Die ersten warmen Frühlingstage bringen nicht nur Freude in die Herzen der Menschen, sondern auch die Wanderung von Kröten, Fröschen und anderen Amphibien zu ihren Laichgewässern in St. Pölten. Jedes Jahr sind zahlreiche Freiwillige und Stadtmitarbeiter im Einsatz, um diese schützenswerten Tiere vor dem Autoverkehr zu retten. In dieser Zeit, wenn die Temperaturen steigen und die Nächte feucht sind, gilt es, den amphibischen Wanderern ein sicheres Überqueren der Straßen zu ermöglichen. Die größte Gefahr für diese Tiere sind die Straßen, wo jährlich Tausende überfahren werden.
Susanne Wegenkittl vom Naturschutzbund NÖ hat die Koordination der Freiwilligen übernommen, die sich in WhatsApp-Gruppen organisieren. Gemeinsam mit Erwin Sulzer vom Wirtschaftshof sorgt sie dafür, dass Amphibienzäune aufgestellt und Fangeimer eingefasst werden. Diese Fangeimer sind nicht nur für die Amphibien wichtig, sondern enthalten auch Stöckchen, damit andere Kleintiere wie Käfer oder Mäuse wieder herausklettern können. Biologin Vanessa Nowotny unterstützt Tatjana Fischer bei der Organisation der Rettungsaktionen, und auch Bürgermeister Matthias Stadler sowie Franz Gruber setzen sich für das Projekt ein.
Amphibienrettung in vollem Gange
In St. Pölten sind die Amphibien besonders aktiv in den frühen Morgenstunden und in der Abenddämmerung. Autofahrer sollten in diesen Zeiten besonders aufmerksam sein und sowohl auf querende Amphibien als auch auf die Helfer achten. In diesem Jahr werden am Eisberg 800 Meter Zaun und 60 Fangkübel verbaut, um die Tiere sicher über die Straßen zu leiten. Auch in Pottenbrunn und Windpassing gibt es weitere Amphibienzäune an Landesstraßen, die den Amphibien helfen sollen.
Die Erdkröten legen im Frühjahr zwischen 3.000 und 8.000 Eier in Gallertschnüren ab, die sich nach zwei bis vier Wochen zu Kaulquappen entwickeln. Frösche hingegen legen ihre Eier in Klumpen, auch bekannt als Laichballen. Das Gebiet um St. Pölten hat mit zehn Amphibienarten das artenreichste Vorkommen im Großraum. Der Eisberg in der Kunrathstraße und das Augebiet nördlich des Ratzersdorfer Sees sind dabei Hotspots, an denen ein erhöhtes Amphibienaufkommen zu verzeichnen ist.
Freiwillige Helfer gesucht
Naturschutzgruppen setzen sich aktiv für den Schutz der Amphibien ein, indem sie Krötenschutzzäune aufstellen und die Tiere sicher über die Straßen tragen. Helferinnen und Helfer sind herzlich eingeladen, sich zu engagieren. Vorkenntnisse sind nicht zwingend erforderlich, und die Saison dauert in der Regel zwei bis drei Monate. Wer sich beteiligen möchte, kann sich unter noe@naturschutzbund.at melden.
Die Nutzung von Fangeimern ist eine bewährte Methode, um Amphibien zu schützen. Diese sollten idealerweise 10 Liter groß sein und mit einem geraden Rand oder Deckel versehen werden, um optimal zu funktionieren. Zudem sollten sie täglich kontrolliert werden, insbesondere bei Trockenheit oder Frost, um das Risiko des Vertrocknens oder Erfrierens der Tiere zu minimieren. Ein Stock als Kletterhilfe für andere Tiere in den Eimern kann ebenfalls hilfreich sein.
Um die Amphibienwanderungen umfassend zu dokumentieren, ist es wichtig, die gesammelten Daten in Datenbanken einzutragen, um die Bestandsentwicklung zu überwachen und den Bedarf für Schutzmaßnahmen zu erkennen. Wanderwege in der Nähe von häufig befahrenen Straßen sollten mit Hinweistafeln versehen werden, um Passanten über die Maßnahmen des Naturschutzes zu informieren.
Für all jene, die sich für den Schutz der Amphibien in St. Pölten und darüber hinaus interessieren, bietet sich eine hervorragende Gelegenheit, aktiv zu werden. Denn der Schutz dieser faszinierenden Tiere liegt in unserer Hand.