bieten Informationen, Orientierung und Vorqualifizierung für technisch-handwerkliche Ausbildungen. Zudem werden die Ausbildungen häufig als „Punktgenaue Qualifizierung“ (P.QU.) organisiert, die Theorie- und Praxiseinheiten kombiniert.
Die AMS-Geschäftsstellenleiterin Edith Palisek-Zach betont, dass die Mehrheit der finanziellen Fördermittel im AMS für Frauen reserviert ist. Dies ist besonders wichtig, da die Arbeitslosigkeit von Frauen in Niederösterreich im letzten Jahr um 5,3 Prozent gestiegen ist. Im Gegensatz dazu stieg die Arbeitslosigkeit von Männern um 3,4 Prozent. Prognosen deuten auf einen anhaltenden Personalbedarf in der Wirtschaft hin, insbesondere für Frauen im handwerklich-technischen Bereich.
Herausforderungen und Chancen für Frauen in technischen Berufen
In Deutschland ist der Frauenanteil in technischen Berufen nach wie vor niedrig. So sind beispielsweise nur 27 Prozent der Studierenden im Ingenieurwesen weiblich, und in der IT-Branche machen Frauen etwa 17 Prozent der Arbeitskräfte aus. Um die Chancengleichheit in technischen Berufen zu verbessern, sind verschiedene Maßnahmen und Initiativen notwendig. Programme wie „FrauenLoop“ und „Women in Tech e.V.“ fördern die Sichtbarkeit und die beruflichen Chancen von Frauen in der Technik.
Darüber hinaus zeigen Studien, dass Frauen zunehmend an umweltbewussten und sozialen Technologien interessiert sind. Flexible Lernformate und praxisorientierte Weiterbildungen können helfen, Frauen besser auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten. Mentorship-Programme und Networking-Events sind ebenfalls wichtig, um den Aufbau professioneller Netzwerke zu unterstützen und Frauen zu ermutigen, Führungspositionen anzustreben.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Initiativen wie das FiT-Programm und die Unterstützung durch AMS wesentlich dazu beitragen, die beruflichen Perspektiven von Frauen zu verbessern. Mit gezielten Weiterbildungsangeboten und der Förderung technischer Kompetenzen können die Potenziale von Frauen in diesen Berufen erfolgreich erschlossen werden.