St. Pölten, die Landeshauptstadt von Niederösterreich, hat eine bewegte Geschichte, die bis zur Abtrennung Wiens von Niederösterreich im Jahr 1922 zurückreicht. Mit dieser Abtrennung verlor das Land seine traditionelle Hauptstadt und die Sitzverlegung der Landesregierung wurde im Wiener Landhaus in der Herrengasse beibehalten. Viele Behörden und Institutionen blieben zunächst in Wien, was die Frage nach einer eigenen Landeshauptstadt aufwarf. Aus finanziellen Gründen wurde jedoch lange auf die Errichtung einer solchen verzichtet. Erst ab 1928 wurde die Thematik öffentlich diskutiert und nach 1955 folgten wiederholte politische Vorstöße zur Hauptstadtlösung, die jedoch ohne parteiübergreifende Einigung blieben.

In den 1980er-Jahren nahm Landeshauptmann Siegfried Ludwig die Diskussion um die Landeshauptstadt erneut auf. Ein entscheidender Wendepunkt war die Volksbefragung am 1. und 2. März 1986 zur Frage „Landeshauptstadt – ja oder nein?“, bei der 56 % der Niederösterreicher:innen für eine eigene Landeshauptstadt stimmten. Besonders deutlich war die Zustimmung in St. Pölten, wo 96 % der Befragten für ihre Stadt votierten. Am 10. Juli 1986 beschloss der Landtag schließlich, St. Pölten zur neuen Landeshauptstadt zu erheben. Dies war nicht nur ein politischer, sondern auch ein gesellschaftlicher und kultureller Meilenstein für die Stadt und die gesamte Region.

Die Entwicklung St. Pöltens als Landeshauptstadt

Mit der Erhebung zur Landeshauptstadt begann eine neue Ära für St. Pölten. Die Entscheidung brachte infrastrukturelle und wirtschaftliche Impulse mit sich und stärkte das Selbstverständnis des Bundeslandes. Das erste „Hauptstadtfest“ fand bereits am 11. Juli 1986 statt und wurde bis 2005 jährlich gefeiert. Der Standort für das neue politische Zentrum, der „Ost-Flussraum“ am linken Traisenufer, wurde gewählt, und 1988 wurde ein internationaler Architektenwettbewerb ausgeschrieben, den Ernst Hoffmann gewann. 1992 erfolgte der feierliche Spatenstich für das neue Regierungsviertel, das in nur fünf Jahren fertiggestellt wurde und eine Verbindung von Architektur, Verwaltung und Kultur schafft.

1997 fand der endgültige Umzug der Landesregierung und des Landtags von Wien nach St. Pölten statt. In diesem neuen Zentrum entstanden markante Bauwerke wie der Klangturm, das Landhausschiff, das Festspielhaus, das Museum Niederösterreich, die Landesbibliothek und das Landesarchiv. Diese Entwicklungen führten dazu, dass St. Pölten heute als eine der ältesten Städte Österreichs gilt, mit einer Geschichte, die bis zur römischen Stadt Aelium Cetium zurückreicht.

Jubiläumsfeierlichkeiten und zukunftsweisende Projekte

Im Jahr 2026 wird St. Pölten 40 Jahre als Landeshauptstadt feiern. Anlässlich dieses Jubiläums wird ab dem 19. Mai eine umfassende Ausstellung gezeigt, die in Zusammenarbeit zwischen dem Museum Niederösterreich und dem Stadtmuseum St. Pölten entsteht. Die Ausstellung wird nicht nur in den beiden Museen, sondern auch an zehn öffentlichen Plätzen im Stadtgebiet präsentiert. Dies soll die Entwicklung der Landeshauptstadt für alle Bürger:innen erlebbar machen. Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner hebt die Bedeutung dieses Jubiläums hervor und betont, dass die Erhebung zur Landeshauptstadt St. Pölten viele neue Chancen eröffnet hat und das Selbstbewusstsein des Bundeslandes gestärkt hat.

Die Stadt hat sich seither zu einem wichtigen politischen und kulturellen Zentrum entwickelt. Mit einer Einwohnerzahl von 59.767 (Stand: 1. Jänner 2025) und einer Fläche von 108,44 km² ist St. Pölten die größte Stadt Niederösterreichs. Sie liegt im nördlichen Alpenvorland am Fluss Traisen und bietet eine Vielzahl von Bildungseinrichtungen, einer aktiven Kulturszene sowie einer florierenden Wirtschaft. Die Verkehrsanbindung ist durch die West Autobahn A1 und mehrere Bahnhöfe optimal, und die Stadt hat sich über die Jahre zur Industriestadt entwickelt.

Mit der geplanten Eröffnung des Stadtmuseums im Karmeliterinnenhof und der neuen stadtgeschichtlichen Dauerausstellung im Jahr 2026 wird St. Pölten nicht nur seiner Geschichte gerecht, sondern blickt auch optimistisch in die Zukunft. Die Plattform St. Pölten, die seit 20 Jahren zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts und zur Förderung von Kooperationen beiträgt, hat über 350 Mitglieder und spielt eine wichtige Rolle in der positiven Entwicklung des Wirtschafts- und Lebensraums St. Pölten.

Für weitere Informationen zu diesem Thema können Sie die ausführlichen Details auf der Webseite der Stadt St. Pölten und in einem Artikel auf MeinBezirk nachlesen. Auch auf Wikipedia gibt es viele weitere spannende Informationen über die Stadt.