Am Landesklinikum Waidhofen/Thaya fand ein niederösterreichweites Aufbaucurriculum für die Facharztausbildung in Psychiatrie und psychotherapeutischer Medizin statt. Diese zweitägige Fortbildungsveranstaltung brachte Assistenzärztinnen und -ärzte aus ganz Niederösterreich zusammen und stellte einen wichtigen Schritt in der Weiterbildung angehender Fachärzte dar. Curricula definieren verbindliche Lernziele und -inhalte, die Voraussetzung für den erfolgreichen Abschluss der Facharztausbildung sind. Das Aufbaucurriculum konzentrierte sich insbesondere auf Psychotherapie bei Persönlichkeitsentwicklungsstörungen, ein Themenfeld, das angesichts der steigenden Zahl an psychischen Erkrankungen von großer Relevanz ist.

Referent der Veranstaltung war Burkhard Dafert, ein erfahrener klinischer Psychologe und Verhaltenstherapeut. Die Teilnehmenden setzten sich intensiv mit der Definition und Differenzierung von Persönlichkeitsstrukturen auseinander, erlernten das Erkennen von Persönlichkeitsstörungen sowie diagnostische Kriterien und therapeutische Ansätze. Solche Fortbildungen sind entscheidend, um die Qualität der psychiatrischen Versorgung zu sichern und die Fachärzte optimal auf ihre zukünftigen Aufgaben vorzubereiten. Mehr Informationen über das Event finden Sie in einem Artikel auf MeinBezirk.

Facharztausbildung in Psychiatrie und Psychotherapie

Die Facharztausbildung in Psychiatrie und Psychotherapie umfasst eine Dauer von 60 Monaten, wobei bis zu 12 Monate in anderen Fachgebieten absolviert werden können. Diese Ausbildung deckt ein breites Spektrum ab, das von der Vorbeugung über die Erkennung bis hin zur Behandlung psychischer Erkrankungen und Störungen reicht. In Deutschland gibt es im Jahr 2024 insgesamt 15.539 Fachärztinnen und Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie, von denen 13.208 aktiv im Beruf stehen. Die häufigsten psychischen Erkrankungen, die behandelt werden müssen, sind Angststörungen, affektive Störungen sowie Störungen durch Alkohol- oder Medikamentenkonsum.

Ein wesentlicher Unterschied zu Psychologen liegt darin, dass Psychiater Medikamente verschreiben dürfen. Nach Abschluss der Weiterbildung stehen den Fachärzten verschiedene berufliche Perspektiven offen, sei es die Möglichkeit zur Niederlassung oder die Anstellung in Kliniken. Besonders beliebt ist die klinische Tätigkeit, die auch ein attraktives Einkommen mit sich bringt: Angestellte Fachärzte verdienen zwischen 4.500 Euro (Assistenzarzt) und 10.000 Euro (Chefarzt), während niedergelassene Psychiater durchschnittlich 13.000 Euro brutto einnehmen können. Weitere Details zur Facharztausbildung finden sich auf Ärztestellen.

Inhalte und Anforderungen der Weiterbildung

Die Inhalte der Facharztausbildung sind vielfältig und umfassen unter anderem Psychiatrische Anamnese, spezielle Psychopathologie und psychodiagnostische Testverfahren. Zudem sind Kenntnisse in der Behandlung von Suchterkrankungen, Krisenintervention sowie der Erkennung und Behandlung von psychischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen von großer Bedeutung. Ein wichtiger Aspekt ist die Selbsterfahrung, die 150 Stunden Einzel- oder Gruppenselbsterfahrung sowie 35 Doppelstunden Balintgruppenarbeit umfasst. Auch neurologische Kenntnisse sind notwendig, weshalb eine Weiterbildung von 12 Monaten in diesem Bereich vorgeschrieben ist.

Die Weiterbildung beinhaltet eine Vielzahl von definierten Untersuchungs- und Behandlungsverfahren, wie 60 supervidierte Erstuntersuchungen und 240 Therapie-Stunden mit Supervision in Verhaltenstherapie oder tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie. Diese umfassenden Anforderungen sind notwendig, um sicherzustellen, dass die Fachärzte über das nötige Wissen und die Fähigkeiten verfügen, um psychische Erkrankungen effektiv zu behandeln und präventiv zu wirken. Weitere Informationen zur Weiterbildung finden Sie auf der Webseite der Bayerischen Landesärztekammer.