Heute, am 9. Februar 2026, wird in St. Pölten nicht nur der 50. Jahrestag der Einstellung der Straßenbahn gefeiert, sondern auch der 40. Geburtstag der Stadt als Landeshauptstadt von Niederösterreich. Ein Blick zurück zeigt, dass die St. Pöltner Straßenbahn, die am 20. März 1911 eröffnet wurde, bis zu ihrer letzten Fahrt am 9. Februar 1976 eine bedeutende Rolle im öffentlichen Verkehr spielte.

Die Straßenbahn verband den Bahnhof St. Pölten Hbf mit dem Stadtteil Harland, einer Strecke von etwa 8 km. Sie war nicht nur ein Verkehrsmittel für die Pendler, sondern auch für den Güterverkehr, insbesondere zu Fabriken wie der Harlander Zwirnfabrik und Glanzstoff Austria. Doch die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Straßenbahn-Gesellschaft führten letztlich zur Einstellung des Betriebs. Eine unbezahlte Stromrechnung in Höhe von ATS 30.000 (ca. € 8.500) war der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, nachdem keine Einigung über die Übernahme der jährlichen Verluste erzielt werden konnte.

Technische Details und historische Entwicklung

Die St. Pöltner Straßenbahn war technisch auf dem neuesten Stand ihrer Zeit. Mit einer Spurweite von 1435 mm und einem Stromsystem von 800 Volt bot sie eine maximale Streckengeschwindigkeit von 35 km/h. Die gesamte Streckenlänge betrug 9,42 km, wobei die maximale Neigung 38,62 ‰ und der minimale Radius 20 m betrug.

Die ersten Probefahrten fanden bereits am 20. Februar 1911 statt, und die erste Strecke wurde 1911 eröffnet. Diese Strecke, die als Strecke A bekannt war, blieb bis zur Stilllegung im Jahr 1976 in Betrieb. Die letzte Güterverbindung wurde bis 2008 zur Glanzstoff-Fabrik aufrechterhalten. Teile der ehemaligen Trasse wurden inzwischen in den Radweg „Tramway Trasse“ umgewandelt.

Erinnerungen und Nachnutzung

Obwohl fast nichts mehr an die 65-jährige Existenz der Straßenbahn erinnert, bleibt die denkmalgeschützte Remise ein Zeugnis der einst blühenden Verkehrsanbindung. Viele der Fahrzeuge wurden von der Museumstramway Mariazell-Erlaufsee gerettet. Insbesondere zwei elektrische Lokomotiven aus dem Jahr 1911 warten auf ihre Restaurierung, während drei Triebwagen aus den Jahren 1911, 1914 und 1929 bereits erfolgreich restauriert sind.

Die Museumstramway hat zudem einen „Nachruf“ auf die St. Pöltner Straßenbahn verfasst, der einen umfassenden Überblick von der Planung im Jahr 1905 bis zu den letzten Resten der Straßenbahn im Jahr 2026 bietet. Dieser „Nachruf“ ist kostenlos im Downloadbereich der Webseite der Museumstramway verfügbar, was allen Interessierten die Möglichkeit gibt, mehr über diese faszinierende Geschichte zu erfahren.

Ein Blick über die Grenzen

Die Geschichte der Straßenbahn in St. Pölten ist nicht nur ein lokales Phänomen. In ganz Europa, insbesondere in Wien, hat die Straßenbahn eine lange Tradition. Die Wiener Straßenbahn, die ihren Ursprung bereits in der Pferdetramway hat, wurde 1863 gegründet und entwickelte sich über die Jahre zu einem zentralen Bestandteil des öffentlichen Verkehrs. Bis zur Einführung der U-Bahn war sie der Hauptträger des Verkehrs in der Stadt. Viele technische Innovationen und Modernisierungen, wie die Elektrifizierung im Jahr 1897, prägen die Entwicklung der Straßenbahnen bis heute.

In St. Pölten gab es seit 2004 immer wieder Diskussionen über eine mögliche Wiedereinführung der Straßenbahn. Diese Überlegungen könnten für die Stadt eine neue Perspektive im Bereich des öffentlichen Nahverkehrs eröffnen und an die glorreiche Vergangenheit anknüpfen.

Für die Geschichte der St. Pöltner Straßenbahn und ihrer Bedeutung in der Entwicklung des öffentlichen Verkehrs in der Region ist es wichtig, diese Erinnerungen wachzuhalten und die technischen sowie kulturellen Aspekte zu würdigen. Der Blick in die Vergangenheit zeigt nicht nur die Errungenschaften, sondern auch die Herausforderungen, die es zu meistern galt.